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Femdom-Film im Kino

Mi, 22.Feb 2006, 19:28
Low-Budget-Film über eine Frau, die Bekanntschaft mit einer Domina macht. Im Studio sind nacheinander mehrere Sklaven zu Diensten...

Niveauvoller Film im Video-Look, es wird viel diskutiert über Gefühle und Gesellschaft. Es geht um das Finden der eigenen sexuellen Identität.

Info
http://www.kino-zeit.de/filme/artikel/4 ... -life.html

Hier ist aufgelistet, wo "24/7 The Passion of Life" läuft
http://www.24-7derfilm.de/spielorte.html

Wer hat den Film schon gesehen und kann einen Kommentar geben?

Mo, 06.Mär 2006, 15:47
Event hat geschrieben:...dazu ist das Werbeforum doch da!
Nein, exakt dazu ist das Werbeforum nicht da.

Das Werbeforum ist dazu da, um gezielt Informationen zu Studios, die eine besondere Aktion planen, die Plattform zu geben, dies kund zu tun.
Für Dinge, die real mit SM zu tun haben. Film ist nicht real.

Das Werbeforum ist keine Plattform für sonstige kommerzielle Aktionen, die auch noch bundesweit laufen. Dies ist eindeutig ein Offtopicthema. Das was Du gemacht hast, in jedem regionalen Werbeforum das gleiche zu posten ist unerwünschte Spam. Aber scheinbar hat ja eine freundliche PM nichts genützt, es werden jetzt ja wieder einzelne regionale Spielorte benannt, damit es regionsspezifischer aussieht. Das kannst Du gern im Offtopic explizit bennenen (1 Posting, in dem alle Spielorte mit Datum stehen).

Dem entsprechend habe ich alles regionale gelöscht. Wir erwarten dass Du Dich ab sofort an die Regeln hältst. Diese findest Du unter "Board Dominaforum" oben festgetackert.

Titat aus den Boardregeln:
Dominas und Studios können für Werbezwecke speziell eingerichtete Werbeforen in den einzelnen Regionen nutzen. Um die Übersicht zu behalten, sollten in den Werbeforen keine Diskussionen geführt werden.
Grüße

Latexus
Bild

Di, 07.Mär 2006, 01:09
Nur um doch mal ein paar Sätze zu dem Film zu verlieren, als jemand der ihn gesehen hat (und einige km dafür zurücklegen durfte):
Ich finde, dass er nicht gelungen ist. Na ja, eigentlich finde ich ihn ziemlich schlecht. So sehr mich auch der Mensch hinter der Domina interessiert (vielleicht auch gerade), ich finde der Film stellt es überzogen dar und es gelingt ihm zu keiner Sekunde wirklich die Atmossphäre zu schaffen, die ich kenne und schätze und als Gefühl für unsere Art des Spaßhabens empfinde.

Das als kurzkritik.
Grüße
Zero

P.S. Übrigens, kann es sein, dass bei euch die Uhren anders laufen, so um eine Stunde?
dum spiro, spero....

24/7 Passion of Life

Di, 07.Mär 2006, 08:50
Hallo Ihrs,

auch ich habe den Film gesehen und fand ihn schlecht.

Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich ihn so schlecht fand, daß ich ca eine Viertelstunde vor Schluß gegangen bin, weil ich sonst vor Langeweile eingeschlafen wäre. :)

Der Film hat die Realität im Dominastudio überhaupt nicht widergespiegelt.

Über die Realität in Swinger-Clubs kann ich nichts sagen, die kenne ich nicht. :-)

Der Film ist m.E. eine Abrechnung mit der katholischen Kirche.

Zumindest hier im hohen Norden habe ich noch keinen einzigen Gast erlebt, der seine Religiosität in ein Rollenspiel verpackt haben wollte.

Und daß Dominas auf ihrem Thron sitzen, nur religiöses Zeug sabbeln und sich anhimmeln lassen, entspricht auch nicht gerade der Realität. :-)

Aus meiner Sicht jedenfalls: nicht empfehlenswert.

