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Re: Ist der Anteil an der Bevölkerung wirklich so hoch?

Mo, 13.Jan 2014, 17:52
Devotus666 hat geschrieben:Ich habe gelesen, dass in Deutschland 9 - 10% der Bevölkerung mehr oder weniger ausgeprägt SM betreiben. Kann der Anteil wirklich so hoch sein?
Eigentlich bräuchte ich dann gar nicht mehr sooo vorsichtig in meinem Bekanntenkreis mit dieser Neigung zu sein, denn dann bin ich sicher nicht der einzige.

Das kommt auf die Definition SM an - vieleicht bei manchen schon ein größerer Dildo .. :-)

Re: Ist der Anteil an der Bevölkerung wirklich so hoch?

Mi, 15.Jan 2014, 13:54
Zur Ermittlung genauer Zahlen müßte wohl auch abgesteckt werden, was genau unter diesen Begriff zu fassen ist. Es gibt, und das findet sich z.B. bei Recherchen über Wikpedia, viele Abgrenzungsoptionen. Da werden z.B. Zahlen aus Befragungen veröffentlicht, wer mal SM-Phantasien hatte, bzw. hat. Und wo beginnt SM? Zählt ein einfacher Klapps auf den Po, eingebaut in das "normale" Liebesspiel, bereits in den Bereich des SM. Die Grenze ist sicherlich schwierig zu stecken. Dazu kommt, dass das Spiel von Macht und Unterwerfung häufig sehr subtil stattfindet, und sich noch nicht mal unbedingt physisch wiederspiegeln muss. Unterdrückung findet doch irgendwie täglich statt, und häufig unterwerfen sich Personen, eben auch im Alltag, freiwillig diesem "Spiel". Sind wir doch letztlich (Ausnahmen und Zwangsumstände seien mal unberücksichtigt) alle Frei und entscheiden selber mit wem wir uns umgeben.

Re: Ist der Anteil an der Bevölkerung wirklich so hoch?

Do, 16.Jan 2014, 00:37
Wie viele sind wir denn nun? Leider wird niemand darauf eine schlüssige Antwort geben können. Es kommt auf die Frage an, die bei der Erhebung gestellt wird, es kommt darauf an, wer befragt wird, und es kommt – wie schon gesagt wurde – auf die Definitionen an: Was ist SM? Was ist noch SM? Was ist nicht mehr SM? Wie häufig werden die Praktiken tatsächlich ausgeübt? Einmal? Mehrfach? Regelmäßig?

Unter http://www.datenschlag.org/txt/statistik.html gibt es eine Zusammenstellung von verschiedenen Statistiken, allerdings seit Jahren leider nicht mehr aktualisiert.
Erwähnt wird dort eine Fragebogenaktion des Hamburger Sexologischen Instituts an Menschen im Alter von 16 bis 45 Jahren von 1991/92. Das war kurz nach der Wiedervereinigung. Die Unterschiede zwischen West und Ost traten damals deutlich zutage. Im Osten gab es weniger Akzeptanz für SM. Ob das heute noch so ist, geht aus dem Zahlenmaterial nicht hervor. Danach hatten 1 % aller Befragten „harten S/M“ bereits einmal erlebt, 11 % der Frauen und 4 % der Männer schon einmal „weichen S/M“ praktiziert. Was ist jetzt „harter S/M“, was „weicher S/M“? Interessiert daran, „weichen S/M“ auszuprobieren, waren 6 % der Frauen und 11 % der Männer. „Harter S/M" interessierte nur 1 % der Frauen und 5 % der Männer. Davon unterschieden wurde, ob die Befragten von SM geträumt hätten. Es waren 5 % der Frauen und 7 % der Männer bei der harten Variante, 11 % der Frauen und 16 % der Männer bei der soften Spielart. Flagellantistische Praktiken hatten 2 % der Frauen und 1 % der Männer erlebt, 2 % der Frauen und 4 % der Männer konnten sich vorstellen, solche Praktiken auszuprobieren. Bei erlebten fetischistischen Praktiken – was immer damit gemeint war – lagen die Zahlen bei 5 % der Frauen und 1 % der Männer. Wenn es nur um das mögliche Ausprobieren ging, dann waren 1 % der Frauen und 4 % der Männer.
Immerhin: Es geht nicht um den Promillebereich. Es gibt etwa 80 Mill. Einwohner in Deutschland, d.h. jeder Prozentpunkt repräsentiert 800.000. Zieht man die minderjährige Bevölkerung ab, dann ist die Zahl natürlich geringer. Aber verhältnismäßig groß bleibt die Gruppe dennoch. Wir sind eine Minderheit, aber groß genug, um sichtbar zu sein. Wie sichtbar wir sind, hängt in erheblichem Maße von uns selbst ab.
Alfi
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