Liebe LadyMacLaine, es weiß jeder, dies ist korrekt. Im Wissen darüber liegt nicht die Tragik verborgen. Tragisch wird es, wenn dies angewandt wird. Würde ich Sie nun um einen Termin bitten, um meine nichtmasochistischen Sehnsüchte ausleben zu dürfen, z.B. Füße massieren zu dürfen, und nichts anderes, würden Sie dies wohl nicht ausschlagen.Lady MacLaine hat geschrieben:Heute weiß jeder, aber auch jeder Gast, dass es sich um eine bezahlte Dienstleistung handelt, die nach seinem Willen (und natürlich auch für sein Geld, das ist keine Frage) ablaufen soll.
Oder wenn Sie dies ausschlagen, wird es eine andere nicht tun. Und genau in diesem Augenblick wird aus der Domina eine Wunscherfüllungsgehilfin, die sich letzten Endes vom Kunden dominieren lässt, ohne ihre eigene Natur ausleben zu dürfen. Ich empfinde dies als eher als tragisch für die Domina, wenn sie so mit sich umspringen lässt. Meines Erachtens liegt es an der Domina, dem Kunden verständlich zu machen, dass er zwar Wünsche äußern darf, aber damit zu rechnen hat, dass die Session völlig anders laufen kann.
Also gut, dies wird heute länger. Es sollte mal Tacheles geredet werden. Ein Beispiel, aus eigener Erfahrung. Ihr Thema: Zunahme des Fetischismus. Wenn es in 5 von 10 Anrufen darum geht, ob denn die Herrin dies oder jenes zum anziehen hätte und bei einer Verneinung sogar vereinzelt gemault wird, sagt dies einiges über den Respekt aus, den diese Personen einer Domina gegenüber besitzen. Und es gibt Fälle, in denen die Dame dem Anrufer dann nicht durchs Telefon ins Gesicht springt, was angemessen wäre. Nein, es wird nach dem entsprechenden Outfit gesucht, um ja den Termin nicht zu verpassen. Denn Tribut minus Klamottenkauf = immer noch Gewinn.
Ha, ha, und dann erscheint der Kunde nicht. Soll ich dann noch großartig trösten? Nein, dann sagt man eben "dusseliges Stück", auch wenn es seine Herrin ist. Gibt dann zwar Ärger, aber irgendwann merkt sie es selbst. Und wenn nicht, kann man nicht mehr helfen.
Die Sache liegt doch auf der Hand. Als Mann, der Sehnsüchte in Bezug auf Fetischismus besitzt, kann ich genauso gut in ein Freudenhaus gehen. Dort kann ich mir auch wünschen, was sich die Dame anzuziehen hat, mich ein wenig rumkommandieren lassen, brauche keine Angst vor Schmerzen zu besitzen und komme obendrein sicher zum Orgasmus. Für diese Sorte an Männern ist es reizvoll, sich ihren Fetisch bei einer eher gefährlich und dominant wirkenden Frau abzuholen.
Super Kick. "Klasse war es, ich war bei der berüchtigten Lady XYZ, habe alles bekommen, was ich wollte und bin ohne blauen Fleck wieder nach Hause gekommen."
Ach, und diesen Schuh wollen sich Frauen anziehen, die sich "Domina" schimpfen?
Nur, weil die Kohle benötigt wird? Weshalb dann nicht ehrlich sein und sich in "Bizarrlady" umtitulieren? Oder besser noch in "Sklavia in spe"? Ich kann nur sagen, Ehre wem Ehre gebührt. Die Zeiten mögen sich verändert haben, Lady MacLaine. Aber es existieren noch genug Männer, die in einer Domina eine Frau mit sado-dominanten Neigungen sehen, die sich das von einem Kunden nimmt, was sie möchte und sich nicht darum schert, was wir wollen. Weswegen wir sie lieben. Und ich hoffe, ich bekomme auf diese Aussage etwas Zustimmung von den Kerlen hier.
Die schönste Sache an einem Besuch ist doch neben der Zweisamkeit auch die gegenseitige Herausforderung. Aus männlicher Sicht doch der Reiz, wie sehr man als Mann den Anforderungen einer erwachsenen, in ihrer Sehnsucht dominant und/oder sadistisch veranlagten Frau gewachsen ist. Kommt man damit klar, was sie sich nimmt? Kann man dem begegnen, es erwidern? Versagt man gar? Verzweifelt man oder wird einem eine neue Türe geöffnet? Macht sie aus einer Seele Kleinholz oder wird es ein schönes Lagerfeuer für beide? Aus solchen tiefschürfenden, beide Seelen beanspruchenden Sessions gehen doch Beide mit einem fetten Grinsen auseinander.
