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Prostitution oder nicht?

Mo, 12.Mai 2008, 20:04
Hallo,

ich habe da mal eine Frage, die ich mit verschiedenen Leuten schon einige Male diskutiert habe, wobei es immer ganz kontroverse Ansichten gab.

Die Frage an die verehrungswürdigen Dominas hier im Forum:
Reiht Ihr den Beruf "Domina" unter die Gruppe der Prostituierten ein?

Die Frage an die Männer hier:
Seht ihr in der Domina eine Prostituierte?

Ich sage es gleich vorweg: Für mich sind Dominas keine Prostituierten. Ehrlich gesagt stehe ich in meinem Umfeld mit dieser Meinung bald irgendwie alleine da. Der Staat wirft bekanntlich Dominas und Prostituierte als "Sexarbeiterinnen" in einen Topf. Aber das ist sowieso kein Kriterium.

Eine Prostituierte verkauft ihren Körper für sexuelle Dienstleistungen. Eine Domina tut dies nicht! Eine Domina verkauft stattdessen ein besonderes Erlebnis. Sie unterwirft sich nicht dem Kunden/Mann, wie es die Prostituierte zumindest bei jedem Penetrationsvorgang tut. Die Domina hat also mehr Kontrolle und das nicht nur in der Auswahl des Kunden.
So ist jedenfalls meine Meinung dazu.

Andererseits bekomme ich immer wieder zu hören, dass professionelle Dominas nur den Anweisungen der Kunden folgen, was ja im eigentlichen Sinne gar nicht dominant ist, da der Sub vorgibt was passiert. Sicher es ist ein Job, aber im Idealfall sollte es schon auch Spass für die Domina machen, weil sich ja selten eine Frau "einfach so" entscheidet, Domina zu werden. Anders ist dies bei Prosituierten. Da tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Job aus der Veranlagung heraus tut, mit möglichst vielen Männern sexuelle Praktiken durchzuführen, gegen Null.

Was ich noch nicht verstehen kann ist die grosse Ablehnung, wenn eine nicht professionelle Dominatrix (Dommse?) als Domina bezeichnet wird. Das Problem hatte ich bereits vor vielen Jahren, als ich noch nichts darüber wusste. Das war auf einer Party, wo ich eine Dommse (also eine nicht professionell agierende Domina) als Domina bezeichnet habe. Niemand konnte verstehen, warum sie sich dann so sehr aufgeregt hat und mir boese war. Ganz kann ich es immer noch nicht verstehen, denn Domina heisst einfach Herrin. winke winke
Wenn natürlich eine Dommse (die besagte nicht professionell agierende Domina) in der Domina eine Prostituierte sieht, von der sie sich abgrenzen will, dann macht es natürlich auch Sinn dies begrifflich zu tun.

Hoffentlich bin ich jetzt nicht zu sehr in theoretische Tiefen abgeglitten und das Forum ist der falsche Platz dafuer? :shock:
Auf jeden Fall würde mich eine Diskussion zu diesem Thema freuen. Möglicherweise stehe ich ja nicht alleine mit meinen Ansichten ...
Respectfully,
gan-chan

Mo, 12.Mai 2008, 21:14
Hi Gan-Chan,

interessantes Thema. Mit Sicherheit kann das sehr kontrovers diskutiert werden.

Bevor ich mit meiner Argumentation einsteige, habe ich da noch die eine oder andere Verständnissfrage an dich.
Eine Prostituierte verkauft ihren Körper für sexuelle Dienstleistungen. Eine Domina tut dies nicht! Eine Domina verkauft stattdessen ein besonderes Erlebnis. Sie unterwirft sich nicht dem Kunden/Mann, wie es die Prostituierte zumindest bei jedem Penetrationsvorgang tut. Die Domina hat also mehr Kontrolle und das nicht nur in der Auswahl des Kunden.
1. dieses Erlebniss von dem du da sprichst, ist das ein sexuelles Erlebniss? Oder nur in der Art einer besonders intimen, da Face2Face stattfindenden "Theatervorführung" zu sehen?

