
JEDER DENK AN SICH! NUR ICH DENK AN MICH

Au weia, da kommen mir ja gleich die Tränen

Aber Spaß beiseite. Und zurück zum eigentlichen Stein des Anstoßes. Meiner Meinung nach war das Johanna Webers Spendenaufruf:
Johanna_Weber hat geschrieben: ↑Fr, 12.Jul 2019, 23:49Wenn wir nun aber den Bogen der Diskussion zurück zum Anfang führen, denn es ging da um eine gewisse Leni Breymaier aus der SPD, die in Deutschland das Schwedische Modell (Freierbestrafung) einführen will.
Leider ist das kein Witz, und auch wenn wir hier alle der Meinung sind, dass es gar nicht so viele "Zwangsprostituierte" gibt und Ausbeutung auch noch mal neu betrachtet werden muss, dann interessiert unsere Diskussion Menschen wie die Breymaier nicht. Sie nutzen sowohl den gesellschaftlichen Backlash für ihre moralischen Thesen "Es wäre ja schön, wenn es keine Prostitution mehr bräuchte" - "In Schweden können sich die jungen Männer nicht mehr vorstellen den Körper einer Frau zu kaufen!"
Politisch ist der Wind gerade günstig für solche Parolen, denn jeder der die Diskussion um den §219a (Infos über Abtreibung auf Webseiten von Frauenärzt*innen) verfolgt hat, weiß was ich meine. Da ging es um das Aussterben der Deutschen usw...
Fakt ist, dass wir (ja, ihr "Kunden" dürft euch auch angesprochen fühlen) jetzt was tun müssen, denn jetzt wird die Musik für neue Gesetze gemacht, die in 5 Jahren in Kraft treten. Ihr "Kunden" wollt und könnt natürlich nicht öffentlich eine eigene Lobby bilden. Blöd, aber so ist es.
Ihr könnt uns Sexarbeitenden aber helfen.
Wir vom Berufsverband sammeln gerade Geld, denn wir wollen eine Person einstellen, die sich um die politische Arbeit kümmert.
Das kann man nicht mal so ehrenamtlich nebenbei machen.
Wir freuen uns über 1x-Spenden (auch per paypal möglich) oder noch besser jeden Monat eine bestimmte Summe, denn nur damit können wir wirklich planen.
-> https://berufsverband-sexarbeit.de/inde ... oggle-id-2
Was sich der schnelle Leser hierbei gedacht hat war in etwa dies (und ich hab leider vor dem Verfassen des Posts einen Sketch von der Kebekus gekuckt daher klingen meine Gedanken grad bisschen kölsch):
"Wat? Wollen die mich verarschen? Wenn dat Hurenvolk doch in dene ihrem Verein da drinne ist, dann sollen die doch ihr Zeug da gefälligst selber zahlen, ja gehts noch? Ich zahl denen eh genug, den Weibern da, die sollen mich in Ruhe lassen! Da wollen die dass man denen noch mehr Geld gibt jedes Mal nach der Session für den Verband da!"
So auf den härtesten Kern reduziert. Ich drück die Dinge ja gern überspitzt aus.
Aber das schreibt man hier natürlich nicht hin. Ein Nebenkriegsschauplatz muss her. Ein bisschen diffus rumschreiben, egal, Hauptsache irgendwie den Spendenaufrufenden vor den Bug schießen. Aber bitte keine Diskussion anzetteln, die tatsächlich irgendwo hin führt! Das wär schon auch möglich gewesen aber ist ja anstrengend, da müsste man sich ja mit dem Berufsverband und Gesetzeszeug an sich beschäftigen und man könnte nicht einfach zwei Sätze raushauen und für die dann Beifall kassieren.

Aber so leicht - hab ich mir gedacht - so leicht nicht. Und wenn draußen die Sonne scheint und der See um die Ecke ruft, ich glaub das mit der Diskussion, die irgendwo hinführen kann, das würd ich gern anzetteln.

