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Venus im Pelz

Do, 27.Sep 2007, 08:30
Wahrscheinlich haben die meisten von euch Sacher-Masochs "Venus im Pelz" gelesen, ich aus irgendeinem Grund erst kürzlich.

Was für eine großartige Novelle! Nicht nur literarisch gut und stellenweise auch ganz "anregend"---was ich am faszinierendsten fand: nicht nur gab es zu Sacher-Masochs Zeiten natürlich keine BDSM Szene, auf deren Erfahrungen und Selbstdarstellungen er zurückgreifen konnte, sonder es gab meines Wissens auch in der Literatur noch keinerlei Darstellungen des Phänomenes, dass sich ein männlicher Sub/Masochist einer Frau unterwirft (beim früheren de Sade gibt es zwar schon sehr extreme Sadistinnen, aber keine männlichen Opfer, die sich diesen freiwillig unterwerfen)----und trotzdem gelingt es Sacher-Masoch, nicht nur die Gefühlswelt dieses literarischen Pioniers unserer Szene wunderbar darzustellen, sondern er bescheibt tatsächlich auch schon eine Reihe der Probleme, Paradoxa und Selbsttäuschungen, die mit der Konstellation Herrin-Sklave verbunden sind und bis zum heutigen Tag zu Frustration und Scheitern führen:

Wie so viele von uns (=die Subs, weniger die reinen Masochisten oder Fetischisten), liebt und verehrt der Held, Severin, seine Herrin, Wanda. Er will sich ihr vollkommen unterwerfen, allen ihren Launen dienen, und nichts als ihr ergebener Sklave sein. Glaubt er jedenfalls von sich...leider täuscht er sich: Was er tatsächlich tut, ist seine eigenen Bedürfnisse auf sie zu projezieren und sie in die Rolle der Erfüllungsgehilfin seiner Phantasien zu drängen. Er will die Gefühlssensation erleben, von ihr gedemütigt und körperlich gequält zu werden und glaubt, ihr damit ein übermenschliches Opfer zu bringen---ob sie das überhaupt will oder nicht, im Allgemeinen oder in einer bestimmten Situation, darüber denkt er nicht nach. Sie macht mehrmals deutlich, dass sie ihn tatsächlich liebt und dass sie möchte, dass er ihr Gefährte wird---aber er ist so gefangen in dem, was wir heute gern "Kopfkino" nennen, dass er es nicht mal wahrnimmt. Er glaubt, ihr vollkommen ergeben zu sein, gewissermaßen der vollkommenste Mann zu sein, der je eine Frau geliebt hat, weil er jede Demütigung und körperliche Qual hinnimmt, die sie ihm zuteilt---aber er verlässt nie den Raum seiner eigenen Phantasien, tatsächlich liebt er sie gar nicht, er nimmt sie eigentlich nicht mal als real existierenden Menschen wahr, denn er versucht nicht einmal, zu begreifen, was sie eigentlich will. Sie bleibt für ihn bis zum Ende nur eine Projektionsfläche seiner Wünsche.

...daneben beschreibt Sacher-Masoch auch eine Reihe weiterer, ganz realer Probleme in dieser Konstellation.

(Das Ende der Novelle ist naürlich extrem unbefriedigend: Severin, von seiner Obsession geheilt, glaubt zu erkennen, dass es zwischen Mann und Frau nur Sieger/in und Verlierer/in geben kann, und nachdem er bei Wanda verloren hat, transformiert er sich zum Top. THAT SUCKS! %red%)

...wenn man sich als männlicher Sub wundert, warum es mit den dominanten Damen nicht klappt: es könnte sich lohnen, die Venus im Pelz (nochmal) aufmerksam zu lesen. %wink%
"Eine Frage bleibt: Was will das Weib?"
S. Freud

Fr, 28.Sep 2007, 10:07
@Jagged:
Dein Beitrag spricht mir aus der Seele.
Klar, da kommt keine Antwort von den Subs, dazu ist das Thema zu unbequem.
Als ich 1982 in meine erste SM-Beziehung gerutscht bin und vor lauter blinder Liebe versucht habe, eine "Herrin" zu sein, war mir schon nach nur ein paar Wochen genau das klar, was du geschrieben hast.
Mein damaliger Partner hat mich mit Technik und Fesselkram halb totgeschmissen und niemals nur eine Sekunde darüber nachgedacht, ob ich das eigentlich wollte.
Naja, zur Strafe bin ich Profidommse geworden! Auch gut :-D
Gruss aus Berlin von
Lady MacLaine

Fr, 28.Sep 2007, 12:07
Hallo Jagged,

ein sehr interessanter Beitrag von dir! Dazu noch so wahr...