2. Wie genau definierst du denn "sexuelle Dienstleistung"? Beim vollzogenen gegenseitigen Geschlechtsverkehr? Bei einseitger sexueller Befriedigung?

3. Wie darf ich denn die Passage mit der "Unterwerfung beim Penetrationsvorgang" verstehen? Ensteht alleine durch den blossen Akt des Eindringens in den weiblichen Körper schon ein unauflösliches Machtverhältnis zugunsten des Penetrators? Tatsächlich?

4. Ist jede Domina grundsätzlich unberührbar/unberührend, oder arbeitet sie vielmehr doch mit Körpereinsatz?

5. Verstehe ich dich richtig, dass du der "gewöhnlichen" Hure implizit unterstellst, sie hätte keinerlei Wahl über die ausgeübten Praktiken oder die Akzeptanz der Kunden? Woher willst du das wissen?

Sicher es ist ein Job, aber im Idealfall sollte es schon auch Spass für die Domina machen, weil sich ja selten eine Frau "einfach so" entscheidet, Domina zu werden. Anders ist dies bei Prosituierten. Da tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Job aus der Veranlagung heraus tut, mit möglichst vielen Männern sexuelle Praktiken durchzuführen, gegen Null.
6. Heisst das, einer normalen Prostituierten macht ihr Job keinen Spass?

7. oder gar, dass es gar keine Huren aus Leidenschaft gibt? Oder sprengt das nur dein Vorstellungsvermögen?

8. Kannst du die Art des "Spasses", den die Domina im Idealfall entwickelt bitte näher erläutern?

Und Schlussendlich:
9. Hättest du ein Problem damit, dir deine sexuellen Leidenschaften von einer Prostituierten befriedigen zu lassen, sofern diese auf dem Spezialgebiet der physisch/psychischen Dominanz tätig ist?


Zum Grusse

Lucy DeLunatic

Mo, 12.Mai 2008, 22:24
Goofy hat geschrieben:... und insofern ist die hier gestellte frage letzten endes nicht sehr relevant. soll's halt jeder sehen, wie er will.

goofy
Richtig! :)

Gruss
-Platon-

Mo, 12.Mai 2008, 22:58
An die erhabenste Lady DeLunatic!

Deine Antwort ehrt mich besonders und ich werde versuchen die Fragen so gut als möglich zu beantworten.

Vorab möchte ich mich für meine verallgemeinernde Schreibweise entschuldigen. Mir ist bewusst, dass dies oft zu Missverständnissen führt und dass es immer viele Abstufungen gibt.


Antwort zu Frage 1:
Es kann sowohl ein sexuelles Erlebnis sein, als auch die Realisierung einer Phantasie, die primär nicht auf sexuelle Befriedigung ausgerichtet ist. Zumindest nicht im Rahmen einer Session. Hier im Forum konnte ich lesen, dass die meisten Sessions offenbar mit einem (oder mehreren) Orgasmus (Orgasmen) beim Mann enden. Vermutlich bin ich bei dieser Ansicht vermessen von mir ausgegangen, da mir in sich abgeschlossene Sessions dieser Art noch unbekannt sind.

Antwort zu Frage 2:
Sexuelle Dienstleistung definiere ich in dieser Diskussion in Bezug auf die meist ausgeübten Dienstleistungen einer Prostituierten: Fellatio (orale Befriedigung beim Mann) und Penetration.

