Guten Morgen!
Es sind in der Tat verschiedenste Themen, die hier munter miteinander vermischt werden.
Ich werde mal versuchen, einzeln zu diesen Themen meine Sichtweise darzulegen:
Tonfall:
Als ich Lady Vampiras Beitrag las, musste ich mehrmals schmunzeln. Ja, sie hat eine ziemlich direkte und undiplomatische Art sich auszudrücken.
Lustigerweise wird das zwar von einer Domina im Allgemeinen erwartet - sie soll böse, streng, demütigend und was weiss ich was noch sein.
Aber bitte nur während der Session - ansonsten soll sie doch bitte eine super-freundliche Diplomatin sein. Nun ja, ziemlich schizophren - nicht?
O.K. Ich bin auch freundlich, verständnisvoll, ja sogar herzlich. Allerdings mime ich auch nicht während einer Session die Obergifthexe. Ich bevorzuge da meist die leisen Töne - auch auf diese Art kann man "böse" und streng sein.
Lady Vampire ist offenbar anders gestrickt - sie ist laut, direkt, zuweilen vielleicht beleidigend. Was solls? Das ist offenbar ihre Art.
Es ist niemand dazu gezwungen zu ihr zu gehen. Im Gegenteil, sie sagt ganz klar, was sie will und was nicht.
Klar, es gibt etliche Dominas, die hin und her wechseln können zwischen den unterschiedlichsten Tonalitäten. Das ist sicher ein Vorteil. Aber nicht alle Menschen beherrschen das perfekt. Oder sie müssen es erst im Laufe des Lebens lernen.
Dazu ein kleiner Exkurs: Lustigerweise werden offenbar von vielen Domina-Besuchern JUNGE Dominas bevorzugt.Diese Dominas sollen aber bitteschön mit knapp über 20 eine Reife in den Bereichen Menschenkenntnis, zwischenmenschlichem Umgang, Weltanschauung, und was weiss ich was alles haben wie eine 40-Jährige. Hmmm ... sich schon mal darüber Gedanken gemacht?
Respekt:
Ja, Respekt ist mehr als ein "Sie", es ist aber auch mehr als der Umgangston. Respekt bedeutet auch, dass man sein Gegenüber ernst nimmt. In wie weit wurden die Kernaussagen von Lady Vampira ernst genommen?
Tribut/Geschenke
Lady Vampira auf Grund dieses Postings Geldgeilheit zu unterstellen, ist ziemlich daneben. Ob sie früher als Gelddomina tätig war, ist eine andere Sache. - Jetzt scheint sie real Sklaven/Subs zu erziehen und will dafür Tribut. Sie hat offenbar Mühe mit diesem Begriff und bezeichnet ihn lieber als Geschenk. O.K. Es geht um eine Gegenleistung für, das was sie bietet. Ihr Frust, der in dem Posting zu spüren ist, rührt wohl daher - dass sie immer wieder von Schmarotzern belästigt wird. - So wie das Roxana erwähnt hat. - Davor bleibt wohl keine Domina verschont. Ich auch nicht. Ich bekomme auch x Anfagen von Typen, die meinen, sie bekämen bei mir eine Gratis-Session, wenn sie nur lange genug jammern. Dies, obwohl ich von Anfang an ganz klar meine Konditionen (auch finanzieller Art) nenne. Das nervt mit der Zeit. Ebenso Angebote von sogenannten "Putzsklaven", etc, die ein bisschen mit einem Lappen herumwedeln wollen ... Genau so nervig sind Typen, die finden: "Ach, ich dachte, du machst das, weil es dir Spass macht, weil du so veranlagt bist - und nicht weil du Geld verdienen willst." Toll! Spricht jemand einem Kunstmaler seine Freude am Malen ab, nur weil er seine Bilder VERKAUFEN möchte??? Ziemlich schräg - nicht? Nun. Solche Aussagen hört, liest man als Domina immer wieder. Insofern kann ich Lady Vampiras Frust durchaus verstehen!