Ich denke jedoch, dass in diesem Forum die meisten hier denken:
"Aber genau dafür ist die Profi - Domina ja hier, um meine Fantasien zu befriedigen!"

Stell dein Posting doch einmal in ein Privates SM Forum- vielleicht antwortet dort mal ein Sub :)..(leise Zweifel anmeld :-D

Danke für das schöne Posting

Lady Tara
Es ist viel wertvoller, stets den Respekt der Menschen
als gelegentlich ihre Bewunderung zu haben.

http://www.galerie-de-sade.de/Hamburg/L ... a2438.html
http//www.sm-feeling.de

Fr, 28.Sep 2007, 13:43
Hallo,

ist es nicht so, dass SM immer auch Paradoxien zur Folge hat? Ein Sadist ist jemand, der lieb zu einem Masochisten ist. Aber was heisst das?

Das Ideal wäre, wenn beide Partner exakt die gleichen Vorlieben haben, die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Jeder hat seine spezifischen Phantasien, da finde ich es nicht verwunderlich, wenn Mann zur professionellen Domina geht, um sein spezielles Kopfkino umzusetzen. Aber war da nicht auch die Diskussion, warum Männer es gerne hätten, wenn der Profi-Domina ihre Tätigkeit Spaß macht? Vielleicht, weil es schöner ist, wenn ihre Phantasien auf Akzeptanz und Gegenliebe treffen.

In Wirklichkeit ist m.E. das Thema aber noch viel komplizierter, wenn nämlich die ganze Persönlichkeit von SM erfasst ist und nicht nur der Sex.

Ich habe in meiner Ehe auch versucht, meine Frau (gelegentlich) zur Herrin zu machen und bin damit gescheitert. Ich wollte nie ein 24/7, sondern stellte mir einen Kompromiss vor, mit "normalem" Vanilla-Sex, manchmal SM. Sex ist ja auch nicht alles, zumal zum Verliebtsein für mich auch ein gewisses traditionelles Rollenverständnis dazu gehört. Mein Kompromissversuch hat, wie gesagt, nicht geklappt. Mir ist klar, dass ich insoweit am Scheitern auch Mitverantwortung trage. Aber so einfach kann man eben nicht aus seiner Haut raus.

Geschichten, wie die von Lady MacLaine gehen mir unter die Haut. Ich denke mir, dass jeder im Grunde Zuwendung sucht und es schade ist, wenn Beziehungen derart brutal an sexuellen Vorlieben scheitern. Freilich, vielleicht war die Sache auch etwas komplizierter, über das rein Sexuelle hinaus.

Odysseus

Fr, 28.Sep 2007, 17:59
Natürlich ging die Geschichte damals über die sexuellen Komponenten hinaus.
Aber leider war ich halt einfach zu jung, um auch nur den Hauch einer Ahnung davon zu haben, wie es in der Gefühlswelt eines in der Kindheit missbrauchten Menschen aussieht und die Beine in die Hand zu nehmen und möglichst weit weg zu laufen.

Ich wollte geliebt werden - er suchte eine sadistische Foltermeisterin.
Ich wollte Vanilla-Kuschelsex - er wollte nur gequält werden.
Aber eines ist sicher: Mein damaliger Partner hielt sich selbst für den besten Sklaven der Welt! Er verschwendete an meine Gefühlswelt kaum einen Gedanken. Die Dübel in der Wand für das Andreaskreuz waren wichtiger:-(((

Und genau wie Wanda (soweit ich die Novelle nach 20 Jahren noch im Kopf habe) konnte ich mich dem unglaublichen Druck, der von der Erwartungshaltung des Passiven ausgeht, nur durch den endgültigen Bruch entziehen. Was aber leider dann am Ende 10 Jahre gedauert hat.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Gruss aus Berlin
Lady MacLaine