Antwort zu Frage 3:
Dies scheint mir ein weites Feld zu sein und meine Aussage war auch übertrieben provokativ. Natürlich kommt es immer darauf an, wie es die Frau empfindet. Ich muss auch zugeben, dass ich nur 3 Frauen kenne, die Penetration generell als ein solches Machtverhältnis zugunsten des Penetrators (danke für die Formulierung) sehen. Alle anderen Frauen sehen das nicht so, wobei ich natürlich nicht mit so vielen Frauen über dieses Thema sprach, um dies als repräsentativ darstellen zu können. Als generell "unauflöslich" sehen das aber auch diese 3 Frauen nicht, soweit bekannt. Von männlicher Seite wird darüber vermutlich wenig nachgedacht. Vermutlich deshalb, da ich mit Männern über diese Themen nicht sprach. Denn die Sichtweise der Männer bei dieser Thematik scheint mir wenig Relevanz zu haben. Ich selbst glaube, dass in einer jungen, unbedarften Vanilla-Beziehung die Penetration ein Machtverhältnis seitens des Penetrator darstellt, obwohl sich sowohl die Frau als auch der Mann dessen in der Regel nicht bewusst sind.

Antwort zu Frage 4:
Auch hier kann ich nur eine persönliche Einschätzung geben, wie sich das für mich darstellt, da dies selbstverständlich nur Dominas beantworten können. Soweit mir allerdings bekannt ist, gibt es unberührbare Dominas und welche, bei denen der Sklave die Ehre hat, sie berühren zu dürfen. Unberührend sind sie nicht und sie arbeiten immer mit Körpereinsatz, nehme ich an.

Antwort zu Frage 5:
Verzeihung, das lag wohl an meiner missverständlichen Formulierung. Nein, Huren wählen natürlich ihre Kunden aus, wenn sie keine Zwangsprostituierten sind. Daraus folgt, dass sie auch bei der Wahl der Praktik die endgültige Entscheidung treffen. Die hauptsächlich ausgeübten und vom Kunden gewünschten Praktiken sind allerdings fast immer auf den Orgasmus beim Mann ausgerichtet. Dominas haben hierbei ein grösseres Spektrum, oder?

Antwort zu Frage 6:
Es steht mir selbstverständlich nicht zu für Prostituierte zu sprechen. Mit den wenigen Prostituierten, mit denen ich über dieses Thema sprach, stellte sich immer heraus, dass sie den Job hauptsächlich wegen des Geldes tun, aber keine schien dies zu tun um möglichst oft Sex zu haben. Hier spiegelt sich natürlich auch nur meine bescheidene Meinung wider.

Antwort zu Frage 7:
Das will ich nicht bestreiten. Vermutlich kommt es auch auf den Kunden, auf die Stimmung, auf den Tag und vieles mehr an. Das Umfeld wird vermutlich auch nicht so langweilig wie ein Bürojob sein.
Mein Vorstellungsvermögen ist relativ bescheiden.
Suum cuique. - Jedem das Seine.

Antwort zu Frage 8:
Tut mir leid, das kann ich nicht. Erweist Du uns die Ehre, es aus Deiner Sicht zu erklären?

Antwort zu Frage 9:
Nein, da hätte ich kein Problem, denn mich interessieren keine Begrifflichkeiten (Prostituierte, Dominas usw.), sondern die Frau, der Mensch, ist wichtig. Und wenn das für beide Seiten passend scheint, ist die (Berufs)bezeichnung, die sich die Frau gibt oder die ihr von anderen gegeben wird, nicht relevant. Mein Beitrag macht vielleicht nicht unbedingt diesen Eindruck, aber das liegt daran, dass ich einfach eine immer wiederkehrende Diskussion in Worte fassen wollte, um die Meinung von anderen zu hören. Die Unterscheidung Domina/Prostituierte habe ich auch deshalb machen müssen, da die meisten Prostituierten nicht das tun, was Dominas normalerweise tun und umgekehrt selbstverständlich auch.