Liebe Grüsse
Tanja

Re: 24/7 Passion of Life

Di, 07.Mär 2006, 12:24
Mister Latex hat geschrieben: Aber nach rund 27 Jahren Erfahrung mit der deutschen "SM-Szene" kann ich mir gut vorstellen, daß bei so einer Gelegenheit erstmal zwei Dutzend SMer, die meinen, sie seien als einzige wirklich kompetent, etwas zum Thema SM zu äußern, in epischer Breite erklärt haben, daß SM ja nun aber völlig anders... und überhaupt... und so dürfe man das ja aber nun wirklich nicht..
Auf die Gefahr hin, dass du mich da gar nicht mit einschließen wolltest:

Ich gestehe jedem zu, dass er den Film mag. Ich persönlich finde ihn schlecht (Interessanterweise teile ich fast zum ersten Mal die Kritik meiner Fernsehzeitung). Da ich, wie eine Vor- bzw. Nachrednerin auch ein bekennendes Nordlicht bin, schließe ich mich an die Ausführungen über die Religion an.
dum spiro, spero....

Di, 07.Mär 2006, 20:58
Habe den Eindruck, dass der Film viele enttäuscht, sogar richtig verärgert, manche (eine Minderheit) finden ihn gut.

Die (Kombination SM +) Religion, besonders wie Christentum bearbeitet wird, stört,
ist für die meisten auch gar kein Thema, das sie selbst beschäftigt

Hinzu kommt ein unnatürliches Sprechen, auf das sich viele nicht einlassen mögen.
Alles auszusprechen, ist eine einfache Art der Informationsübermittlung, aber eine wenig Filmische und eine wenig Originelle hinzu.

Was man zu Unrecht erwartet: Dass die eigene Neigung oder Erlebniswelt direkt im Film enthalten ist. Sowas kann nur symbolisch im Film drin sein. Das Verhältnis von sklave zu Domina ist meiner Meinung nach mit einer gewissen Komplexität skizziert. Das ist eine Leistung des Films. Ich glaube auch, dass es dem Film gut getan hat, dass ein Mann UND eine Frau gemeinsam als Autoren zusammengearbeitet haben. Das war übrigens bei "Die flambierte Frau" auch der Fall (Catharina Zwerenz + Robert van Ackeren).

Welche Filme behandeln die Thematik BDSM eurer Meinung nach denn besser?

Mi, 15.Mär 2006, 16:28
Liebe Leute,

ich habe den Film auch gesehen und fand ihn unsagbar schlecht, sogar richtig ärgerlich. Ich war zusammen mit einer Freundin im Kino, wir sind auch eher gegangen (Hallo Tanja!) wie ein anderes SM-Paar übrigens auch, und die Freundin war so erbost, daß sie den Machern sogar eine Mail mit ausgiebiger Kritik geschickt hat.
Wenn Ihr Interesse habt, poste ich die Mail hier mal, ist sehr amüsant und bissig zu lesen.
Wie gesagt, wir fanden uns mit unserer Neigung, die wir eher als Bereicherung denn als Quell vieler Probleme empfinden, nicht wieder in dem Film, von allen handwerklichen Schwächen und Banalitäten der Handlung und der Texte (weia!) mal ganz zu schweigen.

Beste Grüße

gummiknecht

Do, 16.Mär 2006, 00:16
Ja, poste die Mail hier mal.

Der Film ist gut gemeint, schade, dass er bei vielen so krass gar nicht ankommt. Liegt wohl weniger an falschen Erwartungen als an der Eigenwilligkeit des Films selber.

Wenn Vanillas den Film verkorkst finden, könnte man sagen, die interessiert das Thema nicht, die haben keine Ahnung, kein Feeling für die Sache.

Aber in der SM-Community gibt es einige Enttäuschung und Verärgerung. Das ist die Mehrzahl, es gibt nur wenige andere Stimmen.
Woran liegt's?
Am Film, der doch mehr von Vanillas gemacht wurde für andere Vanillas, die mal toleranter gegenüber Minderheiten werden sollten?
SMler brauchen keinen Film, sie leben es selbst?
SMler haben keine Hemmungen (was ja nicht stimmt).
SMler haben nur ihren eigenen Kink und darüber hinaus schaut keiner über den eigenen Tellerrand.

