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Re: Zwangsprostitution

So, 07.Jul 2019, 09:46
Lady Velvet Steel hat geschrieben:
Sa, 06.Jul 2019, 21:39
Aber nicht vergessen, nach den 50% Abgaben gehen noch mal 19% USt, dann Kosten für KV, ESt, evtl. GewSt etc. weg. Also 200 Sessionpreis, 100 nimt der 50% Laden, dann fast 19€ USt. etc, bleibt micht mehr so viel. Summasumarum macht ne Session von 1h ca. 3h Aufwand, da sinds dann nur mehr ca. 20 brutto oder so.
Ist bei mir genau dasselbe bis auf die USt die Ihr ja auch im Rahmen der ESt Erklärung geltend machen könnt.
Unterschied: Mein Stundensatz ist niedriger (es wird trotzdem 50% einbehalten vom Arbeitgeber), Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten, dafür habe ich aber auch 40h / Woche garantierte Auslastung.

Was machst Du denn die anderen zwei Stunden?
Und bleiben viele Gäste nicht eher länger als 60min?
(Ich zB komme mit 1h überhaupt nicht hin, weder mental noch körperlich)

Re: Zwangsprostitution

So, 07.Jul 2019, 10:34
Wir alle wären doch auch in einer finanziellen Notlage, würden wir nicht arbeiten. Männer haben im Vergleich zu Frauen fast keine Chancen im horizontalen Gewerbe und kommen doch auch klar ohne sich zu prostituieren. Und wenn man sonst keine Qualifikation hat, dann reichts halt nur für Regale einräumen im Supermarkt oder den Besen schwingen.
Ich wäre im Übrigen sehr froh, wenn ich 50% von dem bekommen würde, was mein Arbeitgeber in Rechnung stellt. Daher arbeite ich auch selbstständig nebenher, damit ich nicht die Porsches vom Chef mitfinanzieren muss. Aber hey ich bin freiwillig in dem Laden und habe mein Gehalt akzeptiert. So wie eine Domina oder Sexdienstleisterin das auch tut.

Re: Zwangsprostitution

So, 07.Jul 2019, 16:09
Toy1978 hat geschrieben: Was machst Du denn die anderen zwei Stunden?
Und bleiben viele Gäste nicht eher länger als 60min?
Das mit der Stunde ist eine Beispiel-Rechnung
1 Stunde Session,
1 Stunde zusätzliche Beschäftigung direkt damit: Vorgespräch, Duschen, Nachgespräch, Duschen, Putzen (Bad und Sessionraum), Abrechnung
Was an unsichtbarer Arbeit anfällt:
Kundenkommunikation, Buchhaltung, Marketing (Social Media, Strategieplanung, Fotoshoots, Werbeplattformen bespielen, etc.), Ausstattung (besorgt sich ja nicht von selbst das Zeug), Weiterbildung, Materialpflege, ...

Es gibt schon einige Gäste, die länger bleiben als 60 Minuten, aber 60 Minuten ist so die Standardsessiondauer. ca. 65% meiner Sessions sind 1h, dann nochmal 20% 2h und der Rest verteilt sich auf kürzer oder länger.
Nighty_from_Mars hat geschrieben: Männer haben im Vergleich zu Frauen fast keine Chancen im horizontalen Gewerbe und kommen doch auch klar ohne sich zu prostituieren.
Das ist hier so ein typisch bigottes und Huren-Stigma verbreitendes Statement. Pfui Bäh.
Hier wird deine Abfälligkeit gegen Anbietende sexueller Dienstleistungen richtig deutlich.
Lady Velvet Steel