Ich hoffe, dass Dich meine Antworten nicht zu sehr enttäuschen und Du uns Deine werte Meinung zu diesem Thema mitteilst.
Respectfully,
gan-chan

Mo, 12.Mai 2008, 23:19
Goofy hat geschrieben:... und insofern ist die hier gestellte frage letzten endes nicht sehr relevant. soll's halt jeder sehen, wie er will.
goofy
Das ist wohl wahr, allerdings wurde ich gerade in letzter Zeit wieder mehrmals in eine solche Diskussion involviert. Meine Aussage, dass ich Dominas nicht als Prostituierte sehe, nur weil sie per Gesetz alle als Sexarbeiterinnen eingestuft sind, führt immer zu endlosen Diskussionen. Captain und Purser gehören auch beide zum Schiffspersonal, aber niemand käme auf die Idee beide Berufe einerlei und gleich zu setzen.

ist doch gut, wenn sich von euch bisher noch niemand damit auseinandersetzen musste, weil die Frage nicht relevant ist. Mich nervt es allerdings langsam, da sich das über Jahre zieht und weil dieses Thema für einige scheinbar grosse Wichtigkeit hat. Deshalb will ich einfach mal hören, wie das andere sehen.

Ich weiss ja nicht über welche Themen ihr euch so unterhaltet? Einige betrachten das offenbar als Sacrilege oder Frevel, wenn ich eine nicht professionelle Dommse als Domina bezeichne. ich gelte dann von den Medien infiltriert oder so, obwohl ich das ja auch nicht absichtlich mache.
Respectfully,
gan-chan

Di, 13.Mai 2008, 00:10
Gan-Chan hat geschrieben:Captain und Purser gehören auch beide zum Schiffspersonal, aber niemand käme auf die Idee beide Berufe einerlei und gleich zu setzen.
Es sind aber beides Seeleute (bzw. im Zusammenhang mit der Seefahrt tätige Personen). Ist "Prostituierte" die allgemeine Berufsbezeichnung für die im sexuell assozierten Gewerbe tätigen Damen, dann ist eine Domina da wohl mit einzurechnen. Bedeutet "Prostituierte" nur einen netteren Begriff in der Verwendungsweise als "Hure" oder "Nutte", dann sicher nicht.
Es läuft also alles auf die Frage zu, wie du "Prostituierte" definierst. Benutzt du die sehr weite Definition einer Dame, zu der Männer wegen sexueller Bedürfnisse gehen und sie für ihre Dienste entlohnen, dann wirst du sie mit einrechnen müssen.

Aber das wesentliche hatte Goofy dazu bemerkt: Es ist eigentlich völlig egal ..., das kann man halten wie die Dachdecker
dum spiro, spero....

Di, 13.Mai 2008, 10:20
sorry - meinen beitrag zu diesem thema (direkt hinter dem posting von lady delunatic), auf den zweimal hier bezug genommen wird, habe ich aus versehen gelöscht.

gruß goofy
Frauen trösten uns über jeden Kummer hinweg, den wir ohne sie nicht hätten. (J. Anouilh)

Di, 13.Mai 2008, 12:27
@Gan-Chan,
der schwarze Panther ist mein Lieblingstier. Kannst Du hier Bilder einstellen oder mir die Quelle nennen?

Ach ja=Domination ist eine Andere, etwas teuerere (warum eigentlich?) Variante des PaySex. Der Eine stimuliert sich am Anblick einer Frau - der Andere braucht die Schläge oder seinen Fetisch, um das nötige Adrenalin zu aktivieren.

Liebe Grüße
Kranker
Mein Nick ist KRANKER - und krank Sein kann so schön sein...
Life is Life - besser heute als zu spät!

Di, 13.Mai 2008, 20:35
Für mich ist die professionelle Domina, die entsprechendes Entgelt fordert, sehr wohl eine Prostituierte......

Wieso auch nicht....

Für deine ca. € 200,- die du hinblätterst, bekommst du deine geforderte
Leistung.
Zuckerbrot und Peitsche und zum Abschluss deine Befriedigung...
Mal besser,mal schlechter...

Ob Neigung oder gespielt, wer will das Beurteilen....

Ist wie im richtigen Leben....

Eglide

Di, 13.Mai 2008, 21:11
@all,

ohaueha, oder wie schreibt man das, möchte ich da nur sagen. Das wird bestimmt ein 300er-thread.

Mir zeigen diese Diskussionen lediglich, daß diese Dienstleistungen - die so alt sind wie die Menschheit - wohl nie und nimmer vollständige Integration in die Gesellschaft finden.