Wenn es konkrete Szenen im Film gibt, werden die manchmal überinterpretiert als allgemeingültiges Abbild des SMlers schlechthin (was es gar nicht sein will).
Andere Szenen, die als konkret wahrgenommen werden (und abgelehnt werden, weil das eigene Feeling nicht getroffen wird - und warum sollte man sich die Anstrengung abverlangen, sich mit jemand anderem zu befassen?) sind oft symbolisch gemeint.

Werden SMler als einsam und problembeladen dargestellt? Teils ja - und warum denn auch nicht? Das sind psychologische Phänomene, die universell sind, die alle oder jedenfalls viele Menschen betreffen, das ist menschlich. Und die Menschlichkeit, die im Film drin ist, ist ein Pluspunkt.

Mail an die Macher

Do, 16.Mär 2006, 00:42
Okay, hier die angedrohte Mail: :-)))

Liebe Leute!

Es geschah mir jüngst zum ersten Mal in meinem Leben, dass ich einen Kinofilm
verlassen habe. Das tu ich nur ganz selten, schließlich hab ich ja bezahlt, und
ausserdem will ich wissen, wie es ausgeht. Bei diesem Film allerdings war ich an
dem Ausgang nicht mehr interessiert. Gegen Ende waren wir - zwei bekennende und
praktizierende SMer - so abgenervt, dass wir raus mussten. Schade - so fanden wir
- um die verplemperte Zeit, und das Geld hätte man lieber in einen neuen
Rohrstock investiert...

Sagt mal: schaut eigentlich nie mal jemand auf das Produkt, bevor es auf das
(durchaus interessierte) Publikum losgelassen wird?! Gibt es keinen
professionellen Dramaturgen bei euch, der sich das Ganze mal anschaut, oder einen
Preview überhaupt? Und vor allem, gibt es keine SMer, die das Rohprodukt mal
angeschaut und einen Kommentar dazu abgegeben hätten?! Oder haben die sich nur
nicht getraut, was zu sagen, weil, is ja Kunst und so?

Es gibt ja einige schlechte Film zum Thema SM, aber dieser war mit Abstand der
schlechteste. Und wenn ich versuche zu ergründen, was denn am allerschlechtesten
war, Drehbuch, Schauspieler, Regie, Schnitt - dann merke ich immer mehr, dass es
sich bei dem Ganzen um ein Gesamtkunstwerk handelt, denn die verschiedenen
Abteilungen des Stabes haben einander wahrlich verdient.