Erziehung für Anspruchsvolle
BDSM Studio LUX
0152 / 347 130 51

Re: Zwangsprostitution

So, 07.Jul 2019, 18:00
Lady Velvet Steel hat geschrieben:
So, 07.Jul 2019, 16:09
Toy1978 hat geschrieben: Was machst Du denn die anderen zwei Stunden?
Und bleiben viele Gäste nicht eher länger als 60min?
Das mit der Stunde ist eine Beispiel-Rechnung
1 Stunde Session,
1 Stunde zusätzliche Beschäftigung direkt damit: Vorgespräch, Duschen, Nachgespräch, Duschen, Putzen (Bad und Sessionraum), Abrechnung
Was an unsichtbarer Arbeit anfällt:
Kundenkommunikation, Buchhaltung, Marketing (Social Media, Strategieplanung, Fotoshoots, Werbeplattformen bespielen, etc.), Ausstattung (besorgt sich ja nicht von selbst das Zeug), Weiterbildung, Materialpflege, ...

Es gibt schon einige Gäste, die länger bleiben als 60 Minuten, aber 60 Minuten ist so die Standardsessiondauer. ca. 65% meiner Sessions sind 1h, dann nochmal 20% 2h und der Rest verteilt sich auf kürzer oder länger.
Ich hätte jetzt eher so mit 2 Stunden Verwaltungskram pro Woche gerechnet und 2h Vor-/Nachbereitung/Putzen pro Tag. Wenn das so viel ist - könntet Ihr mit einem automatisierten CRM System bestimmt viel Zeit sparen.

Das mit der Sessiondauer ist aber hier die wirkliche Überraschung für mich, dachte der Schnitt liegt deutlich über 1h. Kriegt man ja nix geschafft! :D

Re: Zwangsprostitution

So, 07.Jul 2019, 19:12
Nur kurz zu den 50 Prozent Abgaben, auf die sich viele festbeißen: Früher war das nicht unüblich, aber auch damals schon eher die Ausnahme, heute kenne ich kein Studio ( und keine Frau, die das mitmachen würde ), das diese Miete ausruft. Besonders nach Einführung der neuen Gesetze bieten gerade Betriebe zuvorderst Festmieten pro Tag an und wenn Prozente, ist das meist eine Alternative, für das sich Frau meistens freiwillig entscheiden kann, wenn es keine feste Miete will.
Und hier ist das überwiegend 30, manchmal 40 Prozent. Dafür muss sich Frau nicht mit Behörden rumschlagen, keine Studioräume suchen, keine oftmals Unsummen für Studioeinrichtungen investieren usw, usw.. Also alles in sich nachvollziehbar und schlüssig, auch rechnerisch, wie hier ja schon deutlich gemacht wurde.




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Re: Zwangsprostitution

Mo, 08.Jul 2019, 14:26
Toy1978 hat geschrieben: Ich hätte jetzt eher so mit 2 Stunden Verwaltungskram pro Woche gerechnet und 2h Vor-/Nachbereitung/Putzen pro Tag
Ja, da verschätzt sich der Laie ja gerne mal.
DomHunter hat geschrieben: Nur kurz zu den 50 Prozent Abgaben, auf die sich viele festbeißen: Früher war das nicht unüblich, aber auch damals schon eher die Ausnahme, heute kenne ich kein Studio
Naja, selbst in Berlin gibt es noch grosse Läden, die grundsätzlich 50/50 nehmen, als eine Ausnahme, so wie du es darstellst, kann ich das nicht bestätigen. Gottseidank ist es weniger geworden und feste Tagespreise (auch blöd das unternehmerische Risiko komplett auf die Mietenden umzulegen), angemessenere Prozentregelungen oder stundenbasierte Abrechnungen nehmen schon zu.