Fr, 28.Sep 2007, 23:22
@ Jagged
Deiner Analyse des Buches stimme ich Dir zwar zu,aber...
Jagged hat geschrieben:
...wenn man sich als männlicher Sub wundert, warum es mit den dominanten Damen nicht klappt: es könnte sich lohnen, die Venus im Pelz (nochmal) aufmerksam zu lesen. %wink%
Möchte ich nicht so stehen lassen.Wanda war ja gar keine dominante Dame, sondern hat die von Severin ihr zugedachte Rolle ja lediglich aus Goodwill ihm gegenüber gespielt.Die Dominanz wurde ihr von ihm regelrecht aufgedrängt.Mir hat das Buch nicht gefallen,obwohl Severins Gefühlswelt mir ,wie wohl anderen devoten jungen Männern,sehr nahe lag.
Mein kleines Glück mit Leo s Werken ,das Venus im Pelz ausverkauft war und ich als erstes "Katharina II,Zarin der Lust" von ihm verschlungen hatte.

@Lady MacLaine@Lady-Tara
Warum soll kein Sub dazu Stellung beziehen ?*verwundert*

Lady MacLaine hat geschrieben:Natürlich ging die Geschichte damals über die sexuellen Komponenten hinaus.
Aber leider war ich halt einfach zu jung, um auch nur den Hauch einer Ahnung davon zu haben, wie es in der Gefühlswelt eines in der Kindheit missbrauchten Menschen aussieht und die Beine in die Hand zu nehmen und möglichst weit weg zu laufen.
Aber ohne diese Erfahrung wärst Du heute nicht so ...wie Du bist.
Und Du bist doch gerne wie Du bist.

Gruss Mechanik

PS.Jagged,morgen werd ich mir im Sanitätsshop eine Piratenaugenklappe für mein linkes Auge kaufen..wegen Deinem Avatar
zu leiden für die Schönste...ist das schönste

Sa, 29.Sep 2007, 01:20
Freut mich, dass meine Bemerkungen über die Venus im Pelz einige interessante Antworten provoziert haben, und dass meine Interpretation anscheinend nicht ganz daneben ist. Natürlich ist das alles wirklich ein bischen offtopic in einem Dominaforum, aber zumindest für echte Subs und echte Dommes trotzdem ein Thema, glaube ich.
Lady MacLaine hat geschrieben: Und genau wie Wanda (soweit ich die Novelle nach 20 Jahren noch im Kopf habe) konnte ich mich dem unglaublichen Druck, der von der Erwartungshaltung des Passiven ausgeht, nur durch den endgültigen Bruch entziehen. Was aber leider dann am Ende 10 Jahre gedauert hat.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Vielleicht hätte ich gleich so ehrlich sein sollen, anzumerken, dass mir die schräge Psychodynamik in diesem Roman gleich so klar geworden ist, weil ich im Prinzip die selben Fehler in einer privaten Beziehung mit der Frau meines Lebens gemacht habe, wie dieser Severin. Nicht so plump und krass, weil ich von Anfang an genau das im Kopf hatte: bloss nicht meine Wünsche auf SIE projezieren und immer versuchen, herauszufinden, was sie wirklich möchte, aber im Nachhinein ist mir klargeworden: trotz ehrlichen, besten Bemühens: ich habe es nicht geschafft, diesen Fehler zu vermeiden. Glücklicherweise hat sie nur halb so lange gebraucht, Schluss zu machen, wie Sie: Fünf Jahre. Immerhin....nachdem sie den härtesten aller Wünsche an mich gerichtet hat, nämlich den, aus ihrem Leben zu verschwinden, habe ich es geschafft, das ohne wenn und aber, ohne Betteln, und ohne ihr ein schlechtes Gewissen einzuflößen, einfach zu akzeptieren, und sie danach nie wieder zu belästigen. Definitiv das Härteste, was ich je geleistet habe und vielleicht das einzige, was ich je aus Liebe getan habe und worauf ich stolz sein kann.
Aber auch das ist eine andere Geschichte....
Lady-Tara hat geschrieben: Ich denke jedoch, dass in diesem Forum die meisten hier denken:
"Aber genau dafür ist die Profi - Domina ja hier, um meine Fantasien zu befriedigen!"
Im Grunde finde ich diese Haltung auch nicht falsch: wenn jemand eher ein Fetischist oder Masochist ist und bestimmte konkrete Wünsche hat, für deren Befriedigung er eine Dienstleisterin bezahlt...wenn sie bereit ist, das Geld zu nehmen, und die Leistung zu erbringen: dann, meine ich, ist das ein völlig korrekter Deal für beide Seiten. Aber wenn man von sich selber glaubt, eine dominante Dame zu verehren und ihre Wünsche befriedigen zu wollen, in einem privaten Verhältnis, oder auch im professionellen Bereich: dann sollte man vielleicht etwas genauer nachdenken...
mechanik hat geschrieben:
Wanda war ja gar keine dominante Dame, sondern hat die von Severin ihr zugedachte Rolle ja lediglich aus Goodwill ihm gegenüber gespielt.Die Dominanz wurde ihr von ihm regelrecht aufgedrängt.
Schwer zu sagen....obwohl Wanda sich am Ende für einen dominanten Kerl entscheidet, hatte sie nach meinem Eindruck durchaus Domme-Potenzial, es war ihr nicht fremd oder unangenehm, in dieser Rolle zu sein, aber Severin hätte sich mehr auf das einlassen müssen, was sie wirklich war und wollte---und ich bin mir nicht so sicher, dass die meisten real existierenden dominanten Damen wirklich so anders sind, als Wanda. Aber zugegeben: das ist literarische Interpretation, und ich mag falsch liegen.
mechanik hat geschrieben: PS.Jagged,morgen werd ich mir im Sanitätsshop eine Piratenaugenklappe für mein linkes Auge kaufen..wegen Deinem Avatar
Hehe..... winke winke
"Eine Frage bleibt: Was will das Weib?"
S. Freud