Allein schon der Beginn: Motorradpanne, oh wow, welch ein origineller Beginn, das
Schicksal klopft an die Tür, und natürlich hat die Domina im Gepäck immer gleich
ihr Arbeitswerkzeug dabei (nicht aber Klamotten!), es könnte ja zu Hause geklaut
werden, da hat sie es lieber gleich am Mann.
Dann, Blond-Mädel (oh, oh, Eva, wie gewitzt und anspielungsreich gewählt der
Name!) lässt sich nicht lumpen und kommt hastdunichtgesehn zu einer wildfremden
Frau um 22 Uhr allein nachts in ein ihr vollkommen unbekanntes Gebiet hinein -
ist das wahrscheinlich? Und dort sind dann auch gleich ein paar Sklaven zugange -
vollkommen natürlich, dass das Blond-Mädel da in Straßenkluft reindackelt und das
ist alles kein Problem. Zackzack, hat sie auch gleich einen Bello an der Strippe.
Zu dem Zeitpunkt ist man ja noch geneigt, dem Ganzen eine Chance zu geben
(Telefongespräch mit einem Neukunden: "So, ein Tabuloser bist du?"(...)"...kommt
eh nicht...", das kam gut daher, das kannte man!). Auch freut man sich schon noch
über den Satz "Weil sie so ein Friedlichkeit in den Augen haben! Ich möchte
wissen, wo dieser Frieden herkommt!" (oder so ähnlich), da dachte man, jau, das
ist ehrenwert, das find mal raus, wo der herkommt, der Frieden, denn den Frieden,
ja, den haben wir in den Augen, wir SMer (wenn's gut läuft). Fein, dass Eva genug
Kohle hat, um ihre Neugier so richtig auszuleben, ohne an so was Profanes wie
Arbeiten denken zu müssen - also, dann man los.
Aber es mutet schon nicht mehr so professionell an, als Domina (die heißt, oh
raffinierte Anspielung, beziehungsreicherweise Maria, privat Magdalena) den
Kunden privat zu einem ungünstigen Zeitpunkt anzurufen, um ihm was aufzutragen,
was er nicht wirklich vereinbart hat. Allenfalls geht das noch als Bestandteil
eines Vertrages durch, nur müsste das dann vorher schon mal verbalisiert worden
sein. Nächste Unlogik, dass der Gummityp dann trotz Befehl so schlampert seine
Aufpasserpflicht im Swingerclub ausübt und gar wegfährt - kein guter Sklave und
sehr gewissenloser Mensch, und diese Wendung ist noch nicht mal als
dramaturgische Meisterleistung (damit Eva, ganz der verruchte alte Hase, allein
zurückbleiben und abenteuern kann) zu rechtfertigen.
Jedenfalls ist es absolut unprofessionell, einem Kunden im Gyn-Stuhl im Hintern
rumzustochern und die Aktion zu unterbrechen, um ans Telefon zu gehen! Dieser
Kunde wäre zum letzten Mal dagewesen (ganz zu schweigen überhaupt auch von dem
abartig dümmlichen Klingelton!).
Und die nächste abstoßend trübsinnige Szene in der Swingerbar... So unerotisch
und angekrampft hat man sich das ja eigentlich schon immer vorgestellt, und die
Leute, und die Gespräche - au weia. Noch schiebt man das ja auf das Ironie-Konto,
ahnt aber schon Schlimmes.
Denn - das wäre ja alles noch zu verschmerzen. Schließlich soll das ja laut
Vorankündigung ein Film sein, der sich auf poetischem Wege mit dem Ganzen
befasst... Poesie aber entsteht nur mit Handwerk (war da nicht von
Theatererfahrung die Rede?!). Poesie ist auch keine Ausrede für nicht vorhandene
Stringenz, nicht vorhandene Logik und für einen zu dünnen Handlungsfaden!

Und dann zieht es sich zäh wie Kaugummi dahin. Unlogisch und beliebig dümpelt die
"Handlung" dahin, mühselig zieht der Esel den Karren. Warum diese Ödnis in den
Dialogen? Ein dusseliges Drehbuch in Kombination mit einer - freundlich
ausgedrückt - mäßigen schauspielerischen Leistung und lähmend ungekonnter
Dialog"gestaltung" sowie einem Mimikverbot für die Schauspieler, das irgendwer
vor den Dreharbeiten ausgesprochen haben musste, wirkte tödlich! Aber es könnte
auch der schwerwiegendste Grund der sein, dass die Schauspieler das mit der
Schauspielerei nicht so richtig drauf haben und der Regisseur durch mentale
Abwesenheit (oder Unkenntnis) glänzte.
Unglaublich öde geradezu die Szene am Küchentisch, als die beiden Frauen und der
Typ aus dem Swingerclub zusammen sitzen und sich anschweigen. Tja, die sind ja
ganz schön locker drauf, was?! Können die eigentlich gar nicht mal lachen, diese
Leute? Oder lächeln, oder was dergleichen Kunststückchen mehr sind?
"Augenkontakt!" möchte man ihnen zurufen, den herumirrenden Darstellern, und
"Dynamik!", "Tempo!", "hallo, Reaktion!"... Aber nein. Die öden sich, bis wieder
"Philosophie" auf die Wehrlosen eindrischt.
Bedeutungsschwanger raunt Lady Maria, bunt angemalt oder auch nicht, zumindest
mit "dekadent" verlaufenem Lippenstift (spendiert eurem Maskenbildner noch mal
eine neue Brille!) platte und banale Weisheiten an irgendwelche Menschen heran,
woraufhin diese Menschen dann immer ganz beeindruckt ihr Leben ändern oder in
frenetisches Beifallsgeschrei ausbrechen (erinnert an die lautstarke Bewunderung
von Eltern für jede Nuance von Babys Stuhlgang). Warum diese
pseudophilosophischen Texte, die sich, entsetzlich schlecht gesprochen,
bleischwer und vollkommen humor-und erkenntnisfrei, durch endlose Stunden über
den gequälten Zuschauer hinwalzen? In schöner Stringenz dazu ist auch der
Unterhaltungswert gleich Null. Man schaut nach 3 Stunden auf die Uhr und erkennt
entsetzt, dass erst eine halbe Stunde vergangen ist. Der Unterschied zwischen
tatsächlicher und gefühlter Zeit.

