Do, 22.Nov 2007, 22:32
von LetzterMaso
Ein sehr schöner Thread mit sehr guten Antworten, der es nicht verdient hat seine Existenz in den Niederungen des Forums zu fristen. Es sind ja auch viele neue LeserInnen an Bord. Ich möchte den Thread aber von dem 24/7 - Staub befreien. Hierüber wurde schon genug geschrieben. Versklavung ist auch ohne 24/7/365 realisierbar und in seiner Intensität ähnlich.
Honigtatze fragt "Also, was soll diese Bezeichnung als Sklave."
Persönliche Wahrnehmung gefällig?
Ich möchte mich schon im Vorfeld entschuldigen, dass es etwas herb wird, weil ich ein Sklavendasein ziemlich emotional schildern werde. Wanda besitzt in einem Punkt in besonderem Maße recht. Man wächst hinein. Und es kann einen, wenn man sich zu sehr darauf fixiert, kurz- oder mittelfristig aus der Bahn werfen, wenn es beendet wird und man vor dem Scherbenhaufen einer Illusion steht. Es kann einen verbittern und die unangenehmsten menschlichen Eigenschaften in einem hervorrufen. Es will wohl überlegt sein, denn lässt man sich auf eine solche Form der zwischenmenschlichen Beziehung ein, gibt es kein Zurück mehr, da sich eine Eigendynamik entwickelt, die sich sehr schwer steuern lässt.
Es kann anfangen bei einer Begegnung, die eher oberflächlicher Natur ist. Z.B. auf einer Party, beim spielen oder auch, ja, in einem Studio. Wie bei mir. Man bleibt in Kontakt und es entwickelt sich eine Freundschaft. Es wird gemerkt, dass man ja gar nicht so unterschiedlich denkt und sich gegenseitig etwas zu erzählen hat. Wie man so schön sagt, stimmt einfach die Chemie. Selbstverständlich trifft man sich zu weiteren Sessions. Eines Tages bemerken beide Seiten, dass die Form des ständigen Telefonierens, Treffens, Briefe Schreibens zu wenig ist. Weil man sich gegenseitig so viel Gutes tat, weil man immer vertrauter wird. Es zeigt sich dann, wenn erste Eifersüchtigkeiten auftreten. Wenn man sich z.B. als Mann mal einen Tag länger Zeit lässt, um ihre wichtige Mail zu beantworten. Oder anders herum. Der erste Schritt zur Einengung persönlicher Freiheit ist getan. Nur nimmt man dies auf beiden Seiten noch nicht so recht wahr, weil man immer noch eine Freundschaft besitzt, die einem hoch und heilig erscheint. Nur, wie das so ist mit Sehnsüchten, werden die Treffen intensiver und das Verlangen ebenso. Im Grunde befindet man sich schon längst nicht mehr in einer puren Freundschaft. Es ist zu diesem Zeitpunkt schon wesentlich tiefer und dann geht auf einmal alles recht schnell. Auslöser kann ein Krach sein, ein Streit. Streitigkeiten, in denen ein Mann schon mal sagen kann, dass man doch nicht ihr Sklave sei und was sie sich einbilden würde. Und ehe man sich versieht, kommt die wütende Antwort aus dem Hörer, dass man es doch sei. Sei es aus Zorn, aus Wut oder aus Angst zu verlieren. Es wurde ausgesprochen. Die ganze Energie zwischen beiden Seiten hat sich entladen und es herrscht Stille. Und Erschöpfung. Beide Seiten denken nach. Man weiß um die Freundschaft, doch es hat sich etwas verändert. Beide müssen sich entscheiden, wo ihre persönliche Reise hingeht. Es steht viel auf dem Spiel. Niemand will den anderen verletzen und das nächste Treffen ist ach so anders. Es bedarf keiner Worte. Es wissen beide, dass diese Veränderung stattgefunden hat. Es bedarf überhaupt keiner Verträge oder dergleichen Schnickschnack. Die Hierarchie hat sich schleichend, gleich einer Waagenstellung verändert. Mann ist nun nicht mehr Freund und Spielpartner, Mann ist Sklave. Man hat sich gebeugt.
Was es so schwer macht, oder besser gesagt, was es mir so schwer machte, das war der Verlust der Freundschaft. Es war nicht mal so sehr der Verlust der persönlichen Freiheit, nicht mehr alles tun uns lassen zu können, was ich will. Dieser Verlust wird mehr als nur aufgefangen durch eine unglaubliche Woge des Vertrauens, die einem entgegenschlägt, wenn man ihr diesen Wunsch erfüllt. Wenn man dieses Glück in den Augen sieht. Die Freundschaft dagegen, die spielt sich nun auf einer anderen Ebene ab. Vielleicht auch in einem selber, durch einen selber. So sehr man sich bemüht, sich nicht zu verändern, man tut es. Die Gefühle für sie verändern sich, die Gedankenwelt nimmt sie nicht mehr als Freund wahr. Man nimmt sie als Person wahr, die man über alles liebt und für die man alles nur Erdenkliche tun würde. Und in manchen Situationen schmerzt es. Ein "nein" wie unter Freunden geht nicht mehr wie früher. Dieses "früher" bricht immer wieder empor und es ist ein sehr schmerzhafter und steiniger Weg, dies nach und nach als einen Teil der Vergangenheit zu akzeptieren. Zudem verändert sich auch der Freundeskreis. Man hat sich, so sie will, nach ihren Wünschen zu richten. Manche oder viele Abende mit Freunden und Kumpels fallen eben flach. Über kurz verzeihen sie dies einem. Über lang nicht. Doch wie will man sich gegen den Willen der Person entscheiden, der man im Grunde schon längst verfallen ist? Man akzeptiert es, dass sich manche von einem abwenden, weil sie die Veränderung in einem nicht gutheißen wollen oder können. Übrig bleiben wenige.