Richtig ist, dass diese Idee, in der Sexarbeit würde die Zwangsprostitution rasant um sich greifen und 90% aller SDL werden gewzungen, zu den Mythen gehört.
Lady Velvet Steel

Erziehung für Anspruchsvolle
BDSM Studio LUX
0152 / 347 130 51

Re: Zwangsprostitution

Di, 09.Jul 2019, 06:59
Toy1978 hat geschrieben:
So, 07.Jul 2019, 09:46
Lady Velvet Steel hat geschrieben:
Sa, 06.Jul 2019, 21:39
Aber nicht vergessen, nach den 50% Abgaben gehen noch mal 19% USt, dann Kosten für KV, ESt, evtl. GewSt etc. weg. Also 200 Sessionpreis, 100 nimt der 50% Laden, dann fast 19€ USt. etc, bleibt micht mehr so viel. Summasumarum macht ne Session von 1h ca. 3h Aufwand, da sinds dann nur mehr ca. 20 brutto oder so.
Ist bei mir genau dasselbe bis auf die USt die Ihr ja auch im Rahmen der ESt Erklärung geltend machen könnt.
Unterschied: Mein Stundensatz ist niedriger (es wird trotzdem 50% einbehalten vom Arbeitgeber), Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten, dafür habe ich aber auch 40h / Woche garantierte Auslastung.

Was machst Du denn die anderen zwei Stunden?
Und bleiben viele Gäste nicht eher länger als 60min?
(Ich zB komme mit 1h überhaupt nicht hin, weder mental noch körperlich)
Nicht jede Prostituierte hat mit USt. zu tun, ich z.B. falle unter die Kleinunternehmerregelung und komme nicht auf die Einnahmen, bei denen ich mich mit USt. rumschlagen müsste.

Als ich noch in Studios gearbeitet habe, sind vielleicht 15% der Gäste länger als eine Stunde geblieben.
"So where do you live, anyway?" - "Mostly in my head."

Re: Zwangsprostitution

Fr, 12.Jul 2019, 16:07
Lady Velvet Steel hat geschrieben:
So, 07.Jul 2019, 16:09
Nighty_from_Mars hat geschrieben: Männer haben im Vergleich zu Frauen fast keine Chancen im horizontalen Gewerbe und kommen doch auch klar ohne sich zu prostituieren.
Das ist hier so ein typisch bigottes und Huren-Stigma verbreitendes Statement. Pfui Bäh.
Hier wird deine Abfälligkeit gegen Anbietende sexueller Dienstleistungen richtig deutlich.
Ich weiß nicht wie Du aufgrund meiner Aussage zu dieser Interpretation kommst. Das Gegenteil ist der Fall. Ich respektiere Prostituierte für das was sie machen und finde dass ihr Job die gleiche, wenn nicht mehr Anerkennung verdient als andere.

Re: Zwangsprostitution

Fr, 12.Jul 2019, 16:59
Wenn ich zu einer neuen Dame gehe, entscheide ich mich häufig sogar nur für 30 Minuten. Dies hat mehrere Gründe.

Zum einen will ich schauen, ob die Dame fair "arbeitet". Leider habe ich nicht selten die Erfahrung gemacht, dass die Session nach 45-50 Minuten bereits vorbei war, obwohl ich für eine volle Stunde gezahlt habe. Das war in all den Jahren mit Abstand immer das größte Ärgerniss. Hin und wieder habe ich das auch angesprochen.

Zum anderen will ich feststellen, ob die Dame meine Wünsche umsetzen kann und ob die entsprechende Stimmung aufkommt. Sympathie und die richtige Chemie spielen hierbei eine große Rolle.

Zurück zum Thema: 50/50 war zumindest vor 9 Jahren gar nicht so unüblich. Irgendwann habe ich dann erfahren, dass z.B. im Kates Palace 60/40 praktiziert wird. Wie es nun im Avalon ist, weiß ich nicht. Ich finde den Stundenlohn von 220 € bzw 250 € immer dann zu hoch, wenn es in keiner Relation zur erbrachten Leistung steht. Bei Edelhuren oder Escort Damen finde ich es hingegen immer gerechtfertigt. (=hier stimmt oftmals einfach alles!) Bei Dominas wird m.E. viel zu oft extrem gephotoshopt. Es ist immer dann ärgerlich, wenn man 400-500 km durch die Republik fährt und dann enttäuscht ist, wenn die Dame dicker, dünner oder älter aussieht. Kommt leider auch nicht selten vor.
Bello e impossibile