Und was will denn am Ende Maria-Magdalena selbst? Sie schreibt an einer Arbeit,
und sie ist Domina, und zu Anfang fährt sie Motorrad (wo bleibt das eigentlich?).
Aber wir erfahren in zermürbend langweiligen Passagen, dass sie einsam ist. Je
nun. In ewigen Sequenzen wälzt sie in ihrem Bett herum (Cut!), oder dengelt wie
ein eingesperrter Elefant im Zoo zwischen Wand und Wand hin und her (auch ohne
Kundschaft immer fein säuberlich aufgeschnatzelt mit dem wahrlich nicht so
wirklich bequemes Fetischzeugs) (Cut!), oder liegt zwischen stummen Puppen
(beziehungsreich!) rum und nix passiert (Cut!). Ja, dann soll sie doch mal ihre
Arbeit zu Ende tippen und sich ins Leben stürzen! Aber was will sie denn? Leider
ist sie nur eine Abziehfolie für die Phantasien ihrer zahlenden Kunden! Die
Herrin in Wirklichkeit eine Sklavin!
Da hilft nur Elfriede aus der Not, die/der MM (Maria Magdalena) Medizin nach Haus
bringt und ohne Vorwarnung ihre/seine Lebensgeschichte erzählt. Was nebenbei
bemerkt als Einzelepisode gut kommt, aber leider gar nichts mit dem Film selber
zu tun hat und auch weiter keine große Konsequenz zeitigt. Tja, Elfriede hatte
ein (unbestreitbar) schweres Los, also ist er/sie dann SMer geworden? Das ist
dann so, wenn man ein schweres Los hat, dann muss man Schuld absühnen und
Erlösung durch Erniedrigung suchen? Oder wie ist das zu verstehen? Aber sonst
stellt Elfriede unbestreitbar einen Aufheiterungsfaktor dar.
Übrigens, ein kleiner Lichtblick ist auch der Typ mit dem Ohrring, der die ganzen
kleinen Rollen spielt - der hat nämlich diese Friedlichkeit im Blick, von der nur
anfangs, dann später aber nicht mehr die Rede ist.

Also eigentlich haben sie alle ein Problem, diagnostiziert die Bescheidwisser-MM,
nur die Eva, die hat kein Problem, das sehen wir, die zieht ihr Ding durch - nur
wird ihr immer ein Problem unterstellt. Ob sie denn, zu ihren Lüsten stehend,
ihrem Vater erzählt hat, dass sie im Swingerclub war, lautet die Frage. Oh, wie
verklemmt, dass sie es nicht getan hat, was? Habt ihr euren Eltern erzählt, mit
wem ihr letzte Woche gepimpert habt? Oder dass ihr neuerdings so gern zum Turnen
gegangen seid, weil das Seilklettern so ein süßes Gefühl zwischen den Beinen
auslöste? Ausgerechnet Eltern müssen nicht alles wissen, auch wenn man dazu
steht, das wiederum wusste schon Mozart, und das hat nix mit falscher "Scham und
Angst vor sich selbst zu tun". Meine Güte!