Ich empfinde es als schade, dass viele Männer dies nicht erkennen, weil sie so sehr in ihren Fetischen und Geilheitsphantasien gefangen sitzen, sich beinahe verzweifelt an sie klammern und sich nicht aus ihren eigenen, geistigen vier Wänden befreien möchten. Warum sie nicht einfach mal sagen können "machen Sie mit mir bitte, was Sie wollen" um damit die Domina, als auch sich selbst zu ehren? Das ist in meinen Augen Männlichkeit. Und wenn es nur eine Session ist, die ihr mal mit dieser Einstellung angeht, Jungs. Nur eine. Ihr werdet keine anderen mehr wollen.
Sie sehen, die Mythen sind noch da, Lady MacLaine. Die Verehrung ist noch da. Ich treffe mit meiner Meinung und Einstellung sicherlich die Zustimmung einiger Männer. Ich weiß persönlich, dass es sie gibt. Man muss schließlich nicht jedem gefallen. Eine Domina ebenso nicht. Eine Domina, die allen gefallen will, bekommt vielleicht im Schnitt mehr Kunden, der Geldbeutel fühlt sich praller an, aber seelisch erleidet sie irgendwann Schiffbruch, weil ihr ihre einstige Berufung und Lust irgendwann verleidet wird, durch die Dämonen, die sie selbst in ihr Haus gelassen hat. Und davon weiß ich gut zu berichten. Denn wenn eine Seele leidet, leidet irgendwann auch die nächststehende Seele und es weitet sich darüber gehend hinaus aus.
Die Berufung wird zur Qual, der Beruf ödet an, der Respekt vor den Männern sinkt, der Respekt vor sich selbst auch. Frau wird melancholisch, zynisch, vergangenheitsliebend und zukunftsmüde. Genau die Symptome, die durch Ihre Mails klingen, die durfte ich als Erfahrungswerte in Empfang nehmen. Und darauf habe ich als Sklave keinen Bock mehr. Weil wir diejenigen sind, die nicht ständig so stark sein können, um zu halten, weil die Kunden an der Seele unserer Herinnen und Geliebten nagen. Weil wir nicht ständig auf die Schnauze bekommen wollen, wenn wir Kritik anbringen, wenn wir erkennen, dass etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Weil wir als Sklaven nicht unendlich seelisch belastbar sind, wenn eine Herrin leidet, die Mann und Kind besitzt, ihre Seelenqualen aber ungern zu Hause abladen möchte und uns dafür auserwählt. Es ist nicht mal das Problem, dass mit uns kein SM mehr betrieben wird, weil Lust und Energie abhanden gekommen sind. Völlig gleich. SM kann so unwichtig sein. Es ist einfach das Problem, dass wir erkennen, dass sich eine Frau mit Prinzipien, die man wegen eben dieser so lieben gelernt hatte, sich in etwas verwandelt, was nicht mehr sie ist. Dass sie sich selbst fremd wird. Und DAS tut verdammt weh. Weil sie sich selbst verliert und man sie aus diesem Grund ebenso verliert.
Eine Domina sollte eben den einen Kunden pro Monat nehmen, der ihre Gelüste erfüllt und ihr die Ehre des Tributs übergibt. Vielleicht den ein oder anderen Fetischisten einweben, den sie putzig findet und der sie nicht in ihrem Ego belastet.
Dann passt es doch. Wenn ich mich hier durch das Forum lese, so fällt mir auf, dass die wortgewandteren Beiträge von den "Herren" Ladies stammen. Ich setze also Bildung voraus. Bildung sehe ich gleichbedeutend mit einem Beruf, mit der frau Geld verdient. Wenn dem so ist, dürften die meisten Damen nicht von jedem dahergelaufenen Kunden abhängig sein. Lassen sie sich dennoch auf diese ein, fehlen mir ehrlich gesagt die Worte. In dem Fall müssen manche Dominas geborene Masochistinnen sein, welche die Lusterfüllung des Mannes in einer bizarren Art als eigene Dominanz empfinden. Dann wäre es okay. Dann wäre es mir zu hoch und es müsste mir erklärt werden. Das kann so sein, aber das würde dann bedeuten, dass ich Zeit meines Lebens Dominanz und Sadismus falsch interpretiert habe.
War ein längeres Posting, aber es musste mal raus. Ich bin ein Jungspund. Ihnen Ratschläge zu geben dürfte reichlich vermessen sein. Mir tut es einfach weh, dass Sie so demütig resignierend anmutend über die heutige Generation der Sklaven und Dominas denken. Vielleicht sind wir ja bekloppt. Gut möglich. Aber zum "alten Eisen" zähle ich Sie bestimmt nicht. Ein bisschen mehr Pfeffer und Angriffslust von Ihrer Seite würde Ihnen sicherlich nicht schlecht zu Gesicht stehen. *augenzwinkernd gesagt*
Ich küsse jetzt einfach mal Ihren unsaubersten Stiefel.
Grüße,
Steffen