Sa, 29.Sep 2007, 07:16
Guten Morgen mechanik,

die Antwort auf die Frage warum ich glaube das nicht geantwortet wird, liegt in meiner Erfahrung mit submissiven Männern.
Ich glaube das ich schon einmal andeutete dass so viele Unterschiede zwischen Privater und Professioneller Szene nicht sind. Die Einstellung der Männer ist im Endeffekt die selbe. Es geht darum Ihre Wünsche befriedigt zu sehen.
Wenn ich in privaten Foren/Chats unterwegs bin, steht oft sinngemäß eine Aussage von mir in den Profilen:
"Begrenzt du mich auf deine Neigung dann bist du bei mir verkehrt."
Und genau das wird zu häufig verlangt.
Wie LadyMacLaine schon schrieb:
LadyMaclaine hat geschrieben: Ich wollte geliebt werden - er suchte eine sadistische Foltermeisterin.
Ich wollte Vanilla-Kuschelsex - er wollte nur gequält werden.
Ich habe, bevor ich Profi Domina wurde, einige Partnerschaftliche Verhältnisse zu submissiven Männern gelebt. Ich kann diese Aussage von Lady MacLaine einfach nur bestätigen:
Ich wolle kuscheln und/oder war kaputt von der Arbeit, Er: "Mach mir die Domina!"

Die Erwartungshaltung von submissiven Männern ist der unserer Gäste nicht unähnlich. Nur das Sie sich eben brüsten, dass sie der "feste Sub/Partner"(oft noch genau in dieser Reihenfolge duz ) einer dominanten Dame sind.
Meistens nur nicht für lange...warum wohl? :shock:
Jagged hat geschrieben: Im Grunde finde ich diese Haltung auch nicht falsch: wenn jemand eher ein Fetischist oder Masochist ist und bestimmte konkrete Wünsche hat, für deren Befriedigung er eine Dienstleisterin bezahlt...wenn sie bereit ist, das Geld zu nehmen, und die Leistung zu erbringen: dann, meine ich, ist das ein völlig korrekter Deal für beide Seiten. Aber wenn man von sich selber glaubt, eine dominante Dame zu verehren und ihre Wünsche befriedigen zu wollen, in einem privaten Verhältnis, oder auch im professionellen Bereich: dann sollte man vielleicht etwas genauer nachdenken...
Guten Morgen Jagged,

du hast die Antwort selbst gegeben mit deiner obigen Aussage.
Dem muss ich nichts mehr hinzufügen.

Herzliche Grüße
Lady Tara
Es ist viel wertvoller, stets den Respekt der Menschen
als gelegentlich ihre Bewunderung zu haben.

