sub5 hat geschrieben:
Da stelle ich mir vor, wie eine Session bei Sara wohl ablaufen würde?!
(Formblätter, Verträge, Vereinbarungen....?)
Nee, wenn die Formalitäten klar sind, dann kann ich mich eben auch selbst in den Playspace hineinversenken und muss dann eben nicht mehr mit den Gedanken irgendwo anders sein. Dann bin ich mir sicher, daß ich hinterher mein Geld kriege und dass ich auch in meinen Rahmenbedingungen respektiert bin und dass ich alles einsetzen kann, was ausgemacht ist, ohne mich darin dann noch einzuschränken oder über irgendwas zu ärgern oder grübeln oder was zurückzuhalten oder so, sondern dann bin ich ganz focussiert.
Wie gesagt, ich kenne es aus der sm-lesbischen Szene und somit meiner privaten SM-Welt, daß die Basis jedes guten Plays eine gute Vorverhandlung ist. Wenn es ein kommerzielles Play ist, dann eben auch eine entsprechend finanzielle Vorverhandlung.
sub5 hat geschrieben:
Mag sein, das es für Sara ein Geschäft ist, welches aus ihrer Sicht komplexe finanzielle Regeln braucht.
Nee, SM ist aus meiner Basis so, daß es eine für beide Seiten stimmige Grundlage braucht. Und die "Regeln" sorgen eben dafür, daß ich selbst freien Kopfes ins Date gehen kann. Und sie berücksichtigen schlichtweg meine Lebensumstände. Ich erfinde die Jobtime-Preise ja nicht einfach aus der Luft, ich HABE nunmal in meinem Hauptberuf eine Kern- und eine Nebenzeit. Und ich bin nunmal nicht bereit, mit jemandem einen Termin abzusprechen, der ihn lapidar mit "Sorry, geht doch nicht" platzen läßt, ohne sich auch nur die geringsten Gedanken zu machen, was das für mich bedeutet. Jetzt fragt ihr euch wohlmöglich, warum sich ein Kunde Gedanken um das persönliche Wohlbefinden einer Dienstleistung machen soll: nun, weil es so, wie ich die Sache angehe, eben eine sehr persönliche Dienstleistung ist. Und die macht auch emotional einiges mit mir, was absolut okay ist - aber nur, wenn ich mich auch in meinen Bedürfnissen respektiert fühle.
sub5 hat geschrieben:
Wenn ich SM auslebe, dann bewusst unkompliziert und fern geschäftlicher Regeln - davon habe ich im Beruf nähmlich mehr als genug.
Fein, und wenn ich mich irgendwo emotional verdammt tief reinhänge, dann brauche ich nunmal gewisse Sicherheiten und echten Respekt. Und der drückt sich auch darin aus, daß jemand das zu würdigen weiß, was ich tue und mir nicht erzählt, ich hätte doch de facto mit irgendwas viel weniger Aufwand, als ich de facto habe.
Aber ja, ich gebe es zu, ich bin Physikerin und jemand schrieb mal in einem anderen Forum, dass das vieles erklären würde. Das war allerdings jemand, der auch diese Mischung aus Analyse und Passion mochte (und als solche auch verstand....)
sub5 hat geschrieben:
Es klappt doch bei der Mehrzahl anderer Damen und Studios auch ohne solch komplizierten Regeln!