Eva aber sucht schon lange nicht mehr nach dem Frieden in den Augen der anderen
(das wäre ja auch allzu langweilig-linear!), sondern dümpelt so von Moralpredigt
seitens MM inclusive Outing-Zwang zu Moralpredigt seitens ihrer
Antwortsklavin-Freundin (die mit dem eingebauten Kopfschüttel-Automatismus, der
Empört-Modustaste und dem nie gezeigten, aber offenbar in irgendeinem
Paralleluniversum existenten tote-Fisch-Bräutigam) zu irgendeinem banalen
Sex-Ereignis (Weichzeichner und feuchte Geräusche) und es ist eigentlich auch
egal. Beliebig häufeln sich die Szenen, endlos zäh und langweilig dieser
Religionsquatsch - nein, Leute, diesen Zahn muss ich euch auch noch ziehen: es
ist nicht blasphemisch, kaum Kirchenleute werden sich auf die Hinterhufe stellen.
Leider ist es auch nicht spirituell und auch nicht psychisch-mystisch und
keineswegs auch archetypisch (ausser vielleicht für diejenigen unter uns, die von
einer ecclesiogenen Neurose gebeutelt sind). Es ist schlicht nur zu lang,
entsetzlich zu lang (Cut!!) und unglaublich gestelzt, und es dient auch keiner
neuen Erkenntnis, das ist das Schlimmste dabei.

Herrjeh, und warum denn diese schöne Musik noch dazu? Musstet ihr u.a. Mozarts
Requiem vergewaltigen?? Dem, der die Musik ausgewählt hat, gebührt wahrlich die
Bastonnade (und die tut wirklich weh!)

Aber - Achtung, hier kommt ja Kunst, und was ich hier betreibe, ist der Ruf nach
Zensur... nicht? Nein, nach Qualität.
Dieser Film war besonders schlecht, weil er SM mit einem riesengroßen Anspruch
versah, und das funktioniert nun mal nicht. Andere schlechte SM -Filme tarnen
sich auch mit Anspruch und kommen dann als Porno daher - ok, denkt man dann,
wenigstens ein Porno. Aber dies war noch nicht mal ein Porno, sondern es sollte
was vermitteln. Und das ist ja an und und für sich ehrenwert, aber doch bitte
nicht auf Kosten der Handlung, der Dialoge und überhaupt des ganzen Handwerks.
Das schadet eher, als es nützt. Schlechte Kunst schadet der Sache, wussten sicher
auch schon die alten Griechen, und gut gemeint ist das Gegenteil von gut.

Immer wieder die Botschaft: SM macht trübe, freier Sex schafft eine öde
Atmosphäre, und alle SMer haben eigentlich echt eine Macke und zwar die mit der
Schuld und der Sühne - daher sind sie gezwungen, das zu tun, was sie tun -
eigentlich lechzen sie nach Erlösung - und letztlich ist die Mistress die
Psychotherapeutin. Das mag ja gewiss ab und zu hinhauen, aber eben nicht immer.
Wir begegnen jedenfalls nicht den lustvollen SMern, die ihren Kram ohne schwere
Kopfprobleme ausleben und auch dazu stehen, sondern lauter gestörten Laberköppen.
Klar - SM hat eine sehr spirituelle Dimension, das will niemand ernsthaft
leugnen. Aber es gibt auch entgegen EURER Annahme SMer, die sowohl trotzdem
lachen können, als auch SM halbwegs intelligent reflektieren, ohne dabei gleich
religiös-spirituell auszuufern. Ergo - der Schuss geht nach hinten los! Denn die
Verklemmten sind bei ehrlicher Betrachtung doch diejenigen, die SM und SMern ein
Problem unterstellen, das sie gar nicht haben...

