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Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

Sa, 22.Mai 2021, 15:00
Hallo liebe Forumgemeinde,

es heißt oft, dass man in den Themen weibliche Dominanz und BDSM in England am besten aufgehoben ist. Und wenn ein Mann eine Schlüsselherrin für seinen Keuschheitsgürtel sucht, ist derjenige dort auch sehr gut aufgehoben. Warum ist das eigentlich so? Haben englische Frauen von Haus aus etwas eher Dominantes in sich?

Es hat wohl wenig mit der Emanzipation zu tun. England ist Teil eines Königreiches und meines Wissens haben in der Königsfamilie Männer immer noch mehr Rechte als Frauen, z.B. wird grundsätzlich der Erstgeborene Sohn König und eine Frau wird es nur, wenn es keine männlichen Nachkommen gibt. Und Titel wie Lord oder Ritter können Frauen auch nicht erreichen. Die Stellung der Frau war bis 1900 eigentlich in ganz Europa ähnlich untergeordnet.

In den romanischsprachigen Ländern wiederum findet man fast gar keine Dominas und wer in Frankreich oder Spanien das Thema Keuschheitsgürtel oder Femdom anspricht, wird kaum Interessenten finden. Ob das an der Machokultur liegt? Es heißt ja, Italiener seien eher machohaft. In Nordeuropa (Skandinavien, Dänemark) ist Prostitution und damit das Betreiben eines Dominastudios ganz tabu. In den slawischen Ländern findet man nur mit sehr viel Mühe eine Domina, ein paar Internetseiten polnischer Domina fand ich, doch das ist für ein ganzes Land sehr wenig. Denkt ihr, das liegt dort an der konservativen Einstellung und am Eisernen Vorhang? Auch Soft-SM wie Fesseln, Analplug, Facesitting ist dort kaum bekannt und während des Kommunismus hatten diese Fetische auch keine Chance, aus England oder Deutschland dort hinüberzukommen. Gut, in Tschechien ist es einfacher, aber wohl hauptsächlich, weil Deutsche dort gerne zum Pay-Sex fahren. In Moskau wird man auch einige Dominas finden, doch für dieses ehemalige Zarenreich war es das auch schon.

Und wenn ich jetzt statt einer Dominasession eine Freundin suche, die mich gerne mal fesselt, facesittet und im Keuschheitskäfig einschließt, dann werde ich auch am ehesten in England, Deutschland, vl. noch Holland fündig. In Osteuropa und den romanischen Ländern wird das ganz schwierig.

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

So, 23.Mai 2021, 04:10
Interessante Frage!
Warum England?

Ich glaube nicht, dass das ab origine "very british" ist. Den ganzen perversen Kram gab es schon seit Urzeiten (Sumer, Babylon, Etrusker, Griechen, Römer usw. - siehe die einschlägigen Bilder im Netz).

Nach nahezu zwei Jahrhunderten konfessioneller Kämpfe - in England ging es, ähnlich wie im Hl. Römischen Reich, recht heftig zu (angefangen 1534 mit der Suprematsakte, als König Heinrich VIII. sich von der römisch-katholischen Kirche losgelöst hat bis ins frühe 18. Jh.) - war aus der Insel das British Empire entstanden.

Das Britische Reich erstreckte sich damals von Amerika bis Australien. Durch Ein- und Zuwanderung wurde es zu einem Schmelztiegel zahlreicher Varianten reformatorischer Konfessionen, besonders puritanischer und calvinistischer Glaubensgemeinschaften oder auch der methodistischen und wesleyanischen Kirchen.

Im "Victorianischen Zeitalter" (benannt nach der langlebigen Königin Victoria (1819-1901, reg. 1837-1901) setzte sich dies fort. Eine rigide Sexualmoral, bedingt durch o.a. Gründe war an der Tagesordnung (daher der noch bekannte BDSM-Begriff "englische Erziehung").

Vor allem Vertreter des Bürgertums bedienten sich häufig der Prostitution, bis sie imstande waren, eine Familie (nach damaligen Maßstäben) zu gründen. Viele Angehörige der britischen Oberschicht erkrankten mangels ausreichenden Schutzes an Geschlechtskrankheiten. Den betreffenden Frauen brachte das leider nichts: Häufig wurden sie in "Frauenhäuser" (eine Art Besserungsanstalt) gesperrt! Dies führte ab 1864 zu den "Contagious Diseases Acts"("Gesetze über ansteckende Krankheiten"), die aber nur die Damen betrafen (Zwangsinhaftierung- und untersuchung). Es dauerte noch sehr, sehr lange Zeit, bis sich die Lage für die betroffenen Frauen änderte.

