Fr, 14.Dez 2007, 14:53
von Odysseus
Liebe Forumsteilnehmer,
nachdem Dreiachser dem Forum bereits das Totenglöckchen geläutet hat, möchte ich noch schnell meine Sicht beitragen. Ich habe meiner damaligen Freundin (und späteren Ehefrau) sehr früh gesagt, dass ich maso bzw. devot veranlagt bin, um ihr die Chance zu geben, die Beziehung noch rechtzeitig zu beenden, ehe sie sich verliebt. War wohl schon zu spät, sie hat mir gesagt, wenn ich es bräuchte, würde sie versuchen, mir zu geben, was ich brauche. Ich darf sagen, dass sie durchaus nicht unbegabt war, aber die etwas härteren Gangarten machten ihr keinen Spaß. Möglicherweise war es dumm von mir, dass ich nicht nebenbei bei professionellen Dominas Ausgleich suchte, aber es sollte für mich die eine, wahre Beziehung sein. Nachdem der Sex etwas lahmte, waren auch Kompromisse und andere Bemühungen von mir keine Lösung, denn es fehlte dann beim Sex die Spontanität, die meiner Frau als (wohl übermäßig) emotionaler Mensch wichtig war.
Irgendwann sagte sie mir, es sei Schluss mit SM, sie käme sich außerdem im Lederkorsett albern vor. Möglicherweise habe ich mit meiner Neigung die Ehe zerstört, aber ich glaube, dass diese Sicht viel zu kurzsichtig wäre. Tatsächlich gehört sie m.E. zu den Schwarz-Weiß-denkenden bzw. -fühlenden Menschen, deren Begeisterung für den Partner irgendwann ins Gegenteil umschlägt.
M.E. sollte man im Zusammenhang mit Beziehungen Sex sowieso nicht überbewerten. Wenn man hierzu Untersuchungen glauben will (für deren Wissenschaftlichkeit ich allerdings nicht einstehen kann, es kam sogar mal im Fernsehen), sind gemeinsame Interessen und Ziele wesentlich wichtiger. Bei einer SM-Beziehung ist aber Sex meines Erachtens schon aufgrund der speziellen Veranlagung so wichtig, dass fraglich scheint, ob unter diesen Voraussetzungen langdauernde Beziehungen überhaupt möglich sind. Lady-Tara spricht aus ihren Erfahrungen von einer Halbwertszeit von SM-Beziehungen von maximal 5 Jahren (macht allerdings zusätzlich eine Wandlung der gesamten Gesellschaft verantwortlich). Vielleicht wird dem Top aufgrund seiner Persönlichkeit der Sub nach einer Weile zwangsläufig langweilig und er sucht sich neue Reize, dann wäre es völlig falsch, wenn sich ein Sub einen Top für eine langdauernde Partnerschaft sucht.
Das hieße dann konkret: Ich brauche sehr viel Zeit und Energie, um im privaten Bereich als Sub meine Top zu finden und wenn ich sie gefunden habe, muss ich mich auf ein rasches Ende der Beziehung einstellen. Eine frustrierende Vorstellung.
Odysseus
PS: Oh je, ich hatte "Titenglöckchen" statt "Totenglöckchen" geschrieben. Ob dieser Ausdruck von den Mods wegen Obszönität und Jugendschutz hätte ausgeixt werden müssen?