Nachdem ich heute Mittag zwei Becher Kaffee getrunken habe, um mir um 00:30 Uhr die Bondage-Dokumentation auf Arte angucken zu können, sitze ich immer noch aufrecht im Bett und bin dementsprechend gelaunt. Das sei an dieser Stelle voran geschickt, um etwaige Vermutungen und Rückschlüsse über und auf meinen Lebenswandel ob der Uhrzeit dieses Posts in die richtigen Bahnen zu lenken.
Zunächst möchte ich zudem bemerken, dass ich Roxanas Worte als ehrlich empfundene Unmutsbekundung aufnehme und schätze, da ich gesehen habe, dass sie konsequent ist und danach handelt, oder sich zumindest nach Kräften bemüht. Auch wenn ich nicht verstehe, woher dieses starke Bedürfnis nach Abgrenzung rührt und es aus meiner Sicht, eine Schwäche offenbart, die so laut in die Welt hinauszuposaunen, ich mich hüten würde!
Aber so sind wir halt verschieden: Die Eine definiert „Dominanz“ darüber, wie heftig sie ihrem Opfer den Hintern versohlt, die Nächste darüber wie oft sie einem Gast in den Hals scheißen kann, wieder Andere messen diesen Wert an ihrem Kontostand und mir persönlich verschafft es große Genugtuung, wenn nach einer Stunde Session, die Berührung der Spitze meines Zeigefingers an einer besonders sensiblen Stelle reicht, um meinen Spielpartner zum Abspritzen zu bringen!
Etwas verwirrt stehe ich allerdings vor dem Phänomen des fehlgeleiteten Realitätsfetisches, der hier immer wieder aufkeimt und mit dem flammenden Schwert ideologischen Eifers durch's Forum prescht. Es ist irgendwie auch erheiternd zu lesen, auf welchen monadisierenden Scheibenwelten wir anscheinend unser Dasein fristen: Auf meiner Scheibe existieren keine Dominas! Der tautologische Schluss allein aus der Existenz des Wortes auf die Existenz der Sache zu schließen, reicht nicht hin. Mir ist in 28 Lebensjahren und elf Jahren in der BDSM-Szene noch keine „Domina“ begegnet. Ich werde aber schließlich auch nicht von kleinen Elfen besucht oder von wild gewordenen Minotauren im Labyrinth meines Supermarkts angegriffen. Das mag auf anderen Scheiben Menschen passieren, bei mir allerdings nicht!
Begegnet ist mir aber u.a. eine Frau, die ihre ganze Existenz um die Idee gebaut hat, mit ihren devoten Partnern ungestört in einem Haus in der Pampa 24/7 BDSM „spielen“ zu können. Die Realisation dieses Traums verlangte von ihr Tatkraft, Mut, Konsequenz und vor allem eine ordentliche Priese Verrücktheit.
Die Erfahrungen, die ihr vor allem die Rückschläge vermittelt haben, machen sie im Auftritt durchaus souveräner und sie für mich zu einer interessanten Gesprächspartnerin. Mir fiele es allerdings nicht ein, sie charakterlich „dominanter“ einzustufen, als zum Beispiel Lieschen Müller, die ich auch traf und die in einem Studio „Fullservice“ anbietet, um als alleinerziehende Mutter ihren Kindern etwas bieten zu können! Die große Mutter in_mir bekümmert ein wenig die Sorge, um jene Damen, Ladies, Novas und Dominas, die vergessen, dass sie außerhalb der Studiomauern eben nicht das schillernde Fabelwesen sind, sondern Lieschen, Annemarie oder Gerda heißen, doch sollte das in meinem zarten Alter nicht meine Sorge sein.
Sich selbst auf Kosten anderer zu erhöhen, hat nichts mit Dominanz zu tun. Es ist schwach. Daher stehe ich zu dem, was Marfa auch schon zitiert hat. Viel kürzer, besser, aber auch zu früherer Stunde schrieb ich:
Aber werte Kollegin, wenn Sie sich und ihre Tätigkeit ernsthaft über den Titel "Domina" definieren, leben wir nicht nur in verschiedenen Welten, sondern in verschiedenen Universen.
Ich freue mich auf den Tag, an dem es in diversen Galerien nur noch drei Häkchen zu setzen gibt: aktiv, passiv und switch. Solange kreuze ich lustig alles an, was sich mir anbietet, schlicht weil ich diese ganzen Begrifflichkeiten absurd finde.
Punkt.