Es sind ihre Regeln, die nun zählen und man läuft Gefahr, sich zu sehr auf sie zu fokussieren, nimmt dies selber aber nicht mal wahr. Sie im Grunde auch nicht, denn einen Menschen zu besitzen, der einem früher schon so nahe stand und der einem nun gehört, erzeugt Stolz. Hingabe zu spüren erzeugt Wärme. Es ist wie eine Sucht - auf beiden Seiten. Es gibt Tage, an denen beide Seiten der Meinung seien, sich in einem Zustand der absoluten Glückseligkeit zu befinden. Es IST definitiv ein Rauschgefühl. Auf der einen Seite das Gefühl, niemals mehr einen Menschen zu verlieren, der einem auf Knien die Treue geschworen hat, auf der anderen Seite das Gefühl so viel geben zu können, den ich als Halt von unten bezeichnen würde. Ja, man spürt, dass auf beiden Seiten dieser Drang vorhanden ist, sich gegenseitig beschützen zu wollen. Sich gegenseitig eine besondere Form der Verantwortung geschworen zu haben. Nur ist die Sprache eine unterschiedliche. Man weiß um die Rollen.
Es ist etwas Schönes. Beizeiten. Aber auch hart. Es werden alle Eigenschaften und psychischen und physischen Verstecke, die man als Mann gerne besitzt, auf die Probe gestellt. Manch Demütigung bleibt einem nicht erspart. Und ja, es gibt auch Momente, in denen man beinahe hasst. Warum sie einem dies nur antun kann. Weshalb man dies verdient habe. Man wird mit der Belastbarkeit des eigenen Egos konfrontiert und es fühlt sich stellenweise so an, als ob einem nicht nur die Kleidung genommen wird, sondern noch die Haut, das Gewebe und auch die Knochen, dass man sich nunmehr als reine, entblößte Seele fühlt. Man würde gerne nach seinen Rechten schreien, teilweise macht es einen krank, aber man kann es nicht. Man macht es nicht. Weil man schon viel zu tief drin ist. Und weil man viel zu sehr liebt.
Man hat sich längst mit der Rolle des Sklaven identifiziert und fängt damit an die Momente, die einen belasten als Ding wahrzunehmen. Ein Ding hat keine Gefühle. Es nimmt hin. Manches geht nicht, in einer solchen Beziehungsform, ohne ein Stück seiner Selbst in sich abzutöten. Und genau ab dem Punkt ist man endgültig angekommen als Sklave.
Und genau ab da geht der Schlammassel los. Darüber möchte ich jetzt aber nicht schreiben. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung, die einen verändert. Man lernt sehr viel über sich selbst. Eigenschaften, von denen man gar nicht weiß, dass diese überhaupt in einem existierten. Man kommt der Person, mit der man sich auf derartiges einlässt auch auf wunderbare und teilweise erschreckende Weise näher, als es in jeder anderen Beziehungsform möglich wäre. Es tun sich Abgründe auf beiden Seiten auf. Aber auch Höhen. Und es ist ein immens harter Aufprall, wenn es dann zuende geht. Das ist nicht six feet under, das sind sixty feet under. Und ich kenne Mädels, die um einiges empathischer und hingabevoller als ich agierten. Dagegen sind meine Erfahrungen und Zeichnungen gar nichts. Mir wurde erklärt, weshalb es zuende sei. Ich bekam die Chance zu verstehen. Manche eben nicht. Dies ist auch ein Grund, weshalb ich massive Probleme mit männlichen Tops besitze. Oder zumindest sehr skeptisch bin. Wenn ich sehe, wie achtlos weggeworfen werden kann, erzeugt dies in mir den blanken Hass. Es ist nun einmal so, dass man als Sklave oder Sklavin nicht gehen kann. Zumindest nicht dann, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist und man es nicht als Spielerei betrachtet. Man kann nur von oben entlassen werden. Und in der Hinsicht bin ich froh ein Kerl zu sein, denn wie unendlich abgefuckt manch Typ jemanden fallen lassen kann, dies wurde mir schon zu deutlich vor Augen geführt. Und das waren auch sehr starke Mädels. Denn darin liegt das Problem: je stärker man als Person ist, umso tiefer ist frau oder mann bereit zu geben.
Auch ein Grund, weshalb ich mich tunlichst zurück halte, wenn es um die Diskussion geht, wer masochistischer oder aufopferungsvoller im Geben sei. Männer oder Frauen. Ich persönlich habe mit dem Thema Versklavung vorerst abgeschlossen. So schön es auch sein mag, trotz der Entbehrungen, es geht immer irgendwann zuende. Es lässt sich nicht vermeiden. Es lässt sich auch nicht reproduzieren. Für mich jedenfalls nur noch durch Sessions, ob sie Stunden oder Tage gehen mögen. Und wenn ich schon dabei bin: BDSM ist nun mal kein Spiel. Es ist ernst. Auch wenn es nicht gerne gehört wird. Wie eine Pflanze, die langsam, aber unaufhörlich wächst. Womit ich wieder bei dem Satz von Wanda wäre, die schrieb, dass man in eine Versklavung hinein wächst.
Grüße,
Steffen