Religiöse, gesellschaftliche und wirtschaftfliche Ursachen (industriellen Revolution mit einhergehender Landflucht) führten daher zu einem massiven Anstieg der Prostitution. Laut Wikipedia gab es 1841 im innerstädtischen Bereich Londons 3325 Bordelle!

Dass damit auch das Ausleben von BDSM einhergeht, ist klar. Ich verweise auf Miss Theresa Berkley!

Ob das ein Erklärungsansatz ist, weiß ich nicht. Zu überprüfen sei noch, wie sich die Situation im übrigen Europa dargestellt hat (Deutsches Reich, Kaiserreich Österreich, von Italien und Spanien ganz zu schweigen)!

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

So, 23.Mai 2021, 18:34
Beschreibung zum Buch "The History & Arts of the Dominatrix":
"Into the English history record, the secular profession appears in books from the 17th Century, with flagellation prints of the Dominatrix in role of 'Whipstress' and 'School-Mistress'. The ladies providing birch discipline were interlinked with royalty, nobility, parliamentarians and secret societies."
Die rigide Sexualmoral in Verbindung mit körperlicher Züchtigung von Schülern hat sicherlich zu einer "Versexualisierung" von Züchtigungen beigetragen und wer es sich dann später als Erwachsener leisten konnte, hat dies ggf. bei Dominas ausgelebt. Dokumentiert in England auch schon im 17. Jahrhundert.

Überraschend für mich ist eher, dass man bei den anderen Großmächten dieser Zeit wenig Quellen findet. Zumindest die gewerbsmäßige Domina neuerer Zeit scheint daher ihre Wurzeln in GB zu haben.

Grüße

Meriten
Was du nicht willst, das man dir tu,
das füg auch keinem anderen zu
(es sei denn, dein Partner ist maso)

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

Mo, 24.Mai 2021, 00:08
Hallo :- )

Interessanter Fred. Wobei man natuerlich unterstellen muss zunaechst, dass der Threaderöffner tatsaechlich auf den historischen Aspekt sich bezieht. Also im Sinne von, Engeland galt frueher schon derartig "veranlagt" und deshalb waere man eben auch heutzutage noch dort besonders " gut aufgehoben "

Und wo Meriten schon gepflegt zitiert :- ) , moechte ich nicht zurueckstehen und meinerseits verweisen auf " Lob der Peitsche " von N.Largier, erschienen bei C.H. Beck 2001, ( Eine Kulturgeschichte der Erregung ) und ebenda Kapitel 6, " Das Englische Laster ".

Dort geht es genau um dieses Thema. Z.B., wenn es heisst "... In England, dem klassischen Land der Freiheit, war das Prügeln, Geisseln und Peitschen von Alters her im Schwange und ist es zur Stunde noch, trotz dem, dass es hier keine Jesuiten gibt " Und etwas weiter : ... " Ein Blick in die flagellantische Literatur Deutschlands und Frankreichs zeigt zudem, dass ein grosser Teil der einschlägigen pornographischen Publikationen zunaechst wirkliche oder angebliche Übersetzungen aus dem Englischen sind " Dies bezieht sich auf das 19. Jh. Später entwickeln sich dann eigene, nationale Literaturen zum Thema. Wohlgemerkt ist der Schwerpunkt dieser Monographie das Schlagen, die Flagellation. Was ja nur ein kleiner Teilbereich dominanten Spiels ist.

Wie Sev bereits anführte, Beispiele kann man weit weit zurueckverfolgen. Was mich nicht wundert, alldieweil es um Macht und Unterwerfung geht. Immer und ueberall und eben auch im erotischen Bereich.

Ich persönlich habe mir diese ganze Erotisierung von Schlaegen und Abstrafungen, vom Headmaster bzw Headmistress etc. immer ganz naheliegend damit erklaert, dass diese Art von schmerzhafter Zuechtigung oft einherging mit einer Phase des Heranwachsens, der sexuellen Reifung. Aber das hat sicher viele Facetten und Aspekte. Denn in Preussen war das Schulsystem ja kaum weniger rigide... Na ja. Viktorianische Pruederie und Unterdrueckung jeder Natur wird ebenso eine Rolle gespielt haben. Punctum.