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Weiterentwicklung und Scheitern

Sa, 29.Sep 2007, 09:13
jetzt muss ich doch meinen Senf dazu geben:

Ich hatte eine Beziehung zu einer Domina (privat,sie war aber auch professionell) und die ist dann nach einer Weile gescheitert. Neben örtlichem Abstand (auch nicht ganz unwichtig) änderte sie mit zunehmender Liebesbeziehung ihre Vorlieben mir gegenüber. Nachdem wir am Anfang sehr gut harmonierten, indem sie bestimmte, was wir spielten, und mir es in der Regel gut gefiel mit Steigerung der Intensität und Hingabe, kam nach einer Weile eine schleichende Änderung...

Je mehr ihre Liebe zu mir wuchs, desto mehr wollte sie ausschließlich Kuschelsex, was mir zwar auch gut gefiel, und außerdem war sie die Herrin, und ich hatte mich darauf einzustellen, aber...!

Ihre Neigung zum SM hatte sie nicht verloren, und die spielte sie dann mit ihren professionellen Gästen. Damit bin ich als Sub nicht fertig geworden.

Nach langen Bemühungen von beiden Seiten...aussichtslos...Trennung.

So kann es auch gehen.

traurige Grüße, obwohl es schon länger her ist

U.

Sa, 29.Sep 2007, 11:29
Hallo,

ich finde die Ehrlichkeiten der Antworten bemerkenswert. Ich glaube auch nicht, dass in privaten Foren derart ehrliche Antworten herauskämen.

@Unterwerfer

Wenn Deine frühere Partnerin schließlich zwischen Kuschelsex (nur privat) und SM (nur mit Kunden) getrennt hat und SM auch aus Neigung praktiziert hat, kommt mir das etwas schizophren vor.

Aber vielleicht führt SM generell nicht nur oft zu Paradoxien, sondern es gehört auch ein mehr oder weniger Maß an Trennung zwischen Sex und Gefühl dazu.

Verliebtsein ist die eine Sache. Aber da für mich SM erregender ist als Blümchensex, gleitet das rein Sexuelle bei mir schnell in SM ab. Dieser Bruch ist für mich nicht zu kitten. Ich muss versuchen, das rational zu lösen, was die männlichen Nutzer dieses Forums ja dadurch tun, dass sie zur professionellen Domina gehen.

@ Tara

Du hast vollkommen recht. Aber wie könnte eine Lösung aussehen? Der Sub unterwirft sich völlig? Käme für mich nicht in Frage, da ich ein gleichberechtigter Partner sein möchte, 24/7 für mich ablehne und nicht allzu viele Abstriche beim Sex machen möchte. Außerdem könnte der Sub, der sich völlig aufgibt, schnell für seine Partnerin uninteressant werden.

Wäre ein Kompromiss möglich, jeder geht ein Stück auf den Partner zu (ohne Tabus zu überschreiten)? Aber lässt sich das durchhalten? Oder bleibt auf Dauer im Hinterkopf das Gefühl, dass der Partner einem nicht genau das gibt, was man zu brauchen glaubt?

@ Lady MacLaine

Klingt ja gar nicht gut, eher nach einer Persönlichkeitsstörung Deines Ex-Partners. Ich kann mir aber natürlich nicht anmaßen, über Deine Beziehung zu befinden. Mein Gefühl ist aber, dass der Entschluss, sich zu trennen, absolut richtig war.

@ Jagged

Ich könnte es in einer Partnerschaft auch nicht besser machen als Du. Vielleicht beantwortet sich damit meine obige Frage. Vielleicht sind langdauernde SM-Partnerschaften nur dann möglich, wenn beide sehr gut zueinander passen.

Odysseus

Sa, 29.Sep 2007, 12:23
@Unterwerfer
Einen "Senf" mit diesem Geschmack geniesst man gerne
Jagged hat geschrieben: Schwer zu sagen....obwohl Wanda sich am Ende für einen dominanten Kerl entscheidet, hatte sie nach meinem Eindruck durchaus Domme-Potenzial, es war ihr nicht fremd oder unangenehm, in dieser Rolle zu sein, aber Severin hätte sich mehr auf das einlassen müssen, was sie wirklich war und wollte---und ich bin mir nicht so sicher, dass die meisten real existierenden dominanten Damen wirklich so anders sind, als Wanda. Aber zugegeben: das ist literarische Interpretation, und ich mag falsch liegen.
Dieses Ende hat mich enttäuscht...seine "Herrin"eigentlich auch"nur"eine Vanille.Die mit ihrem zukünftigen Leben der geseschaftlichen Rolle entsprechen will...aber auch ich kann falsch liegen,ist auch schon 20 Jahre her seit ich es gelesen hab.