Aber am Ende kommt das entscheidende Problem ja nicht beim Dreh, sondern später.
Das entscheidende Problem heißt: Mut zum Schnitt. Man darf ja jede Menge Scheiß
drehen, wenn's Spaß macht und wenn's der Erkenntnisfindung dient, vorausgesetzt,
dass man es hinterher wieder rausschneidet und in die Tonne haut. Eben hier
lauert die finale tragische Falle. Denn in offenbarem Realitäts-und
Selbstwahrnehmungsverlust lässt Frau Cutterin M.G. auch jene selbstgespielten
Szenen drin, die einfach nur peinlich sind - mehrfach, ummotiviert und ohne einen
einzigen Cut die raushängend-schlackernde Zunge der "Domina" (inclusive
Speichelgeräusch) lässt sich nur taub und blind ertragen. (Ach ja, wo kam denn in
diesem Studio eigentlich die zweite Zofe her? Von der war vorher nie die Rede!)
(Dies war übrigens der Moment, wo wir dann rausgegangen sind - nach der dritten
schlackernden Zunge.) Und diese endlose Rezitiererei der schönen Gedichte von
Baudelaire (?) hätte ohne Not dran glauben dürfen. Cut! Ach, man hätte so viel
cutten können. So viele Peinlichkeiten hätten dem Publikum erspart werden können.

A propos Publikum: wer ist eigentlich die angepeilte Zielgruppe für diesen Film?
Wer soll den sich anschauen? Wie lautet die Botschaft, und an wen geht sie?
- Handelt es sich um einen Aufklärungsfilm für die breite Masse, damit die
endlich mal sehen, dass SM vollkommen ok ist? Das klappt nicht. Wenn sich ein
Normalo diesen Schinken anschaut, wird seine Reaktion sein: Also wenn das alles
so kompliziert und so schwierig und so verschwurbelt ist, dann hatte ich recht,
dass ich das nicht brauch und dass diese Perversen auch wirklich pervers sind.
- Soll der käufliche SM aufgewertet werden? Wird er nicht - weil er nicht so ist.
Lady Maria verhält sich leider nicht besonders professionell. Als potentieller
Kunde würde ich nicht dort hin wollen - denn da entern scheints nur Leute mit
einem definitiven Dachschaden. Warum kommt da nicht mal ein Kunde hin, der ganz
selbstbewusst Arschversohlen möchte, kriegt, bezahlt, sich freut und
selbstbewusst geht? Aber nur ein bisschen Kloppen wäre natürlich zu einfach.
- Oder ist es schlicht "Sex sells" für wen auch immer? Naja - als wir drin waren,
war die Kinobelegung ziemlich übersichtlich...
- Sollen die anderen Filmheinis neidisch werden, dass ein Tabuthema so mutig und
tiefgreifend gefilmt wurde und sie nicht auf diesen Goldquell gestoßen sind? Wenn
sie einen Funken Geschmack und Handwerk haben, werden auch sie den Daumen
runterhalten.
- Oder aber soll dem ganzen spießigen Establishment mal so richtig in die Fresse
gehauen werden, um danach einen möglichen Weg aufzuzeigen? So nach dem Motto:
Leute, ihr seid soo spießig, also nun macht mal los und lebt eure Phantasien? Ist
ja ehrenwert, aber: habt ihr denn eine Ahnung, was die ganzen "Braven" so
betreiben? Und das machen die sogar freiwillig! Verlocken tut in diesem Film
jedenfalls weder ein Besuch in diesem bedeutungsgeladenen SM-Studio noch in
diesem freudlosen Swingerclub - das wirkte eher abtörnend... Klassenziel leider
verfehlt! "Wenn das" so denkt der neugierige Mensch, der sich auf der HP schlau
gelesen hat, "authentisch ist, dann mog i des ned."
- Oder, naheliegend: Sollen sich die SMer wiedererkennen und freuen? Tja, das tun
sie definitiv nicht. Das taten die beiden Leute, die kurz vor uns aus dem Kino
gegangen sind, genauso wenig wir wir beiden. So - und das gebe ich euch
schriftlich - so sind wir nicht, wir SMer. Ist ja schon klar - es kann in einem
einzigen Film nur schwerlich jede Facette von BDSM gezeigt werden - das war ja
auch erklärtermaßen nicht die Absicht des Filmes, denn das wäre dann wohl eine
Doku geworden. Aber ein ganz kleines bisschen möchte man sich doch
wiedererkennen, wenn man denn schon zur Familie gehört. Kurz, es ärgert sich der
alte Hase, und der Frischling gruselt sich.
Auch ruft der Titel bei den Eingeweihten eine komplett falsche Erwartungshaltung
hervor, denn es geht ja nicht um die 24/7-Unterwerfung. (Nur die arme Domina
Maria war letztlich die einzige, die 24/7 in diesem Sinne lebte, denn sie war
tatsächlich allzeit bereit...) War wahrscheinlich so gemeint, dass man immer
offen sein soll für die Obsession. Aber jetzt mal Hand aufs Herz: kennt ihr
einen, der das durchzieht? Wer kann schon wirklich 24 Stunden am Tag nur an die
Erfüllung seiner Obsessionen denken? Ihr etwa, ihr Schlaumeier? Ich jedenfalls
kann das nicht. Ich muss zwischendurch auch mal schlafen, essen und scheißen (von
Geld verdienen und zum Zahnarzt gehen ganz zu schweigen).
- Oder aber - last but not least - sollte nur, egal wem, den Zusammenhang
zwischen SM und Spiritualität aufgezeigt werden? Wenn ja - nur zu, aber es
empfiehlt sich die vorherige Konsultation eines befreundeten Schmiedes, der den
Unterschied zwischen Vorschlaghammer und feinem Silbertreibhämmerchen sicher
bereitwillig erläutert hätte.

