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Re: "Dreißig Jahre an der Peitsche"

Sa, 28.Feb 2026, 22:49
Lady MacLaine hat geschrieben:
Sa, 28.Feb 2026, 15:54
Ja - natürlich ist die Szene aus heutiger Sicht unerträglich - keine Frage. Aber damals mussten die passiven Frauen wirklich heftige Dinge ertragen und niemand hat es in Frage gestellt. Aber mich hat das so geschockt, dass danach niemals wieder eine passive Frau in meinem Studio gearbeitet hat.
Das soll keine Entschuldigung sein, was passiert ist, ist passiert. Vielleicht waren wir beide damals, Sarah und ich einfach zu unerfahren, um die Sache zu beenden und den Typ rauszuschmeißen.

Rosa kann man nichts vorwerfen, er hat die Szene genauso umgesetzt, wie ich es in meinem Buch geschrieben habe.
Gruß aus Berlin
Ex-Lady MacLaine
Liebe Lady MacLaine,

danke für die Ehrliche Antwort. Auch wenn Sie meiner Meinung nach damals falsch gehandelt haben, so wäre es doch unfair, im Nachhinein an Ihren Handlungen 2026er Maßstäbe anzusetzen. Aber wenn im Film gesagt wird im 30 Jahren "ist niemand zu Schaden gekommen" dann hinterlässt das doch eine. bitteren Beigeschmack.

Re: "Dreißig Jahre an der Peitsche"

So, 01.Mär 2026, 15:23
Wie gesagt, ich beschreibe hier nur meine Empfindungen bezüglich des Films, da ich das Buch nicht gelesen habe.

Es ist definitiv davon auszugehen, dass Lady MacLaine in dieses Metier mehr hineingestolpert ist als dass dies eine bewusste Berufswahl gewesen wäre.
Weitgehend unerfahren und ohne den Möglichkeiten, die sich einem heute bieten, hat sie sich dann zunehmend Wissen und Routine erarbeitet und angeeignet - und schliesslich auch an weitere Ladies vermittelt. Eine Möglichkeit, die es wohl zu ihren Anfangszeiten gar nicht gab.
Und wer sich 30 Jahre im Markt behaupten kann, der hat wohl etwas richtig gemacht.
Die direkte, unverkrampfte, ja unverblümte und nichts beschönigende Art von Lady MacLaine sind allseits bekannt - teils gefürchtet, teils sehr geschätzt.

Was ich bemängle, ist die in meiner Empfindung eher unausgewogene bis tendenziöse filmische Umsetzung der Autobiographie, die zu Gunsten einer reisserischen und dramaturgisch sicher interessanten Szene den erklärenden Kontext auf dem Altar der "künstlerischen Freiheit" opfert.
Das bleibt dann einfach so im Raum stehen und verdichtet sich bei vielen Leuten, die nicht selbst einen Zugang zu BDSM haben, zu einem Zerrbild der Szene, - ein Zerrbild durch die Rosa-Brille...
Gerade in der gegenwärtigen politisch heiklen Situation empfinde ich das nicht als einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sache.
Wie nennt man das Sexualorgan des Sklaven? - Gehirn :-)

Re: "Dreißig Jahre an der Peitsche"

Do, 05.Mär 2026, 05:15
Ich fand den Film sehr sehenswert. Es ist keine Doku zum Thema BDSM oder Domina, schon gar nicht zu dem, was in 2026 in dem Bereich passiert. Es ist primär eine, wie ich finde, sehr interessante Biographie einer ungewöhnlichen und interessanten Frau, die über Jahrzehnte in diesem Bereich gearbeitet hat. Es ist eine Biographie, aber auch eine Darstellung dieses Arbeitsbereiches über die letzten Jahrzehnte. Ich fand den Film dramatisch und berührend, und da ich die Widersprüche, Komplikationen und all das, was in der Werbung zu professionellem BDSM nicht gesagt wird, sehr interessant finde, fand ich die schonungslose Offenheit und Klarheit des Films wertvoll.
Um ehrlich zu sein, ich fand den Film trotzdem weniger faszinierend und erhellend und berührend, als das Buch, die Autobiographie von Lady McLaine, auf der der Film beruht---was dem Film kaum vorzuwerfen ist, denn das Buch ist sehr lang, so was wie 700 Seiten, und der Film konnte natürlich nur ein paar Teile davon darstellen. Trotzdem: der Film ist eine zu Herzen gehende, und, wenn man sich für den Bereich interessiert, auch lehrreiche Auseinandersetzung mit der Geschichte von professioneller Dominanz in den letzten vierzig Jahren.
"Eine Frage bleibt: Was will das Weib?"
S. Freud
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