Hallo Lady-Tara,an diesem wunderschönen Tag
Lady-Tara hat geschrieben: die Antwort auf die Frage warum ich glaube das nicht geantwortet wird, liegt in meiner Erfahrung mit submissiven Männern.
Ich glaube das ich schon einmal andeutete dass so viele Unterschiede zwischen Privater und Professioneller Szene nicht sind. Die Einstellung der Männer ist im Endeffekt die selbe. Es geht darum Ihre Wünsche befriedigt zu sehen.
Du benutzt das Wort befriedigt und nicht "erfüllt"...
Lady-Tara hat geschrieben:Wenn ich in privaten Foren/Chats unterwegs bin, steht oft sinngemäß eine Aussage von mir in den Profilen:
"Begrenzt du mich auf deine Neigung dann bist du bei mir verkehrt."
Und genau das wird zu häufig verlangt.
scheint einwesentlicher Unterschied zwischen Frauen und Männer
Wir machen diese Trennung mit unserer Persönlichkeit/Neigung nicht.Und gehen halt davon aus dass es Frau ebenfalls nicht tut.


Ich habe, bevor ich Profi Domina wurde, einige Partnerschaftliche Verhältnisse zu submissiven Männern gelebt. Ich kann diese Aussage von Lady MacLaine einfach nur bestätigen:
Lady-Tara hat geschrieben:Ich wolle kuscheln und/oder war kaputt von der Arbeit, Er: "Mach mir die Domina!"
Hhhm,eine Saftige und danach der Befehl zur Rückenmassage/Kuschel?
Lady-Tara hat geschrieben:Die Erwartungshaltung von submissiven Männern ist der unserer Gäste nicht unähnlich. Nur das Sie sich eben brüsten, dass sie der "feste Sub/Partner"(oft noch genau in dieser Reihenfolge duz ) einer dominanten Dame sind.
Meistens nur nicht für lange...warum wohl? :shock:
Ja ,warum?
Was...wie müssten sie denn anders sein,um Dir zu gefallen?

Gruss Mechanik
zu leiden für die Schönste...ist das schönste

Sa, 29.Sep 2007, 12:56
Lady Marfa hat geschrieben: Die Betonung auf "deine" scheint überlesen zu werden.
Es ist nicht so wie es scheint,zumindest was meine Reaktion anbelangt.

Gruss Mechanik
zu leiden für die Schönste...ist das schönste

Sa, 29.Sep 2007, 14:45
Hallo Odysseus, hallo mechanik,

die Ehrlichkeit der Antworten wird hier genau so hoch sein, wie in einem privaten Forum. Die Frage an sich, die in der Wahrnehmung von Jagged nach dem lesen des Buches entstanden ist, betrifft meiner Meinung nach, den privaten Bereich.
Die Ehrlichkeit mit der Lady MacLaine oder ich hier antworten, entsteht auch durch die Erfahrung die wir haben. ( Und ganz sicher nicht nur wir!)
Wir haben hier auch keine Erwartungshaltung an Euch und lassen Euch doch einen Teil unserer „privaten“ Sicht erlesen.
Im privaten Bereich wäre unsere Erwartungshaltung viel stärker. Womit ich in den nächsten Sätzen auch gleich die Antworten für mechanik liefere.

Der Unterschied zwischen Mann und Frau ist wohl in jeder Partnerschaftsform gleich. Ich als dominante Frau möchte jedoch ganz angenommen werden. In all meinen Facetten. Im SM – egal ob privat oder professionell- wird „nur“ die Domina gesehen. Und deshalb schrieb ich auch befriedigt und nicht erfüllt.

Die Wahrnehmung des passiven Part richtet sich viel mehr auf die Domina als auf die Person die diese auch ausmacht.
Im Privaten möchte ich auch kuscheln und mal verschlumpft rumlaufen, möchte nicht ständig auf meine Worte oder Gesten achten. „Nur“ dominant wahrgenommen zu werden verleidet mir dann die „Lust“ auf spielerische Aktionen mit meinem „Partner“.