Klar, die Mehrzahl der anderen Damen hat entweder diese Tätigkeit als Hauptjob oder teilt sich, wenn's ein Nebenjob ist, vorher im Studio ihrer Wahl in einen Schichtplan ein. Da sitzt sie dann mehr oder weniger gelangweilt rum und wartet, bis jemand kommt oder fängt bei Terminen relativ knapp vorher an, sich umzuziehen und ein paar Sachen zurechtzulegen und ist dann damit vorbereitet. Das ist vermutlich jetzt zu platt über einen Kamm geschert, aber es war zumindest doch mein Eindruck in Etablissements mit mehreren Kolleginnen. Da kam dann die Herrin aus der Session und sagte : "Da war schon wieder so ein Perverser, der wollte ..... - naja, ich hätt fast kotzen müssen, aber ich hab's doch hingekriegt." Und ich sitz dann daneben und denk mir: "Hey, ich bin genauso pervers! Vielleicht nicht in genau derselben Facette, aber doch in der mindestens genau tiefen Intensität, wenn nicht noch tiefer." SM ist in vieler Hinsicht mein Leben, zum Drüber-Reden, zum Selbst-Genießen und zum Weitergeben an andere (ja, als Job, aber doch mit Idealismus dahinter - in gewisser Weise, was von Kolleginnen schon kritisiert wurde, mit einem missionarischen Flackern dahinter
Ich hab mir ja ein paar Studios angeguckt, und hab keine Kollegin erlebt, die sich so verausgabt hat wie ich, die haben alle sehr viel "professionelle Distanz" gewahrt. In gewisser Weise muss man das natürlich, da kommt bei mir vermutlich tatsächlich das schützende Regelwerk rein, aber wenn das dann geklärt ist, spiele ich mit "nackter Seele" für die Dauer der Session. Und ja, es ist beruhigend, dass das dann in einem sicheren Netz aus akzeptierten Konditionen geschieht. Und ja, ich bin auch wirklich schon zu Zeiten, wo ich keine "Regeln" hatte, heulend in mich zusammengebrochen, weil irgendwas schiefgegangen ist - oder weil ich gemerkt hab, daß ich ein Engagement und SM-Gefühle in einen Faker verschwendet hatte und dann stand ich da mit meiner aufgeladenen Energie und einer fremden Fantasie und musste erstmal Psychohygiene-Methoden finden, um mit dem enormen Frust klarzukommen. Die meisten Damen, die ich kenne, würden einfach sagen "Was für'n Arsch" und sich dann eine Zigarette anzuünden, und schon wäre die Sache erledigt. Aber obwohl ich teilweise sogar teurere Preise aufrufe als diese, bin ich überzeugt, daß die es mehr "wegen dem Geld" machen als ich, ich mache es eben "des Projektes wegen". (Und ja, auch im Hauptberuf mache ich gern spannende Projekte mit Engagement und würde sie trotzdem nicht tun, wenn ich nicht dafür bezahlt würde -> das eine schließt das andere nicht aus. Aber man kann halt mit voller Überzeugung hinter dem, was man verkauft (und wie man es verkauft, und was man selber dafür braucht, damit man es auch in der gewünschten Qualität und ohne selbst Schaden zu nehmen verkaufen kann) stehen und sich mit Herzblut reinhängen oder man es "halt als Job" machen und den vielleicht sogar auch ernst nehmen, aber halt trotzdem nicht so nah an sich heranlassen.
Und trotzdem muss ich nach der Session wieder bei mir ankommen, und dazu hilft eben auch das Regelwerk. Und wenn ich nur putze und weiß, daß ich dabei noch soviel verdiene wie als Studentin bei ner Mathe-Nachhilfe. (Und wir reden hier nur vom Putzaufwand der später angeschafften Extras, nicht von der Standardausstattung, deren Reinigung ja in den Grundpreisen auch includiert ist.)
Ich hab nie behauptet, wie die "Mehrzahl der anderen Damen" zu sein. Mein Selbstverständnis als "professionelle Privatlady" (mit einer Unterscheidung in "inwieweit Domina?" - "inwieweit BDSM-Lady?" - "inwieweit privat?" - "inwieweit nicht privat?" - "inwieweit professionell?") hab ich hier "auseinanderklamüsert":
https://www.domina-frankfurt.net/212
sub5 hat geschrieben:
Ich hatte mich schon mehrfach mit dem Gedanken getragen bei Sara um einen Sessiontermin zu bitten.
Allerdings schrecken mich die "Geschäftsbedingungen" und unzähligen Regeln total ab.
Solltest du -oder ein anderer der hier mitlesenden "Mehrzahl der anderen Kunden" doch mal Interesse haben und es einfach mögen, schreibt mich an und verweist bitte auf diesen Thread. Sagt mir dann, ob ihr aus den Latex- und Hightech-Extras
Latexkleidung/Bondageball/Vakuumbett/inflatable Bodybag/Seriouskit-Milker mit/ohne Pulsating Rubber Vacuum Suit/Bondagebock
irgendetwas haben wollt oder mit Scheiße spielen wollt und ob ihr, wenn es billig sein soll,
abends noch ab 21h30 kommen könnt unter der Woche
oder wenn nicht, dann
wenigstens am Wochenende.
Tja, und dann sag ich euch, was es kostet (und falls ich "zufällig" Lust habe, dann noch ein Extra mit reinzunehmen, tu ich es sogar gratis
und verlange "einfach" eine Anzahlung und kippe dafür die Stornoregel. Ja, ist einfacher. Finde ich nur blöder.