Wunscherfüllung/Dienstleistung:
Zu diesem Thema wurde in diesem Forum schon sehr viel geschrieben. Auch ich habe schon mehrmals meinen Senf dazu gegeben (u.a. im Thread "Echte Veranlagung versus Professionalität" oder so ähnlich, habe jetzt nicht nachgeguckt.) Ich kam damals darauf diesen Thread zu starten, weil ich von vielen Interessenten darauf angesprochen wurde. Sie meinten sie möchten nicht (mehr) zu Studio-Dominas gehen, da die ja gar nicht echt veranlagt seien und nur eine Dienstleistung erbringen, sprich eine Wunschliste abhaken würden. (Ob das wirklich so ist, sei dahin gestellt.) Hier wird nun von mehreren Leuten gerade diese Dienstleistungs-Mentalität gelobt. Lady Vampira grenzt sich ganz klar davon ab. Ich persönlich sehe da für mich eher einen Mittelweg. Ich kenne und lebe beide Seiten. Ich bin "private Herrin" meines Lebenspartners und ich bin nebenberuflich als Domina tätitg. Als Domina bekomme ich eine finanzielle Entschädigung für mein Tun. Ich mache da nicht einfach das, was mir grad passt, sondern bin bereit auf die Wünsche der subs einzugehen. Da der "Funke nur überspringt", wenn ich auch Spass daran habe, mache ich aber nur Sachen, die mir auch liegen und zu denen ich Lust habe. Einfach eine Wunschliste abarbeiten tue ich nicht. Das mache ich den Interessenten von Anfang an klar. Ich sage ihnen, dass ich von ihnen erwarte, dass sie eine gewisse Offenheit mitbringen, bereit sein sollten, sich von ihren Wünschen zu lösen ... sich auf das einzulassen, was ich ihnen gebe. Selstverständlich werde ich nicht total etwas anderes tun, als sie sich vorstellen - aber eine reine Dienstleistung ist es nicht. Leute, die mit der Idee zu mir kommen, dass sie genau dies und das erleben wollen, sind bei mir eher falsch ...
Und nun noch kurz zum "privaten Herrin-Sein": Auch als nicht-bezahlte Herrin tue ich nicht einfach das, was mir grad in den Sinn kommt ohne Rücksicht auf meinen sub. Meiner Meinung nach funktioniert so etwas nicht auf Dauer. Eine Beziehung - auch im Bereich BDSM - funktioniert nur, wenn das Geben und Nehmen ausgeglichen ist. Das heisst beide Seiten müssen zum Zug kommen, müssen das Gefühl haben, dass ihnen diese Beziehung etwas bringt. Klar akzeptiere ich auch als private Herrin Tabus. Wer das nicht tut, steht bald alleine da. Denke ich jedenfalls.
Überhaupt ist das Klischee, "private Herrinnen" würden nur auf ihre Befriedigung achten und die ihrer subs missachten, meiner Erfahrung nach falsch. Im Gegenteil. Oft sind es die subs, die voll auf ihre Kosten kommen und die Herrin muss schauen, dass sich auch mal zu ihrer Befriedigung kommt. Aber das führt nun zu weit. Wer mehr darüber wissen möchte, soll sich bitte in einschlägigen Foren schlau machen und da auch mal zwischen den Zeilen lesen.
Insofern Jeanies machst du dir wohl zu viele Sorgen. Ich kenne die Berliner Szene zwar nicht, aber ich nehme nicht an, dass die Herrinen da total anders ticken, als anderswo.
Huiii! Das ist wieder mal ein Bandwurm-Beitrag geworden!
Ach ja, allen, die sich ein bisschen tiefergehende Gedanken über das Verhältnis von Studio-Gästen und Dominas machen möchten, empfehle ich das Buch von Lady McLaine (das sie in ihrem Forum anbietet). Mir ist beim Lesen dieses packend geschreibenen Textes einiges klarer geworden ... Auch wenn ich in einigem nicht mit ihr übereinstimme.
Aber: Man muss nicht immer gleicher Meinung sein - nicht wahr?
Gute Nacht!
Annemarie