Vorweg: Ja, ich kann gut verstehen, dass das Geld bei vielen nicht locker sitzt und sicher einige aus finanziellen Gründen große Abstände zwischen Studiobesuchen machen müssen. Und dass man den Spendenaufruf auf die Schnelle vielleicht in den falschen Hals bekommen kann. Wenn man das will.
WICHTIG: Nein, wir sind nicht alle (und damit meine ich die Frauen) im Berufsverband. Ich selbst zum Beispiel erst seit diesem Jahr (Asche auf mein Haupt aber ich hatte einfach keinerlei Berührungspunkte zuvor). Und ja, alle Mitglieder zahlen Beiträge.
Wenn jetzt 80% der Dienstleisterinnen im Verband wären, gäbe es natürlich weitaus mehr finanziellen Spielraum. Dem ist allerdings noch nicht so. Trotzdem vertritt der Verband unser aller Interessen und will sein politisches Engagement aus gutem Grund verstärken. Wir haben ja alle erst miterlebt, welche Lücken das sogenannte ProstSchutzgesetzt gerissen hat und das hat ja wirklich jeden, sowohl Damen als auch Kunden, in irgendeinem Maße betroffen.
Also ja! Bin ich absolut dafür! Dass es jemanden gibt, der unsere politischen Interessen vertritt und die diesbezüglichen Entwicklungen verfolgt.
Aber. Meine persönliche Meinung. Auch mir passt etwas nicht am Spendenaufruf. Bzw. würde mir nicht passen, wenn ich den Verband nicht kennen würde (und das tun die meisten Kunden nicht). Und zwar, dass ich nichts erfahre über die Stelle, die geschaffen werden soll. Welche genauen Aufgaben die Person übernimmt. Welche Qualifikationen hier Voraussetzung sind. Jemand mit juristischem Fachwissen beispielsweise. In welcher Weise wird gearbeitet und die erarbeiteten Informationen und Einflussnahmen zugänglich gemacht werden. Ob man die Entwicklung irgendwo mitverfolgen kann. Viele offene Fragen.
Mich persönlich überzeugt man immer am besten mit vielen Infos, Transparenz, Transparenz und noch mehr Transparenz.
In diesem speziellen Fall ist das FÜR MICH zwar nicht nötig, immerhin bin ich von der Arbeit des Berufsverband schon überzeugt. Allerdings offensichtlich viele andere nicht, sonst hätte es diese seltsamen Beiträge hier allesamt nicht gegeben.
Was gut gemeint war aber vielleicht nicht förderlich, war der Kommentar, dass einige direkt nach der Session etwas gespendet haben. Die betreffenden Damen sind aber selbst in leitenden Positionen im Verband und gleichzeitig die Betreiberinnen des Studio LUX. Ganz, ganz sicher wird jetzt keine Dame nach der Session fragen, ob du noch eine Berufsverbands-Spende mit drauflegst.
Langfristig am sinnvollsten sind regelmäßige Spenden und die erhält man am besten von Mitgliedern. Und das werden auch nach und nach mehr. Wenn ich es richtig im Gedächtnis habe, existiert der Verband erst seit Ende 2013/Anfang 2014. Der hat noch nicht die Größe der Bundesärztekammer. Solange bis sich die Stelle für den Politikbeauftragten und weitere Projekte durch die Mitgliedsbeiträge selbst finanzieren, ist man eben noch auf weitere Spenden angewiesen. Und wo bitte sollte man anfragen, wenn nicht hier. Sollte ja eigentlich keinem wehtun, so eine Anfrage.
Vielleicht ist es wirklich der Aufwand, selbst zu recherchieren, der hier abgeschreckt hat. Sich durch die Website arbeiten, die dort gelisteten Gesetzestexte lesen, verstehen, die politische Entwicklung in Bezug setzen und all der Kram. Anstrengend. Besonders für den Laien. Und den, den das ganze Zeug eh nicht interessiert. Man kommt ja zur Dienstleisterin um seinen Spaß zu haben und nicht um sich mit deren Problemen zu beschäftigen. Auch wenn die einen am Ende selbst betreffen, nein bitte nicht. Kann man für sowas denn nicht einfach jemand einstellen?



Konnte es mir nicht verkneifen)