Folgt man dann den Ausführungen light-to's in Bezug auf die Gegenwart, so wuerde ich es etwas anders sehen heute. Also heute heute sowieso, alldieweil sich in den letzten, ja was, 10 ? oder auch mehr Jahren eine enorme Vielfalt an dominant-bizarren Angeboten entwickelt hat. Weltweit, wuerde ich meinen. Japan, oha aber sowas von schon kulturbedingt, Russland, hallo, wer wuerde slavischen Frauen, derart veranlagt, nicht jederzeit eine dominante Ausstrahlung zugestehen. Spanien Portugal bin ich nicht im Thema, Italienische Ladies, die ihre weiblichen Reize dominant einzusetzen verstehen... doch. Und auch Franco-Belge...

Aber, und diese Einschraenkung muss man ganz sicher machen, sich von jemandem toppen zu lassen, dessen Sprache man nur rudimentär versteht, auf beiden Seiten natuerlich, das ist ganz etwas anderes als zB auf Engelisch, mehr oder weniger fliessend, zu spielen. Insofern könnte auch dieser Punkt eine gewisse Rolle spielen.

Hach es gibt wunderbare Topladies in Ungarn. Inzwischen auch in China, Taiwan. Und USA ? Ohne Ende. Aber ganz sicher spielt es eine Rolle, wo man sich bewegt. Die bigotte Doppelmoral und soziale Ächtung dieses Bereichs in vielen Staaten der VereinigtenStaaten... Jo selbstverursacht und wird noch ein paar Generationen dauern wahrscheinlich.

Das können wir in der Stahlstrasse zB ;- ) schon sehr lange viel besser ....

In diesem Sinne, nichts Genaues weiss ich auch nicht, aber mit dem passenden Draht zur passenden Lady geht hier und vielerorts, fast alles ...

LG Moro
Wir spielen alle, wer es weiss, ist klug ( Arthur Schnitzler )

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

Mo, 24.Mai 2021, 10:01
Ich glaube auch, dass sich Erziehungspraktiken wie Schlagen auf den Po auf das Sexualleben übertragen können. Ich denke, dass man Männer, die der Frau beim Erotikspiel gerne auf den Hintern hauen, fast überall finden wird. Und ja, das gab es auch in der Antike.

Doch meine Frage zielte eigentlich auf die weibliche Dominanz. Aus der Historie geht jetzt nicht wirklich hervor wie es dazu kam, dass gerade in England die Domina/Mistress in Mode kam während in anderen Ländern sowas kaum bekannt war. Gut, es gab eben reiche, devote Engländer, die damals nach dominanten Damen suchten. So fanden wohl einige Ladies es reizend, als Domina zu agieren. Doch sowas müsste in anderen Ländern auch geschehen. Das wäre mal interessant, warum es dort und hier relativ viele Domina gibt und woanders eben nicht.

Im Privaten gibt es sicherlich einige dominante slawische Frauen, doch wenn ihr mal in Polen oder Russland googelt, findet man eben nur sehr wenig professionelle Dominas. In Japan ist BDSM auch bekannt, stimmt, nur eben wenig dominante Japanerinnen. Bei den romanischen Ländern zeigt sich ein ähnliches Bild.

https://dominamag.com/ - hier mal eine der wenigen franzöischen Seiten zu Femdom
https://unsatiablemistress.wordpress.com/ - polnische Seite, ein paar Einträge 2018 und 2019 und danach tote Hose

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

Di, 25.Mai 2021, 16:53
@light quote "Ich glaube auch, dass sich Erziehungspraktiken wie Schlagen auf den Po auf das Sexualleben übertragen können. Ich denke, dass man Männer, die der Frau beim Erotikspiel gerne auf den Hintern hauen, fast überall finden wird. "

Ob sich Schläge auf den Allerwertesten auf Dein Sexualleben übertragen können oder nicht, ist die Frage.