Vielleicht haben sie die Akzeptanz im Stillen bereits seit langer Zeit, aber der Familienvater, wahrscheinlich jeder von uns, der sie in Anspruch nimmt, wird dies bestimmt im privaten Umfeld verleugnen, und kontrovers diskutieren.

Über Steuerberater, Banker, Unternehmensberater, Krankengymnasten, etc. etc. werden nie solche Diskussionen geführt.

Für mich sind es ganz normale Berufe. Allerdings müssen die Ausführenden aufgrund der obigen Tatsache deutlich mutiger und selbstbewußter sein.

Viele Grüße
Handschmeichler

Di, 13.Mai 2008, 21:21
Mal ganz allgemein :
Prostituiert sich nicht JEDER Arbeitnehmer in gewisser Art und Weise, mal mehr mal weniger ???
Ich, z.B. mache meinen Job mal in erster Linie, weil das Leben so sauteuer ist, und weil ich ein Feld gefunden habe, meine Talente gewinnbringend an den Mann, bzw. an meinen Arbeitgeber zu bringen.

Ich denke mal, bei vielen professionellen Dominas ist es einfach das Gleiche. Sie tun etwas, was sie gut können (im günstigsten Falle) und gerne tun (und wieder: im günstigsten Falle) um mit ihrem Talent Geld zu verdienen. Das letzenendes der Kunde ein gutes Stück den Weg vorgibt, ist auch nur allzu üblich, und zwar in allen Branchen. Letztenendes entscheidet jede der Damen selber über ihren Status und auch ihr Selbstverständnis, einfach dadurch, inwieweit sie sich unter finanziellem "Druck/Anreiz" verbiegen lässt und gegen Geld von ihren Prinzipien abweicht. Ich denke mal, an dem Punkt, an dem man sich für Geld von seinen Prinzipien verabschiedet, beginnt die wirkliche Prostitution. Und auch das sehe ich nicht nur für das kleine Feld der Dominas, sondern ganz generell.

Wir sollten das Thema "Prostituierte oder nicht" auch nicht so hoch hängen. Problematisch wird´s erst beim Thema Zwangsprostitution oder Prostitution aus schierer Geldnot und Armut. Aber auch in diesem Falle kann man Prostituierte leider oft auch mit dem Wort "Arbeiter" ersetzen. Man schaue sich mal mit offenen Augen auf dem Arbeitsmarkt um, da meint man schon manches mal, die Slaverei hat wieder Einzug gehalten.

Di, 13.Mai 2008, 21:29
@Shimada,

ja, so ist es. Stimme Dir zu, kann man eindeutig so stehen lassen.

Letztenendes ist es eine Art Huhn-und-Ei-Diskussion.

Handschmeichler

Di, 13.Mai 2008, 23:37
@Gan-Chan: Also erstmal können auch Prostituierte ihre Kunden auswählen und bestimmen welche Praktiken sie wann mit wem wo und für wie lange ausüben und welche nicht. Zweitens verkaufen Prostituierte nicht ihren Körper, sondern bieten eine sexuelle Dienstleistung an, für die sie ihren Körper benötigen, aber bei welcher Dienstleistung benutzt man seinen Körper denn bitte schön nicht ? Oder geht es mal wieder darum, dass die Genitalien als besonderes Körperteil angesehen werden, weil von allen Religionen gleichzeitig beschämt und verheiligt ? Aber selbst Dominas benutzen ja ihr Genitalorgan und sei es nur zum NS spenden. Drittens machen manche Prostituierte ihren Job sehr gerne, also auch da besteht dann kein Unterschied zu Dominas. Viertens schwinden die Grenzen sws da immer mehr Freier auch BDSM-Wünsche haben. Fünftens lassen sich auch manche Dominas oder Bizarrladys schonmal lecken oder gar gleich poppen (auch welche die hier im Forum unterwegs sind. ) Und sechstens dass Dominas auch vor allem Kundenwünsche erfüllen ist auch klar, insofern ist auch da kaum ein Unterschied zu Huren, die ja WunscherfüllerInnen sind. Nichtsdestotrotz können beide Spass am Spiel haben. Auch hier sehe ich generell also keinen Unterschied.

