SM-erfahren hat geschrieben: ↑So, 18.Feb 2024, 15:53
Bei einer RICHTIGEN Demokratie wird auf Minderheiten Rücksicht genommen, was hier nicht der Fall ist, wird sachlich argumentiert, was da auch nicht der Fall ist. Hier wird pauschal argumentiert, ohne Rücksicht auf eine sachliche Betrachungsweise. Hier wir pauschal eine ganze Branche als Kriminelle dargestellt ! Um einem Verbot ohne Rücksicht auf Verluste eine Grundlage zu geben, das nenne ich Diktatur !
Die Abläufe sind auch bei einem Putin „Demokratie“ gefakete Demokratie halt.
Was sich so alles als Demokratie tarnt, da gibt es viele negativ Beispiele. Natürlich wird auf Abläufe, Rücksicht genommen, aber zur Demokratie gehört MEHR wie nur das !
Hallo SM-erfahren,
was du schreibst, betrifft nicht die Demokratie an sich, sondern die aktuelle politische Kultur und selbst da wirfst du berechtigte Kritik und Wut in einen Topf und rührst so lange um, bis alles heillos durchmischt ist.
Die Diskussion, in wieweit Lautstärke inzwischen wichtiger ist als Sachargumente kann man führen.
Eine Diskussion über den sogenannten Affirmation Bias, das heißt, man nimmt eher wahr, was die eigene Meinung bestätigt, als was ihr widerspricht, müsste man führen.
Eine Betrachtung über den Effekt von sogenannten Echokammern auf verschiedenen Entscheidungsebenen wäre sicher nicht verkehrt.
In wieweit in der Diskussion heutzutage eher Meinungen als Erkenntnisse eingebracht werden, wäre wünschenswert.
Aber
Auch eine Demokratie hat nie auf jede Minderheit Rücksicht genommen und wird es nie tun. Einfach aus dem Grund, dass das schlicht unmöglich ist.
Auch eine Demokratie ist nicht gegen Fehleinschätzungen und falsche Entscheidungen gefeit. Auch das ist schlicht und einfach unmöglich.
Der Demokratische Abwägungsprozess kann nicht verhindern, dass es manchmal zu Härten gegenüber einer Bevölkerungsschicht kommt. Manchmal ist es nur möglich zu entscheiden welche Härte gegenüber wem mehr Schaden oder Nutzen anrichtet.
Dennoch
Ist die Demokratie eine der wenigen Staatsformen, die anerkennt, dass Fehler passieren können, ja sogar werden.
In Anbetracht dessen vertrete ich
Aus einer Reihe von sachlichen Gründen hielte ich ein Prostitutionsverbot für eine dramatische Fehlentscheidung.
Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich von diesen Thema direkt betroffen und damit anfällig für einen Confirmation Bias bin.
Immerhin habe ich mir aber die Mühe gemacht, Argumente und Material beider Seiten und von unvoreingenommenen dritten zu lesen.
Ich erkenne an, dass im Bereich Sexarbeit nicht alles Gold ist. Ich bitte aber die Gegenseite anzuerkennen, dass ebensowenig alles Dreck ist.
Deutschland mit Russland zu vergleichen ist abwegig und das ist freundlich gesagt.
In Deutschland wird die Stimme der Partei/dem Kandidaten zugerechnet, für die man sie abgibt. In Russland gewinnt Putin, egal wer was ankreuzt.
In Deutschland darf jeder zur Wahl antreten. In Russland weist die Wahlkommission Kandidaten, die Putins Ruf beschädigen könnten mit fadenscheinigen Gründen ab.
In Deutschland entscheiden Gerichte auf der Basis von Gesetzen und von Tatsachen. In Russland in bestimmten Fällen auf Basis politischer Überlegungen.
Um aber die Diskussion nicht in Richtung "ist Deutschland eine Demokratie" zu kippen, am Ende noch etwas zum Thema Sexarbeit, das vielleicht sogar als augenzwinkernde Argumentationshilfe dienen könnte.
Vor ein paar Jahren habe ich bei einer Tombola beim SM-Stammtisch mal zum Buch Funny van Money: 'This is Niedersachsen und nicht Las Vegas, Honey' gekommen. Darin erzählt die Protagonistin, nach eigenen Angaben weitgehend autobiographisch, von ihren Erlebnissen als Table-Dancerin. Es beginnt damit, wie sie einen Job sucht, als das Ende des Bafögs vor dem Ende des Studiums kommt und aus Mangel an vernünftigen Alternativen in die Tabledance-Szene stolpert. Sie berichtet von ihren Schwierigkeiten und ihrem Unwissen über die Natur der Sache und den Umgang mit den Kunden. Sie berichtet von schönen und unschönen Momenten. Man sieht sowohl Dreck, als auch Gold.
Zugegeben, an manchen Stellen hat mich das Werk an 'The Rum Diary' von 'Hunter S. Thomson' erinnert. Das ist nicht böse gemeint, damit meine ich nur, dass er auf eine interessante Weise mit dem Leser spielt. Noch interessanter, wenn man das Werk von Funny van Money zum zweiten mal liest. Dann mit einem Augenmerk, wo sie die Techniken, die Zuschauer beim Tabledance zu für sich zu interessieren, analog auf den Leser anwendet.
Auf jeden Fall stellt sie, vielleicht etwas voyeruistisch, dar, dass weder alles gut, noch alles schlecht ist. Der Roman legt am Ende die Vermutung nahe, dass sich die Autorin, wissend um die Widersprüchlichkeit der Welt des Tabledance doch bewusst dafür entscheidet weiter in dieser Welt zu bleiben. Keine Ahnung, ob es am Ende wirklich so gekommen ist.
Also weder ein glorifizierendes Plädoyer, noch ein Opferroman. Deshalb vielleicht eine kleine Argumentationshilfe.