Alldieweil, es kommt darauf an. Erstens was man mit Schlägen genau meint hinsichtlich Dauer und Intensitaet und Schmerzen etc und dann, ob man bereits derartig abartig ;- ) veranlagt ist oder aber man etwas ausprobiert. Die Erfahrung, dass der gepflegt devot veranlagte Sub, der sich stundenlang kann ergötzen an bildlichen Darstellungen derartiger Szenarien, mit herrlich aufregend in Lack und Leder gekleideten, zumeist weiblichen Tops, und dann alsbald ein dringendes Beduerfnis verspürt, dies selber erleben zu wollen, dann aber realiter nach 10 ( ja zehn ! ) richtig durchgezogenen Rohrstockhieben, meist nach dem Fünften bereits an seinen physischen Grenzen ist, haben viele hier bereits erfahren. Ich war vor 10 Jahren einer davon. Habe mich aber mit Hilfe meines höchst kompetenten Tops ( Lady Faime ) recht tapfer gesteigert :- )).

Oder aber man ist veranlagt, masotechnisch. Dann faengt man nach 100 Schlagen und blutig aufgeplatzten Wunden erst richtig an, warm zu werden. Kannst Du alles hier im FSK18 Bereich finden. Eine Fundgrube das DomFo ist, bzw sein kann ( Gibt auch andere Portale wie die S Z , die auch privates Spiel beruecksichtigt. Dies ist ein Portal für Paydom, aber das ist ja bekannt.

Männer, die Mädels gerne auf den Po hauen ? Ja. Gerne auch ältere Männer und jüngere Mädels im Schottenrock kariert oder Schuluniform :- ) Dies ist im Amateurbereich, also für Umme ( das ist wohl berlinerisch fuer "für Lau" wie wir im Rheinland sagen ) und weil Daddy auch ohne "Sugar" doch so sympathisch ist. Eher selten zu haben. Tendenziell gar nicht. Überhaupt muss ich eingestehen, dass ich an diese Konstellation gar nicht dachte am Anfang. Eben weil es ein Allgemeinplatz ist, dass auf 200 devote Maenner ca 0,5 dominante Frauen kommen.

Wahrscheinlich hast Du schon Recht, dass kommerzielle Angebote nicht überall gleich vielfaeltig verfuegbar sind.

Aber das Beispiel China und Taiwan zeigt für mich, dass dies nur ein Frage der Zeit ist. Denn man muss schon verstehen, dass Sexdienstleistungen dort illegal sind. Aber in so gut wie keinem Hotel dort kann man die diskret unter der Türe hindurchgeschobene Visitenkarten mit eindeutigen Angeboten übersehen. Also wird auch TopChinaLady sich zurueckhalten mit der Bewerbung ihrer doch so dringend ( Nein, keine Ironie :- ) ) benötigten Dienstleistung. CCP ist BigBrother dort. Also in mainland China.

Japan - Ja, da wiederum kenne ich mich sehr gut aus. Es ist etwas kompliziert und natuerlich haben auch dort sich die Dinge veraendert in den letzten 20 Jahren. Als Frau dort sich dominant zu geben. Eher nicht. Also eigentlich traditionell überhaupt nicht :- ) Geht nicht. Gar nicht. Schon, wenn Du als Japanerin 2 oder mehr Jahre nur im Ausland studiert hast, dann zurueckkehrst nach Japan. Wirst Du an den Reaktionen Deiner Umgebung merken, wie sehr Du Dich genderaustrahlungstechnisch ( meine Wortschöpfung !! ) verändert hast.

Auf der anderen Seite ist die japanische Gesellschaft auch heute noch ( wenngleich wohl im Umbruch, je nachdem wohin man schaut ) derartig rigide, hierarchisch, patriarchalisch, und traditionelle Verhaltensweisen pflegend, aufgebaut und strukturiert, dass Du als derartig veranlagter Mensch, wenig Freiraum hast, solch paraphile Begierden öffentlich auszuleben.

Die Tatsache, das man(n) die meiste Zeit beruflich, aber auch sonst seiner gesellschaftlich zugeordneten Rolle gerecht werden muss, dem Chef seltenst widerspricht und quasi systembedingte Unterwuerfigkeit ( will jetzt nicht Unterdrückung sagen, weil es eben auch Arbeitsthos ist und Gruppendynamik und und und ) verinnerlicht hat. Wo den Druck ausleben ? Ihm Luft verschaffen.

