moronikus hat geschrieben:
Ich denke, dass Sie, verehrte Lady Sara, diese Frage definitiv für sich beantwortet haben.
Eine Frage, die ich mir bereits beantwortet habe, poste ich nicht mehr im DoFo.
Der Vergleich von Günter ist der, den ich auch oft bringe: Bergsteigen/wandern mit verschiedenen Risiko-Stufen. Immerhin bin ich auch eine Berg-Person
Bei anderen SM-Praktiken verfahre ich genau so, wie Günter es empfiehlt: ich wäge meinen erwarteten Lustgewinn, wenn ich die Bottom bin, gegen mein Risiko ab.
Wenn ich die Top bin, schätze ich erst ein, ob mein Gegenüber genauso reflektiert ist wie ich, also auch meiner Ansicht nach in der Lage ist, seinen erwarteten Lustgewinn gegen sein Risiko abzuwägen, und wenn es dann etwas ist, was ich mir selbst auch "zumuten" würde, habe ich überhaupt keine Schwierigkeiten, mich auch aktiv daran zu beteiligen. Als ich z.B. erstmalig einen Hodensack genagelt habe, habe ich mir vorher die eigenen Schamlippen nageln lassen. Etwas, was ich schon lange vorgehabt hatte als "irgendwann mal", aber wo ich eigentlich immer auf "den/die Richtige" warten wollte, mit dem/der ich mich "wirklich wohl fühle", und der/die auch mit der Praktik schon erfahren sein sollte.
Als mich der Buchungsinteressant ansprach, hatte ich die Erfahrung passiv selbst noch nicht erlebt. Aber die Fantasie schon lange im Kopf. Wir unterhielten uns bei einem ausführlichen Plauderdate, was wir darüber wo gelesen und gehört hatten, welche Sorte Nägel ich besorgen könnte, wie wir das Brett vorbereiten könnten oder eben nicht, wie hoch wir welche Restrisiken einschätzen würden (vom Splitter bis zur Infektion) und wie wir ggf. vorgehen würden, wenn etwas schief ginge. Der Mann hatte tatsächlich sogar denselben naturwissenschaftlichen Studiengang absolviert wie ich selbst, hatte dieselben Bedenken bzgl. Hygiene wie ich und eine vergleichbare Neugierde darauf. Er akzeptierte, dass ich zuvor mit einer Freundin üben würde, aber er der erste wäre, dessen Sack ich nageln würde - mit dem Risiko, von einer unerfahrenen Person genagelt zu werden. Daraufhin beriet ich mich nochmal mit einer befreundeten Krankenschwester, traf mich dann mit ihr und übte an ihren und meinen Brüsten. Anschließend wünschte ich mir zu meinem eigenen Geburtstag von meinem Pärchen, mit dem ich zu diesem Zeitpunkt eine Beziehung hatte und die emotional ganz klar "die Richtigen" waren, aber mit Nagelung auch unerfahren, eine Session mit Nagelung meiner Schamlippen. Auch da besprachen wir uns vorher ausführlich, wie wir das umsetzen würden. Dann spielten wir. Ich passiv. Es war grandios. - Und später spielte ich dann auch mit dem Gast. Ich aktiv
Hätte ich allerdings bei derselben Anfrage ein Gegenüber vor mir gehabt, dem ich nicht zugetraut hätte, die Sachlage einzuschätzen, hätte ich die Anfrage verweigert.
Bei der Safety-Frage ist es aus zweierlei Gründen problematisch:
- erstens: das Risiko, mich mit HepC oder HIV anzustecken, möchte ich selbst auf alle Fälle vermeiden (ich kann hier also NICHT sagen: "ich gehe es ja auch ein, wenn .... gegeben ist" und habe somit meine persönlichen Vergleichskriterien)
- zweitens (und das ist schlimmer): wer sich leichtsinnig mit HepC oder HIV anzustecken bereit ist, steckt vermutlich hinterher auch leichtsinnig andere Personen an - jemanden dabei zu unterstützen, bedeutet also nicht nur Verantwortung für die Gesundheit dieser einen Person zu übernehmen, sondern auch für Folge-Schäden, die diese Person anderen unwissentlich bzw. unbedacht antut
- drittens: zur Vermeidung von Epidemien ist eine gewisse Haltung in der Bevölkerung sinnvoll, ich bin mit dieser Haltung sehr strikt aufgewachsen - ich kann es fördern, dass sich mehrere Leute dieser Haltung anschließen oder kann aufklären und "missionieren" - und zwar mit der Botschaft, dass man zwar im Sinne von rack über seine eigenen (!) Risiken eigenverantwortlich entscheiden kann, aber nicht über die von Mitbetroffenen
Geht also der Bergsteiger den riskanten Weg und riskiert v.a. sein eigenes Leben (ggf. auch an meiner Seite, wenn ich genauso bergsteige-freudig bin), dann ist es noch etwas anderes, als wenn wir ganz genau wissen, dass wir auf einer besonders leichtsinnig gewählten Tour mit unseren Füßen möglicherweise (oder mit hoher Wahrscheinlichkeit) einen Steinschlag lostreten, der ggf. auch andere Menschen in tödliche Gefahr bringt
Okay, JETZT habe ich meine Antwort auf die Frage. Es wird davon abhängen, wie ich -neben seiner Risikobeurteilungsfähigkeit- das SONSTIGE Verhalten des Interessenten außerhalb/nach der Session beurteile. Besucht er andere Studios oder Bordelle oder seine Partnerin mit riskantem Verhalten, oder schätze ich ihn so ein (was bei Buchungsinteressenten wohl nur seltenst so sein wird), dass er danach die Inkubationszeit abwartet und sich testen läßt, bevor er IRGENDETWAS tut, was andere gefährden könnte. (In der Tat WÄRE das wohl das, was ich täte, wenn ich selbst in die Situation KÄME, mich entgegen meiner Vorgaben doch mal einer riskanten Praktik ausgesetzt zu haben.)
Danke für's Sortieren-Helfen!