Ich versuche durch erzählen einer Begebenheit das mal zu verdeutlichen.
Der Mann mit dem ich eine Partnerschaft lebte, brauchte nur ein paar Sätze um eine wunderschöne „Vanilla Sex Situation“ zum kippen zu bringen und mir meine Rolle in dieser Partnerschaft deutlich zu machen:
„Ach ich soll dich jetzt in den Arm nehmen? – Aber hättest du nicht vielleicht eher Lust mir noch mal ordentlich ein paar Schläge auf den Hintern zu geben? – Also ich würde die jetzt bevorzugen.“
Drehte sich im Bett auf den Bauch und schnurrte schon mal vorsorglich los, auf das was da nun auf ihn treffen würde.
Ich tat es nicht.
Ich stand auf und überdachte die Situation.
Die nachfolgenden Treffen lies ich ihn einfach ein wenig bestimmen um zu sehen wohin denn seine Reise mit mir gehen sollte.
Weniger Partnerschaft – mehr SM. Ich lernte er funktionierte als „Sub“ wunderbar- fing ich jedoch an, von Ihm „normales Partnerschaftliches Verhalten“ zu fordern, knickte er ein. Er war dem einfach nicht gewachsen. Sah in erster Linie die Domina in mir- die Erfüllung seiner Wünsche.
Jahre später traf ich ihn wieder. Er hatte immer noch keine feste Partnerin/Domina gefunden.

Dies ist als Fazit nicht auf diese eine Begebenheit zurück geführt. Sondern eine Quintessenz dessen was ich mit submissiven Männern Privat erlebt habe.

Ich denke auch nicht, dass die dauerhafte Unterwerfung eines Partners in seine Rolle (und da ist es egal ob dom oder dev) der Weisheit letzter Schluss wäre. Einem Partner dem ich nicht zutrauen würde, mich auch durch schwierige Situationen im Leben zu begleiten, den würde ich auch als Sub höchstwahrscheinlich nicht bevorzugen.
Eine Partnerschaft ist alles.
Wenn dann SM dazu gehören würde, dann als gleichberechtigter Bestandteil wie auch Alltag und Vanilla Sex.
Eine Lösung? Sehe ich nach all den Jahren im SM nicht. Ich bin ebenfalls der Meinung 24/7 findet in den Köpfen wunderbar statt. Partnerschaftliches Miteinander und SM funktioniert in den seltensten Fällen wirklich dauerhaft.
Durch meine Rumtreiberei in den verschiedenen Welten, habe ich eine Halbwertzeit von ca. 5 Jahren im besten Fall erlebt, in den Partnerschaften die SM behaftet sind halten. Wobei dann meistens die Konstellation FemSub/MaleDom gegeben war. FemDom / MaleSub haben meist eine noch kürzere Dauer.
Von länger anhaltenden Partnerschaften habe ich noch nichts gehört. Also wenn es diese gibt, so sind es die „berühmten Ausnahmen“ von denen alle träumen.

Ich glaube allerdings auch mittlerweile nicht mehr, dass dies nur im SM eine Problematik darstellt. Ich glaube es hat eine Allgemeine Wandlung unserer Gesellschaft stattgefunden, in denen lange Partnerschaften eher selten werden.
Als ich noch unerfahren im SM Bereich war zählten damals für private Kontakte zu mir die selben Attribute die auch heute noch für mich persönlich gelten:
„Erst Liebe, dann Vertrauen, gemeinsames Aufbauen einer Partnerschaft und dann SM.“
So viel Geduld bringt heute wer auf?
Dies alles sind meine persönlichen Erfahrungen. Andere mögen vielleicht positivere haben. Dann immer her damit. Wir alle lesen auch gern von den schönen Dingen die doch passieren.

Herzliche Grüße
Lady Tara
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Der perfekte Partner?

