Atriox hat geschrieben: ↑Fr, 13.Dez 2019, 21:45
Oh, ich habe Deinen Musikgeschmack völlig falsch eingeschätzt und Dich bisher ausschließlich in die Klassik Schublade zu J.S.Bach, Mozart, Beethoven... gesteckt. Aber wie auf jedem Gebiet, bist Du wohl auch bei Musik erstaunlich breit aufgestellt.

Hey Atriox. Wie jetzt Schublade. Ok ich werde oft voll unterschaetzt *lach. Neulich, Verkaufsgespräch mit unter30iger Einkaeuferin...Ich erzaehl von 4Blocks und wie erstaunlich gut gemacht ich das finde... Oh, Herr M, dass haette ich jetzt ueberhaupt nicht von Ihnen erwartet *lach.
Dann outete ich mich gelegentlich als bekennender Nicky Minaj Fan ( Neben Iggy Azalea )... Kommentar aus Asien, wieder unter30: Unglaublich, dass Dich so etwas interessiert etc.
So c o o l :- ))
Jo. Schubladen. Kategorien. Gepflegte Vorurteile :- ) Wer kennte sie nicht. Böse Onkelz ? Echt jetzt ?. Vor 15 Jahren haette ich jeden ausgelacht , der wo mir vom Wert derartiger Musiker was haette erzaehlen wollen. Und dann noch gefuehlt rechtslastig ...
Heute, hallo ? Es kömmt immer drauf an woher man kommt. Heute gibt es jede Menge an Onkelz Titeln, am liebsten natuerlich live, die ich genuesslichst konsumiere !
https://www.youtube.com/watch?v=YsXPg52aYxg Nur glücklich wenn es schmerzt :- )) Oh ja....
Oder
https://www.youtube.com/watch?v=Wcf1qfckvjM
Auf gute Freunde Keine Sylvesterfeier mehr seit Jahren ohne diesen Klassiker :- )
Jo, prinzipiell komme ich aus der Klassikecke. Einfach, weil es wenig Besseres für mich gibt, qualitativ. Von der Substanz her. Das heisst ja nicht, dass man Rockpopjazzraphiphop nicht moegen muss.
Den heutigen Rap, besonders den deutschsprachigen halte ich persönlich für völlig belanglos und bin fast sicher, dass man in 50 oder 100 Jahren nixx mehr davon hoert, so wie man von der Neuen Deutschen Welle ( himmelseidank) nixx mehr hoert. Sehr zu Recht, wie ich meine :- )
Neulich hatte ich Gespraech mit jemandem aus der Szene, produziert auch manchmal Rap, kennt sich aus in Tonstudios etc. Auf meine Argumentation, wie unglaublich revolutionaer die Urauffuerung des Sacre du Printemps von Strawinsky seinerzeit 1913 in Paris ankam. Tumulte, Schmaehungen, fast Schlaegereien, kurz, eine Revolution für die Ohren der Zeit
https://www.youtube.com/watch?v=EkwqPJZe8ms ein Paradigmenwechsel.
Heute, ein moderner Klassiker. Und es gibt so gut wie nichts Moderneres bis heute, im Sinne von Rhytmus und Orchestrierung. Das Metrum aendert sich staendig und damit die Akzente. Lebendigst. Wild. Unerhoert. Stravinsky eben.
Feuervogel !
https://www.youtube.com/watch?v=-WsqK1mCGeY
Gibt unzaehlige andere Beispiele, an denen man die unerhoerte Dynamik, Kraft und emotionale Tiefe von "alten" Kompositionen aufzeigen könnte, Kammermusik, Oper, Alte Musik und und und.
Wenn man sich denn einlassen will. Vorurteilsfrei einlassen. So wie ich mich mich immer wieder einlassen werde auf andere Musikgeschmäcker. Weil es so unglaublich viel zu entdecken gibt, jenseits des eigenen Tellerrandes. Flamenco ? Shakuhachi ? BoogieWoogie ? Jörg Hegemann ! [/url]
https://www.youtube.com/watch?v=prsZcOdgCu8[/url].
Niemand kann dabei ruhig sitzen bleiben :- ))
Aber, so etwas erschliesst sich nicht unbedingt automatisch jedermann. Ob es gefaellt oder nicht ist voll nebensaechlich. Es ueberhaupt einmal an sich heranzulassen und es dann evtl schaetzen zu lernen. Weil, fuer mich gibt es wenig aufregenderes, aufreibenderes, elementareres und ursprünglicheres als diese Art von klassischer Musik.
Also, um den Gedanken zu vollenden, im Sinne von Fortschritt in der Musik der Moderne, ob ich Nils Frahm kennte. Nö. Nie gehoert. Ja dann... abgehakt. Andere Generation eben...