Jetzt noch etwas Allgemeines:

Jeder, der eine sexuelle bzw. erotische Dienstleistung anbietet, ist für mich ein Sexworker. Egal ob Prostituierte im klassischen Sinne, StripperIn, Tantra-Masseuse, Telefonsex-AnbieterIn, PornodarstellerIn oder eben Domina. Und alle diese Sexworker haben Rechte
verdient, die ihnen allzuoft verwehrt werden.

Dominas fallen ja auch in D ganz klar unters Prostituiertengesetz oder nicht ? Die normalen, registrierten Dominastudios haben rechtlich doch einen Bordellstatus oder etwa nicht ? D´accord. Rechtlich ist es also klar.
Nun geht es hier also nicht um eine rechtliche, sondern ne Art moralisch-ethische Frage. Was mich daran oft stört, ist dass implizit Prostituierte wohl als als ein negativ behaftetes Wort angesehen wird (Wieso sonst die Diskussion darüber ? Wieso sonst die Aufregung bei manchen Dominas wenn man sie als Prostituierte betrachtet ? Oh nein, ich bin doch keine Hure, hilfe ...)

Wogegen ich u.a. ankämpfe ist die sog. PUTOPHOBIE, also die Phobie vor Huren und die Abneigung gegenüber denselben. Sowas sehe ich bei so ner Diskussion als gegeben, wenn manche Dominas sich dann von diesem Status distanzieren. Das ist so, als wenn jemand entrüstet von sich weist, er sei nicht schwul (gut, ich bin auch nicht schwul und würde also sagen, dass ich es nicht bin, aber auf den Tonfall kommt es eben an), das finde ich dann auch homophob und daher kritikwürdig. Er gibt nämlich implizit zu verstehen, dass er dann "schwul sein" als schlecht empfindet. Analog dazu finden sich von Prostituierten abgrenzende Dominas hier also "Hure sein" als schlecht.

In Anbetracht der Tatsache, dass Sexworker mit zig Vorurteilen zu kämpfen haben und rechtlich oft diskriminiert werden (von Polizeirazzien und Schikanen bis hin zu steuerrechtlichen Sauereien), finde ich das nur noch traurig. Statt zusammenzuhalten und gemeinsam um Rechte zu kämpfen, wird also nun drüber diskutiert wer in welche Kategorie passt und wer nicht. Ekliges Schubladendenken ("Wir sind so, die hingegen so, wir sind anders als die").

Da bemüht man sich um Toleranz für die SM-Szene und intern werden dann solche Diskussionen mitunter geführt.

Mag sein, dass Dominas mehr Kunsttricks draufhaben als Huren (bspw. ausgefeilte Bondagekenntnisse) und insofern spezialisierter und qualitativ besser ausgebildeter als Huren sind, damit hat es sich aber dann schon. Für mich sind Dominas Prostituierte, basta. Wer nicht dazu steht, belügt sich m.E. selbst. Sexwork ist nunmal Sexwork.

Und nochmal: wer sich mal zum Thema Prostitution und Rechte schlaumacht (bspw. bei Dona Carmen auf der Website oder so), dem sollte klar werden, dass es liberalen, weltoffenen Menschen ein Anliegen sein muss, die Stigmatisierung von Prostituierten zu bekämpfen. Wenn aber nichtmal unter Dominas "Prostituierte" kein negativ besetztes Wort sein kann, wie soll dann jemals gesellschaftliche Akzeptanz für diese Liebesdamen erreicht werden ? Wer so denkt, braucht sich zudem nicht wundern wenn er selbst dadraussen nicht akzeptiert wird. Wieso sollte die Gesellschaft eine Domina auch eher akzeptieren als ne Hure ?