Die Nachfrage nach strenger Erziehung ist definitiv stark präsent. Und wird immer mehr bedient heutezutage, im Zeitalter der digitalen Verfuegbarkeit und des Doppellebens etc. Es gibt zahlreiche Beispiele absoluter Topladies aus Japan, top wirklich in jeder Beziehung. Schmerzverarbeitung auch als Lustschmerz hat in Japan eine sehr lange Tradition. Und ich glaube, ich hänge mich nicht allzusehr aus dem Fenster, wennn ich dies psychounterbewusstseinsbezogen auf Sublimation und Ähnliches zurueckfuehre. Ich dächte zB an Yukio Mishima, an Filme wie Irezumi ( supergeiler Streifen über sehr schmerzhafte traditionelle Tatttoowierungssessions mit resultierender Beziehung ) , an Nagisa Oshima's " Reich der Sinne " an Tokyo Decadence ( herrlich ) uvvam.

OK hör ja schon auf. Manchmal ist es die eigene Erinnerung anregend, über solche Themen zu schreiben.

Was man aber unbedingt noch hinzufuegen muss; Ein Grund warum man sich in Japan, und auch in vielen anderen asiatischen Kulturen bisweilen deshalb so widerstandslos mit quasi Top-Bottom Strukturen ( im weitesten Sinne jetzt ) "abfindet" , ist , dass auf der anderen Seite man in den meisten Fällen davon ausgehen kann, dass man etwas zurueckbekommt, das Top sich kümmert. Und um den Kreis zu schliessen, genauso verhaelt es sich in unseren Breiten mit echten und ehrlichen derartigen asymmetrischen Verhältnissen. Man vertraut, gibt und man bekommt ( was man verdient ;- )

Soweit für heute.

LG Moro
Wir spielen alle, wer es weiss, ist klug ( Arthur Schnitzler )

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

Mi, 26.Mai 2021, 10:43
Mal der Versuch einer Antwort (nicht wirklich belegbar, aber für mich irgendwo ansatzweise schlüssig).

Meine These: BDSM ist Luxus.
Ein Mensch, der 90% seiner Zeit damit beschäftig ist, sein Dasein sicherzustellen, wird kaum Zeit, keine Gelegenheit, nicht die Mittel und auch schlichtweg keine Lust haben, sich mit den Abartigkeiten des BDSM zu beschäftigen.

Vor ein paar Dutzend Jahren war England quasi Weltbeherrschend (jaja, das kleine gallische Dorf und andere 'freie' Landstriche). Also zumindest entwickelte und festigte sich auf der Insel eine Klasse, die einerseits kaum Tagesgeschäft zur Überlebenssicherung zu erledigen hatte, die andererseits finanziell entsprechend ausgestattet war, um komischen Hobbies zu frönen.
Ich denke da an die typisch british upper class Gentlemen Clubs, Golf, Fuchsjagden, Pferdewetten und eben auch die typisch englische Erziehung.

Wie gesagt, kein Beleg, aber klingt nachvollziehbar, dass die englischen Lords sich einfach die Zeit vertreiben wollten. Und wer von uns lässt sich nicht gern mal fallen. Lässt nicht gern mal die tägliche Verantwortung los. Und probiert - im Angesicht der british distinguierten Langeweile - nicht auch mal was Neues, spleeniges aus. Um das dann seinen Kollegen beim nächsten Tee (oder Übersee Rum aus den britischen Kolonien) brühwarm zu erzählen. Frei nach: weiter, höher, schneller.
Engländer waren (und sind) eher 'kompetitiv' und messen sich gern. Sind gern 'besonders'. Das spiegelt sich dann eben auch darin, dass sie sich mal zur Probe den Hintern versohlen ließen und, oh Wunder, Gefallen daran fanden.
Auch deren gesellschaftliche Stellung an der Spitze der Nahrungspyramide war sicher nicht hinderlich: denen ganz oben wurden schon immer Marotten nachgesehen (wer hätte sie den kritisieren sollen?) und sie konnten sich schon immer etwas mehr herausnehmen als die niedere Drohnen-Bevölkerung.

All das passt imho ganz gut als grobe Erklärung ...

Wenn man das weiter spinnt, dann könnte man auch für das piefige Preussen Gründe finden, warum das eben nicht so ablief (sehr stark gesellschaftlich reglementiert) und selbst auf heutige Zustände anwenden:
Die östlichen Länder hatten auf jeden Fall eine BDSM Szene, aber eben ohne offiziell arbeitende Dominas (weil es solche Abartigkeiten nicht geben durfte und es deshalb kommerziell nicht gab).
Abseits des Kommerziellen, war in den ex-sozialistischen Ländern aber die Bevölkerung tatsächlich weniger prüde und sexuell eingeschränkt als im westlichen Mitteleuropa und versuchte sich auch im (homemade) BDSM ...