Sa, 29.Sep 2007, 21:44
Hallo,


Gibt es den perfekten Partner, den Traummann(frau) wo alles 100% passt? Oder besteht das Leben nicht aus Kompromissen? Muß man nicht in einer Beziehung miteinander leben und den anderen kennen lernen. Wenn ich eine Frau kennen lernen würde wo fast alles passt, und sie z.B. für ihr Leben gerne in die Oper geht, womit ich nichts anfangen könnte. Ich glaube ich würde ihr zu liebe sie auch dorthin begleiten, einfach weil man ein Paar und das Leben zusammen verbringt.
Beim Sex mag das etwas schwieriger sein. Wenn sie z.B. kein franz. beim Mann mag und er das aber sehr, so muß einer von beiden einen Kompromiss eingehen, oder man sollte sich trennen, weil es nicht passt! Das wichtigste in der Beziehung ist das die Menschen miteinander reden, reden, reden. Offen zu sagen was man sich wünscht, und womit man ein Problem hat. Und das gilt für beide Partner. Bei Vanilas ist das noch etwas einfacher, bei SM ist das Spektrum leider (oder zum Glück) ja viel größer. Auf den ersten Blick sollte man annehmen das ein Sadist und ein Masochist zusammenpassen. Aber wir alle wissen ja, das dem nicht so ist.

Ich hatte auch vor Jahren eine SM Beziehung und die ist auch in die Brüche gegangen. Zum einen weil ich „grün“ hinter den Ohren war und zum andern weil ich nicht reden konnte. Das habe ich heute begriffen. Sie hatte mir damals auch vorgeworfen, das ich nur bespielt werden wollte. Ich kann nicht sagen ob das 100 % zutrifft. Natürlich war es neu für mich und Sex hat nun mal für den Mann (der noch grün hinter den Ohren war) einen hohen Stellenwert. Aber aus heutiger Sicht hat es nicht nur daran gelegen. Damals war ich noch devot, doch das hat sich im laufe der letzten Jahre gelegt. Bin jetzt mein eigener Herr. :) Übrig geblieben ist der masochistische Teil in mir, der wie ich denke eine sehr große Stelle eingenommen hat. Bleibt die Frage ob ein Masochist bespielt werden will ?
Jedenfalls ist der Teil in meiner damaligen Beziehung nicht zum tragen gekommen. Auch weil wir nicht reden konnten. Mir ging es damals und heute nicht darum nur meine Bedürfnissen zu befriedigen.
In der Beziehung kommen erst die Menschen und dann die Sexualität. SM ist ein Teil der Sexualität wo wenn es passt beide ihre Bedürfnisse befriedigen. Als dominante Frau zu sagen ich nehme mir was ich will ist sicherlich genauso falsch wie als Mann zu sagen mach mit mir was du willst, aber am liebsten das, das und das. Dann haben beide nicht miteinander geredet.


Der Unterschied zwischen privaten und professionell SM ist für mich z.B. sehr groß. Wenn ich oben schreibe, das ich „denke“ sehr masochistisch zu sein, liegt das daran, das ich es nur mit einen Menschen ausleben kann und will der mein Partner ist. Ich habe es versucht ins Studio zugehen, Geld zu zahlen und mit den Rohrstock geschlagen zu werden. Aber es hat nicht funktioniert, weil ich erkennen musste, das es für mich eine viel zu intime Angelegenheit ist die ich nicht mit einem fremden Menschen genießen kann. Gerade das menschliche fehlt dabei, mit der Frau die einen eben noch geschlagen hat zusammen zu kuscheln und sie in den Arm zu nehmen um ihr wieder was zurückzugeben. Ich bewundere all die netten Herren hier, die eine noch so grausame naturveranlagte Domina suchen um sich ihr völlig hinzugeben. Und das ohne Zuneigung. Bleibt die Frage ob die Herren hier „naturveranlagt“ sind, oder es nur die Geilheit ist. Ok, ich bin auch manchmal geil und suche die kurzzeitige Befriedigung. Aber ich weis vorher, währdendessen und hinterher, das ich nicht das finde was ich suche, nämlich das was in mir ist mit einen Menschen zu teilen.

Lady Marfa hat Folgendes geschrieben
„Erst Liebe, dann Vertrauen, gemeinsames Aufbauen einer Partnerschaft und dann SM.“
So viel Geduld bringt heute wer auf?
Stellt sich für mich die Frage, was ist, wenn es am Ende bei SM nicht passt?

Das mit dem nicht Reden passiert mir heute jedenfalls nicht mehr. Bei meinem letzen Date musste ich mir anhören, das ich ihr Löcher in den Bauch gefragt habe. Ich glaube an dem Timing muß ich noch arbeiten :-D
kommt später
Antworten

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