Bei mir hoert die Moderne auf mit Stockhausen, Holst, Part, Ligeti usw. Warum ? Weil diese Musik wertlos ist ? Oh nein, not at all, aber sie ist in meinen Ohren zu intellektuell. Nicht auf Hörgenuss ausgerichtet. Sondern nur bestrebt "neu" zu sein. Kann man machen. So wie man sich ewig mit der Kunst der Fuge oder den Goldberg Variationen intellektuell auseinanderstzen kann. Weil die Musik es hergibt. So tief ist sie gestrickt. Aber wenn ich erst ein Buch lesen muss um evtl ein gewisses Verstaendnis einer Stockhausen Komposition zu erlangen. Hm, ja. Kann man machen. Ist fuer mich als Laien aber eher unergiebig und gar anstrengend.
Sicher zu ihrer Zeit waren Schoenberg, Zemlinski oder von Webern ähnlich revolutionaer. 12ton. WagnerStraussMahler hochromantische Mammutorchesterwerke immer im Hinterkopf. Etwas Neues braucht das Land.
Und dennoch ist es etwas Anderes für mich. Ich hoere so etwas mit Interesse. Es strengt mich nicht an sozusagen.
Niels Frahm ? Modifiziertes Pianoforte mit
Klobuerste ? https://www.youtube.com/watch?v=Aln6DztAsMQ Ja gut, wenn es denn gefaellt. Brauch ich das ? Bringt es mir etwas ? Negativ.
Was mich immer wieder befremdlich beruehrt hat und noch befremdet, ist, wenn Leute nicht nur kein Interesse an Klassik haben, ist doch voll OK, aber sogar sich gestoert fuehlen, wenn selbige ertoent. Im Sinne von. Mach das Geklimpere aus. ( Wohlgemerkt, Glenn Goulds Bachinterpretationen wurden ins Weltall geschickt, als ein Beispiel menschlicher Kulturhoehe. Falls Aliens irgendwann mal Interesse zeigen. *Lach
Mein indischer Chef seinerzeit, die Bollywood Hindi Klassiker, in der Endlosschleife auf Casette im Auto. ENDLOS ! :- )) Am Ende konnte ich sogar auf Hindi mitsingen. Aber eine Bachsonate ? Eine Mozart Symphonie etc ? Mach den Driss aus ! :- ) Unertraeglich .... :- O
Schaut man sich wirkliche Koryphäen wie Leonhardt Bernstein mit seinen Oxford ( oder war es Cambridge ? ) Lesungen zu klassischen Werken, und Bernstein war so weltoffen und versatil in Hinsicht, Jazz, Musical, hastenichtgesehen. Oder Yehudi Menuhin, den genialen Geiger, ach es gibt Beispiele ohne Ende, eines ist allen immer gemeinsam gewesen, nämlich der tiefe Glaube an die Universalitaet von Musik, als einer "Sprache" die jegliche kulturelle Grenze übersteigt. Weil sie quasi universell ist. Und uns als Menschen direkt und zutiefst ansprechen kann.
Dass sie nicht ganz so universell rezipiert werden kann, manchmal jdflls, für mich eine interessante Erfahrung. Asien, Pentatonik. Indien, mikrotonale Intervalle. Aber ja. So lehrreich und wertvoll.
Einem Orgasmotron, Kult hin oder her , kann ich eine solche Tiefe einfach nicht abgewinnen *lach. Auch nicht beim dritten Reinhören.
Jedem Tierchen sein Pläsierchen sowieso :- ) Wertungen sind hier völlig fehl am Platz. Aber wo wir jetzt schon mal so herrlich und voll off topic sind, dieses wollte ich auch noch teilen.
So kann es sich anhoeren wenn ein ungarischer Komponist der klassischen Moderne ( also nach 1960 oder so ) etwas Neues komponiert, was nicht anders erklaert werden kann als einer gewissen Affinitaet zu BDSM Fetisch Sex and Drugs and RocknRoll *lach.
Der Zwischenruf irgendwann auf Skandinavisch bedeutet wohl, What the fuck is happening here ?
https://www.youtube.com/watch?v=sFFpzip-SZk
Und obacht, die Sopranistin leistet hier Aussergewöhnliches, ohne Partitur, ohne Dirigent, ohne doppelten Boden. In extremen Lagen. Wenn zum Latex noch high heels gekommen waeren. Ohha :- )
LG M
or
o
Und das man auch heute noch, Stil und Klasse voraussgesetzt, so etwas ohne Vorlage komponieren kann:
https://www.youtube.com/watch?v=58qVEObgABs
Zu Asche zu Staub... ... Ozean der Zeit, ewiges Gesetz... ich bin bereit, und suche die Unsterblichkeit ... ? Seufz....
Kann ich mir immer und immer wieder anhoeren und anschauen. So genial authentisch zeitgeistig. Und ja, hallo ? Dieser slavische Akzent !?!. Wenn der nicht erotisch rueberkommt, dann bin ich nicht normal :- )
Also das zeigt mir, dass sich Qualitaet und echtes Handwerk immer am Ende durchsetzen wird.
LG M
or
o
Ach ja, im Mai kommt Max Raabe ins Rheinland, Hab ich mir fest vorgenommen. In schwarz-weissen Budapestern und Zweireiher. Aus Prinzip :- ) " Heut steh ich nicht auf... ich wuesst auch nicht warum, ich hab alles was ich brauch :- ))
https://www.youtube.com/watch?v=1tqKeIO ... adio=1#t=0