Um das noch weiter zu spinnen, und auch mit einem Beispiel zu hinterlegen:
ein Forenkollege (Guenter - by the way: lang nichts von ihm hier gelesen, wäre doch ein gutes Thema hier einzusteigen?!) berichtete von Reisen in Regionen, in denen der Lebensstandard nicht mitteleuropäische Massstäbe hat.
Dort ist nach seiner Aussage das Thema 'BDSM' (noch) keines. Warum? Meine Annahme und Stütze meiner Argumentation: weil die Menschen dort schlicht keine Mittel/Zeit für diesen Luxus haben ...

Kein sozialwissentschaftlicher Aufsatz, aber für mich ein paar Punkte, die in sich passen. My2cents.

Ach eines noch: gibts dazu echt noch kein Buch? Mindestens ne Doktorarbeit? Irgendwas?
„Mostly harmless“ *

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

Mi, 26.Mai 2021, 12:59
also das was der Lord hier schreibt klingt sehr schlüssig, denn für diese Marotten wie SM braucht man(n) Zeit und vor allem Geld ----- und wenn Man(n) abends aus dem Bergwerk heimkehrte, dann war er meist körperlich so fertig, dass er sicher wenig Lust auf SM hatte, bzw sich das garnicht vorstellen konnte.
"Ach eines noch: gibts dazu echt noch kein Buch? Mindestens ne Doktorarbeit? Irgendwas?"
Das wäre doch was für Franziska Giffey, Anette Schavan oder Silvana Koch-Mehrin, da könnten die sich eine neue Doktorarbeit zusammenkopieren, eventuell kann man sogar 3 Doktorarbeiten daraus machen
Man kann leichter ein Atom zertrümmern, als ein Vorurteil

http://www.myblog.de/janus4252

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

Fr, 28.Mai 2021, 19:42
Zum Thema Luxus: Da stimme ich absolut überein. Allerdings erklärt sich für mich nicht, warum z. B. nicht im Schloss von Versailles gepeitscht wurde, bis sich die Balken biegen. Dem ausschweifenden Luxus war man ja gerade dort zugeneigt. Abgesehen vom Marquis de Sade, der auch nicht sonderlich wohlhabend war, ist mir aus diesen Adelskreisen nichts bekannt.

Gruß

Meriten
Was du nicht willst, das man dir tu,
das füg auch keinem anderen zu
(es sei denn, dein Partner ist maso)

Re: Warum ist England das Mutterland der Dominakultur?

Sa, 29.Mai 2021, 00:05
Ich habe den Eindruck, dass man die meisten Dominas oder Frauen, die für das Thema weibliche Domination offen sind, eher in Osteuropa und nicht in England findet. Ich kenne mich zwar in der Mixed Wrestling-Szene besser aus als in der Dominaszene, aber ein Großteil der Frauen, die Wrestlingsessions anbieten, sind auch für Sessions, in denen sie physische und verbale Dominanz ausüben, sehr offen. Übrigens kommt vor allem in London ein erheblicher Teil der Frauen, mit denen ich in UK dominante und Mixed Wrestling Sessions hatte, aus Polen, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Russland, Ukraine. England ist für mich allerdings das Mutterland des Spankings und damit des zweiten Fetisches, den ich genieße. The Hunteress oder Miss Hastings Gore, mit denen ich großartige klassische Spankingsessions hatte, sind naürlich Britinnen, wie man sie sich vorstellt.

Ich habe durchaus auch zunehmend dominante Spanierinnen und Italienerinnen kennengelernt. Das hängt aber wohl auch mit der schwierigen wirtschaftlichen Situation vor allem in Italien zusammen. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass eher in Mitteleuropa, insbesondere Frankreich und Deutschland, die Offenheit für weibliche Dominanz eher gering ausgeprägt ist. Das hängt aber wohl auch damit zusammen, dass wir hier die Neigung haben, jede Art von Vergnügen zu verkopfern, zu moralisieren und zu ideologisieren und uns damit das Leben selbst schwer und kompliziert machen. In den Niederlanden oder Belgien ist das dann alles schon wieder deutlich einfacher, da habe ich auch schon die eine oder andere Session gemacht.
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