Auf der Fahrt zur Party lies Lady Indra mich an einer Tankstelle anhalten um Zigaretten und ein Feuerzeug zu besorgen. Mit dieser Ausstattung für mich das erste Mal und auf mein klägliches „oh nein“ reagierte sie wieder nur mit einer Geste. Vielmehr mit einem Blick und allein die leicht hochgezogene Augenbraue sorgte dafür, dass ich binnen kürzester Zeit im Laden stand und das Gewünschte besorgte. Den Blick des Verkäufers habe ich geflissentlich übersehen.
Als wir schließlich eintrafen, sorgte schon das Erscheinen von Lady Indra für einen bemerkenswerten Aufruhr. Noch während sie von den Gastgebern begrüßt wurde und sich mit ihnen unterhielt, pflanzte sich der Ruf „Lady Indra ist da“ immer weiter fort. Aus dem Keller und dem ersten Stock erschienen Sklaven auf der Wendeltreppe, aus der Küche und anderen Nebenräumen kamen ebenfalls Sklaven gelaufen oder steckten ihre Gesichter durch die Tür um einen Blick auf meine Herrin zu werfen. Ich habe dabei zum erstenmal erfahren, welcher Ruf ihr offenbar vorauseilt. Sowohl befreundete Dominas als auch Sklaven auf der Party berichteten mir in einer ruhigen Minute, wie sehr ihre Handschrift gefürchtet und auch begehrt ist.
Genug davon, Bericht. Lady Indra nahm nach kurzer Zeit im Kellerstudio Platz, ließ sich ein Glas Sekt reichen und schaute den Paaren zu, die dort bereits miteinander zugange waren. Auch hier immer wieder kleine Gesten. Jeder Sklave, auch wenn er noch so offensichtlich mit Lady Indra gut bekannt war, hatte vor ihr niederzuknien und sie standesgemäß per Stiefelkuß zu begrüßen. Erst dann ließ sie ein Gespräch zu. Ich selbst hatte umgekehrt jede Domina mit der meine Herrin ins Gespräch kam zuerst auf knien zu begrüßen, bevor ich mich zu Füßen meiner Herrin niederlassen durfte um ihr mit Handreichungen zu dienen.
Sehr schnell fiel meiner Herrin ein Sklave auf, der sich abseits aufhielt, sie aber immer wieder bewundernd anschaute und kaum die Augen von ihr lassen konnte. Mit zwei kurzen Blicken forderte Lady Indra ihn auf, näher zu treten. Der Mann, geschätzt Ende Fünfzig kniete vor ihr nieder und sagte, wie viel er von ihr durch andere gehört hatte und wie gerne er ihre Gerte einmal spüren würde. Diese Aufforderung brauchte Lady Indra nicht zweimal. Schnell war ein Bock hergerichtet, der Sklave entblöste sein Gesäß und wurde mit Paddel und Kochlöffel vorgewärmt, bis er soweit war, die Hiebe wirklich weg zu stecken. Ich gebe zu, ich bin kein Flagellant und was ich dann sah, allein von der Härte der Schläge und der Anzahl war ich doch überrascht, wie vergleichsweise locker der Sklave die Hiebe wegsteckte. Meine Herrin fühlte sich dadurch nur noch mehr gereizt. Mit einem sanften Lächeln ließ sie sich von mir immer neue Schlagwerkzeuge reichen um die Schmerzen zu steigern. Auch oder selbst ihr merkte man dabei den Respekt vor der Haltung des Sklaven an. Er bat um immer weitere Hiebe. Erst der Einsatz einer kleinen Metallantenne zeigte schließlich an, wer hier Herrin und wer demütiger Sklave war. Mit der bis dahin eher stoischen Haltung war es bei dem Sklaven dann jedenfalls vorbei. Es ist mein Eindruck, aber ich fand, er war anschließend tatsächlich und aus tiefstem Herzen dankbar für die Behandlung. Nachdem er Lady Indra erklärte, es sei ihm eine Ehre nun auch einmal von ihr gezeichnet worden zu sein, desinfizierte er unter ihrer Aufsicht den Bock und alle verwendeten Instrumente. Die Reinigung war ein Ritual das ich an diesem Abend jedes Mal sehen durfte.
Auch andere Sklaven bewarben sich um eine Behandlung. Ich will nicht alle aufzählen. Geschätzt acht oder neun bekamen an diesem Abend worum sie gebeten hatten. Nur einige Dinge die mir dabei auffielen: Die Sorgfalt, mit der nicht nur die Instrumente, sondern auch die teils stark geschundenen Körperstellen desinfiziert und versorgt wurden. Ein Sklave bettelte regelrecht um Schläge, als er auf dem Bock lag, war es mit seinem Engagement allerdings schnell vorbei. Lady Indra zwang ihn trotzdem, die volle Ration der Hiebe die er sich gewünscht hatte zu ertragen. Sie brachte ihr Gesicht ganz nah an seines und erklärte mit ruhiger Stimme ein NEIN gebe es bei ihr nicht. Er hatte also die Möglichkeit abzubrechen oder sich zu überwinden. Gestammelt wurde der Grund seiner Befürchtungen klar: Der Sklave hatte Angst vor bleibenden Schäden oder offenen Wunden und Blut. Beides blieb ihm erspart. Gelitten hat er trotzdem.
Eine Sklavin, die sich von verschiedenen Meistern und auch Dominas reihum schlagen ließ, reagierte geradzu mit Sturheit und mit dem Willen alles zu ertragen auf noch so harte Schläge. Und das war der wohl beeindruckendste Augenblick an diesem Abend: Lady Indra übernahm die Gerte und führte nur wenige Schläge aus. Zwischendurch trat sie an die Sklavin heran, legte ihr die Hand auf den schon wunden Hintern, strich leicht darüber, schlug wieder zu, noch einmal, dann noch einmal, ohne das Gesicht der Frau aus den Augen zu lassen. Lady Indra trat noch einmal an die Sklavin heran, strich ihr kurz über das Gesicht, wie um sie zu trösten mit einem nahezu zärtlichen Blick den ich sicher nicht so schnell vergessen werde. Es war fast totenstill. Dann folgten zwei heftige Schläge und mit einem schnellen Schritt war meine Herrin bei der Sklavin die sich ihr anvertraut hatte und die in diesem Augenblick unter Tränen in sich zusammen sackte und außerstande war, ihre widerspenstige Haltung mit der sie zuvor alles ertragen hatte, aufrechtzuerhalten.
Minutenlang hielt Lady Indra die Sklavin dann im Arm bis diese sich beruhigt hatte. Um Missverständnissen vorzubeugen: besagte Sklavin entschuldigte sich immer wieder dafür, dass sie nicht durchgehalten hatte und erntete darauf nur ein „darum geht es hier nicht“. Und sie hat sich sicher mehr als zehnmal dafür bedankt, dass sie endlich weinen konnte.
Alles was sonst noch geschah an diesem Abend und was ich selbst erlebte, geht allerdings nur Lady Indra und mich etwas an. Und ich würde es nur auf ihren ausdrücklichen Befehl hin erzählen.
Tantalus