Re: Zwangsprostitution

Fr, 12.Jul 2019, 22:56
Nighty_from_Mars hat geschrieben:
Fr, 12.Jul 2019, 16:07
Lady Velvet Steel hat geschrieben:
So, 07.Jul 2019, 16:09
Nighty_from_Mars hat geschrieben: Männer haben im Vergleich zu Frauen fast keine Chancen im horizontalen Gewerbe und kommen doch auch klar ohne sich zu prostituieren.
Das ist hier so ein typisch bigottes und Huren-Stigma verbreitendes Statement. Pfui Bäh.
Hier wird deine Abfälligkeit gegen Anbietende sexueller Dienstleistungen richtig deutlich.
Ich weiß nicht wie Du aufgrund meiner Aussage zu dieser Interpretation kommst. Das Gegenteil ist der Fall. Ich respektiere Prostituierte für das was sie machen und finde dass ihr Job die gleiche, wenn nicht mehr Anerkennung verdient als andere.
Vielleicht respektierst du andere Berufe auch mal so wie den der Prostituierten. Kunden wie du sind der Grund, warum "Regalbefüller" auf den Boden spuckend den Einzelhandel hinter sich lassen. Glaub mal, da arbeiten nicht nur Bratzen. Aber das Bildzeitungsniveau, was täglich so einkaufen kommt und bei Kleinstbeträgen auch noch meint sich benehmen zu können wie ne offene Hose, will man mit seinem Intellekt gar nicht noch bespaßen müssen und dabei gleich mit verblöden.
"So where do you live, anyway?" - "Mostly in my head."

Re: Zwangsprostitution

Fr, 12.Jul 2019, 23:49
Wenn wir nun aber den Bogen der Diskussion zurück zum Anfang führen, denn es ging da um eine gewisse Leni Breymaier aus der SPD, die in Deutschland das Schwedische Modell (Freierbestrafung) einführen will.

Leider ist das kein Witz, und auch wenn wir hier alle der Meinung sind, dass es gar nicht so viele "Zwangsprostituierte" gibt und Ausbeutung auch noch mal neu betrachtet werden muss, dann interessiert unsere Diskussion Menschen wie die Breymaier nicht. Sie nutzen sowohl den gesellschaftlichen Backlash für ihre moralischen Thesen "Es wäre ja schön, wenn es keine Prostitution mehr bräuchte" - "In Schweden können sich die jungen Männer nicht mehr vorstellen den Körper einer Frau zu kaufen!"

Politisch ist der Wind gerade günstig für solche Parolen, denn jeder der die Diskussion um den §219a (Infos über Abtreibung auf Webseiten von Frauenärzt*innen) verfolgt hat, weiß was ich meine. Da ging es um das Aussterben der Deutschen usw...

Fakt ist, dass wir (ja, ihr "Kunden" dürft euch auch angesprochen fühlen) jetzt was tun müssen, denn jetzt wird die Musik für neue Gesetze gemacht, die in 5 Jahren in Kraft treten. Ihr "Kunden" wollt und könnt natürlich nicht öffentlich eine eigene Lobby bilden. Blöd, aber so ist es.
Ihr könnt uns Sexarbeitenden aber helfen.
Wir vom Berufsverband sammeln gerade Geld, denn wir wollen eine Person einstellen, die sich um die politsiche Arbeit kümmert.
Das kann man nicht mal so ehrenamtlich nebenbei machen.

Wir freuen uns über 1x-Spenden (auch per paypal möglich) oder noch besser jeden Monat eine bestimmte Summe, denn nur damit können wir wirklich planen.

-> https://berufsverband-sexarbeit.de/inde ... oggle-id-2
JOHANNA WEBER
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https://johannaweber.de/

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