Die Gewißheit, die manche Dominas sich über die Anzahlung holen, hole ich mir üblicherweise über die sessionvorbereitende Korrespondenz - über die Inhalte UND über die Regeln. Aber wenn ihr die nicht wollt, dann machen wir es platter, mit Anzahlung. Und wenn ich mich nicht vorbereiten soll durch eine Einstimmung in eure Fantasiewelt, dann tu ich es halt nicht. Und dann versuche ich, euch anonym als "einen von vielen" zu behandeln. Ehrlich gesagt wird mir, wenn ich das niederschreibe, schon fast übel. Aber trotzdem reizt es mich jetzt gerade, euch zu beweisen, daß ich das vermutlich auch kann, wenn es sein muss. Vielleicht sogar so, daß ihr die Session gut findet. Aber vermutlich nicht so, daß sie meine eigenen Ansprüche an "guten SM" erfüllt. Ist dann halt wie ein Koch, der mangels Budget mit begrenztem Vorrat arbeitet. So würde ich dann mangels Regelsicherheit auch nicht mit "vollem Herzen" arbeiten, sondern einen Teil meiner Energie in die "professionelle Distanz" stecken. Und SM-Pornos kopieren, den Tipp hat mir zu meiner Anfangszeit im Profi-Bereich eine wohlmeinende Mistress gegeben. Tja, blöderweise hab ich die Dinger schon früher als reizlos erachtet. Aber ja, wenn es sein mußte (und unter Zeitdruck und ohne Vorbereitungszeit im Studio konnte ich es auch) und ich über die Kundenfantasie so gar kein Input hatte, hab ich's auch schon getan (nimm den Koch, der mit Verachtung die Fertigprodukte aufwärmt, vielleicht sogar vom Gast gelobt wird und sich selbst nur denkt: "Nee, echt jetzt???")
Der Fairness halber muss ich allerdings auch sagen, daß mir auch Damen bekannt sind, die auch -wenn auch in ganz anderer Weise- einen sehr hohen beruflichen Ehrgeiz an den Tag legen. Vielleicht können die sogar besser bondagen als ich oder haben bestimmte Schlagtechniken besser drauf. Garantiert stylen sie sich besser zu ner Kunstfigur hoch. Aber ich kenne halt keine, die ihren Ehrgeiz auch in aufrichtige Herzlichkeit legt. Ich spiele mit einem Kunden, wenn er es wirklich zuläßt, genauso intensiv wie mit einer rein privaten SM-Affäre. Und üblicherweise bin ich danach auch genauso verausgabt

Wenn es mal wirklich nicht "funkt", macht es mich übrigens -wie den o.g. Koch- auch dann traurig, wenn der Gast überhaupt nicht gemerkt hat, daß es nicht 100% waren. (Ist so ein bißchen so, wie einen Vortrag zu halten, der nicht ganz fertig geworden ist und hingeschnuddelt wurde und der absolut ausreicht, aber eben doch die eigene Seele unbefriedigt läßt - einfach weil man weiß, es hätte intensiver sein sollen.)
Puh, das war ein emotional niedergeschriebener "Kladderadatsch". Und obwohl ich alle meine früheren Beiträge noch x-mal editiert habe, mach ich es diesmal ganz bewußt nicht. So war es nämlich das, was ich denke, wenn ich gar nicht logisch zensiere. Beim Niederschreiben sind mir durchaus Widersprüche und Unstimmigkeiten aufgefallen. Insbesondere möchte ich mich im Vorfeld schon bei denjenigen Ladies entschuldigen, die sich wohlmöglich von meiner pauschaliert schlechten Meinung "auf den Schlips getreten" fühlen. Jetzt wieder logisch gebe ich zu, das ist eine Wertung nach einem ganz bestimmten Wertesystem, obwohl man eigentlich nicht sagen soll, was "richtiger" und was "falscher" SM ist. Ich weiß, daß es sowohl Dominas gibt, die selbst auch SM leben und in ihrer Weise gut sind (und genau das Richtige für gewisse Menschen) und auch welche, die mit SM privat gar nichts anfangen können und dennoch (oder sogar deswegen?) in ihrer Weise gut sind (und genau das Richtige für vielleicht wieder andere Leute) und dass "Gott einen bunten Zoo" hat. (Und manchmal sind auch graue Vögel bunt, wenn man erstmal die Unterseite des Gefieders sieht.)
Ich ende mal mit dem bekannten Coming-Out-Lied (was ja eigentlich gar nicht als solches gedacht war, aber doch vielen "Perversen" vieles gegeben hat):
I AM WHAT I AM