Eine Domina, die auf Prostituierte herabsieht und sich für was Besseres hält, werde ich persönlich erst gar nicht besuchen. Sorry. (Nur am Rande: ich würde mich dann zudem fragen, als was egtl. die Sklavias in Studios dann angesehen werden, die sind ja dann wohl auch "nur" Prostituierte.)

Sorry, dass ich bei dem Thema allergisch reagiere, aber Rechte erkämpft man halt nur miteinander. Aber ich wiederhole mich.

Gute Nacht !

Mi, 14.Mai 2008, 00:29
Es geht doch hier nicht darum Prostituierte abzuwerten oder gar zu diskriminieren, hoffe ich doch.

Wir werden hier aber leider auch keine Intoleranzen in der Gesellschaft wegdiskutieren können. Manchmal gehe ich mit Geschäftspartnern zum Abendessen in Strassen, wo Prostituierte auf Kunden warten. Das ergibt manchmal nette Unterhaltungen mit einigen Frauen. Damit bringe ich die Geschäftspartner meistens in eine (für mich) amüsante Verlegenheit. Anhand der Reaktionen in dieser kurzen Zeit kann ich mehr über den Geschäftspartner erfahren, als einen ganzen Tag im Meeting Room der Firma.

Obwohl ich sie wenig kenne, ist die SM-Szene keine homogene Gruppe, sondern beinhaltet eine bestimmte Vielfalt. Das ist auch gut so und klar, ich könnte auch teilnahmslos mit den Schultern zucken und mich aus diversen Gesprächen heraushalten. Stattdessen versuche ich der Sache auf den Grund zu gehen und zu erfahren, warum manche eine Abgrenzung definieren wollen und manche keine sehen.

Marty, du rufst nach Solidarität unter Sexworkers. Gut, aber was trägst du dazu bei ausser zu verkünden, dass du Dominas meidest, die sich nicht deinen Vorstellungen entsprechend als Prostituierte sehen?

Shimada, deinen Ausführungen stimme ich zu. Weit genug gefasst, lässt sich jede Lohnarbeit unter Prostitution einordnen. Eigentlich ist das alles (Lohnarbeit, Erwerbslosigkeit) in Zeiten wie diesen nichts anderes als Sklaverei. Aber für die will ich nicht Sklave sein.

Hier habe ich noch ein Zitat von Mistress Terence Sellers (http://www.terencesellers.com), den ich hier unkommentiert dieser Diskussion hinzufügen möchte:
Sieht sich die professionelle Superiorin zu sehr als Prostituierte – was vorkommen soll – kann es passieren, dass sie jeglichen Respekt vor sich selbst verliert; dies wäre ihr Untergang.


おやすみなさい!
(Gute Nacht!)
Respectfully,
gan-chan

Mi, 14.Mai 2008, 01:42
@Gan-Chan: Ich hoffe auch, dass es nicht darum geht, aber manchmal befürchte ich es halt.

Was ich zur Solidarität beitrage ? Bspw. so Beiträge wie der vorher, der mal Leute zum Nachdenken anregen soll.

Wieso sollte eine Prostituierte den Respekt vor sich verlieren ? Das wird sie nur, wenn sie Dinge macht, die sie egtl. selber nicht möchte, wieso auch immer (bspw. wegen dringend notwendigem Geld oder so). Dass Sexworker da mitunter auf nem schmalen Grad wandern, vor allem psychisch, ist klar. Daher wären viele Menschen nicht für diese Arbeit gemacht.

Aber in diesem Zitat kann man halt wieder implizit herauslesen, dass die gute Frau egtl. ein recht entwürdigendes Bild von Sexwork hat (so wieviele sog. Feministinnen, die Sexwork verbieten wollen) und daher glaubt sich davon distanzieren zu müssen. Ich glaub, sie benutzt Prostitution als Synonym für "Alles machen, was nur grad Geld bringt, ohne Rücksicht auf eigene Verluste", dann macht das Zitat auch Sinn, aber ich halte diese Gleichstellung eben für sehr unglücklich.
Antworten

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