Ein Szenario:
Die Technik hat sich rasend schnell weiter entwickelt - Sexkammern erlauben es, jeden Menschen zu verkabeln und ihm mental intensivste sexuelle Erlebnisse zu Teil werden zu lassen. Über hypnoseähnlich wirkende Mechanismen, perfekte 3D-Apparaturen und die Verknüpfung mit allen Sinnen wie schmecken, riechen, fühlen kann man nun fast alles erleben ohne Gefährdung der physischen Gesundheit. Psychisch jedoch sorgen diese Apparate für durchaus unterschiedliche Reaktionen.
Prostitutionsgegner aus allen Lagern haben sich durchgesetzt und mit Hinweis auf diese mental perfekte Erlebniswelt reale Prostitution endgültig verboten. Moral Majority hat sich verbündet mit radikalen religiösen Sekten, gutmeinenden Traumtänzern und feministischen Gruppierungen. In der Folge wurde auch Sex im privaten Rahmen zunehmend eingeschränkt und zurückgedrängt. Krankenkassen hofften auf die Ausrottung von Geschlechtskrankheiten - die Liste ließe sich fortsetzen.
Während die Verbote noch sehr breite Zustimmung fanden - die Kammern erlaubten ja jede Form von Ersatz - gingen aber erste Gruppierungen bei den Eingriffen ins private Sexleben wieder in die Opposition.
Danach hat sich alles zersplittert, die einen wettern gegen Sex ohne Zeugungsabsicht während andere von ungezügelten mentalen Orgien träumen oder davon, die biologischen Geschlechterunterschiede mit Hilfe von gentechnischen Eingriffen endgültig zu überwinden.
Nur eine kleine Minderheit weiß überhaupt noch, wie es sich anfühlt die Peitsche zu spüren oder wirklich hilflos gefesselt zu sein - ohne der Kammer den mentalen Befehl zum Ende des Szenarios geben zu können.
Diese Minderheit schließt sich in konspirativen Zirkeln zusammen, muss dabei äußerst vorsichtig sein und ein echtes Doppelleben führen. Eine SM-bedingte Verletzung darf nie aktenkundig werden, denn sonst wird dem Verletzten sein gesellschafts- und krankenversicherungsschädliches Tun eindrucksvoll vor Augen geführt. Sozialschädliche Lebensweisen stehen unter Strafandrohung und dazu gehört neben sexuellen Aktivitäten auch Übergewicht, Magersucht, Extremsport, falsche Ernährung, Alkoholkonsum, Rauchen usw ...
Das organisierte Verbrechen hat sich natürlich dieser Minderheiten bedient. Raumvermieter organisieren leidlich ausgebildete Professionelle, unterwandern gegen horrende Honorare die Prostitutionsverbote, wieder andere Gruppierungen versuchen die Zirkel zu unterwandern und deren Mitglieder zu erpressen - und wie immer haben alle diese Aktivitäten den Einnahmeausfall an anderer Stelle ersetzen können ... zwar gab es Irritationen durch das weltweite totale Bargeldverbot, aber auch dieses hat das Verbrechen nicht lange stoppen können.
Die Sexkammern bleiben also für den Großteil der Bevölkerung der einzige Weg um Sexualität auszuleben. Und die Kammern speichern natürlich alles, jede Fantasie, jedes Szenario - im Zeichen der notwendigen psychischen Überwachung. Um zu verhindern, dass mentale Sexsucht die Macht ergreift, werden die Daten personenbezogen an Krankenkassen etc. geleitet, die Finanzämter überprüfen natürlich die Herkunft der Mittel für jeden mentalen Trip und Arbeitgeber bedienen sich gerne der Sexualprofile um die Eignung von Bewerbern vorab zu überprüfen, schließlich geben diese Auskunft über Kreativität, potentielles Suchtverhalten, Disziplin und andere Eigenschaften.
Es versteht sich von selbst, dass in diesem Szenario der private Besitz von Sexkammern strengstens verboten ist. Kontrollierbar wird das auch weitestgehend durch die Überwachung des Stromverbrauchs. Denn die Steckdose liefert nicht nur Strom - sie liefert ihn nur an Geräte, die sich automatisch beim Versorger einloggen.
Die Inquisition hat sich auf andere Art und Weise wieder eingeschlichen in die moderne Gesellschaft ...
Ein anderes Szenario:
Die Medizin hat erhebliche Fortschritte gemacht - viele Praktiken die man früher als ansteckungsgefährdet und gefährlich erachtet hat, können dank verbesserter Medikamente nun relativ unbedenklich ausgeübt werden.
Die Technik hat sich rasend schnell weiter entwickelt. Qualifizierte und empathische Dominas können ihren Gästen mit Hilfe von 3D-Apparaturen nun noch intensivere Erlebnisse ermöglichen. Trotzdem hat sich herausgestellt, dass kein Apparat die menschliche Empathie und mentale Zuwendung ersetzen kann und dass es für das perfekte mentale Erleben eben doch immer menschliche Gegenüber braucht.
Nach erheblichen gesellschaftlichen Irritationen hat sich letztlich doch mehrheitlich die Einsicht durchgesetzt, dass Prostitution nicht einfach so durch Zufall als das älteste Gewerbe der Welt gilt und dass Verbotenes gerade scharf macht.
Die gute alte Peitsche ist im SM-Bereich nach wie vor unersetzlich und die Vielzahl der Spielzeuge hat noch zugenommen - und dreht sich doch immer wieder um die altbekannten Praktiken. Denn der menschliche Körper hat sich trotz Medizin und Technik nicht wirklich verändert ...
Natürlich passt sich die Psyche der technologischen Entwicklung an. Geschickte und technikversierte Dominas nutzen die Techniksucht ihrer Sklaven und foltern sie mental mit Smartphone-Entzug und Smarthome-Terror per Fernsteuerung. Besonders harte Psychos lassen sogar zu, dass ihre Domina die Kontrolle über ihr selbstfahrendes Fahrzeug übernehmen, so dass die Domina ihren Sklaven jederzeit zu sich steuern kann ...
Und die wahre Entwicklung? Vermutlich irgendwo in der Mitte, aber man kann nie wissen. Ich werd's aufgrund meines Jahrgangs nicht mehr erleben.
Soweit ich hier Anleihen bei meinen Vorgängern gemacht habe (@ Fräulein Eder: Smartphone-Domina, einfach genial
Gruß vom fan