Und jetzt glaubt bitte bloß nicht in gnadenloser Selbstfehleinschätzung (und
tragischer Überschätzung "der Rufer in der Wüste, viel Feind viel Ehr!" und so),
die Kinosäle seien leer, weil die böse-böse und dumme-dumme Welt noch nicht reif
sei für solche Filme, die anarchisch-tabubrechenderweise den hirnverknoteten
Menschen ihre Grenzen vor Augen führen und dass dies feige Menschgeschmeiß
ignorant und voller Angst vor sich selbst lieber die Augen verschließen wollen
vor den subversiven Wahrheiten etc. Nein, die Kinosäle sind leer, weil der Film
grottenschlecht ist.


PS: Zu meinem Entsetzen und zu allem Überfluss las ich jüngst eine Bemerkung in
einer Postille, es sei dies der erste Teil einer Trilogie. Seid Ihr da ganz
sicher?! Ich meine - muss das wirklich sein?! Hat die Welt wirklich darauf
gewartet?! Mag ja sein - auf Wagner hatte sie auch nicht gewartet und auf Tolkien
auch nicht - aber, mit Verlaub, dafür waren es ja auch Tolkien und Wagner... Tut
aber Euch und dem Produkt den Gefallen und nehmt vor dem nächsten Versuch einen
richtigen Profi an Bord...

Do, 16.Mär 2006, 13:41
Knackig formuliert, Congratulations.

Einiges sehe ich ganz genauso.

Einiges kann ich absolut verstehen, habe ich aber anders erlebt.




"Sagt mal: schaut eigentlich nie mal jemand auf das Produkt, bevor es auf das
(durchaus interessierte) Publikum losgelassen wird?! Gibt es keinen
professionellen Dramaturgen bei euch, der sich das Ganze mal anschaut, oder einen
Preview überhaupt?"

Bestimmt eine berechtigte Frage, aber - und das kann keine Rechtfertigung sein, aber in diesem Zusammenhang von Interesse - man könnte auch mal überlegen, was es denn bedeutet OHNE GELD einen Film zu drehen. Da sitzt nicht alles, letztlich fehlt es an allen Ecken und Enden.
In den 70er Jahren (verklär, verklär) wären solche kleinen, bruchstückhaften, ja amateurhaften Produktionen anders rezipiert worden.

In einem weiteren Schritt kann man sich auch mal fragen, warum es so sehr wenige Filme zum Thema SM überhaupt gibt. Es hängt mit dem Status einer schwierigen Minderheit zusammen, die konsumtechnisch gesprochen keine relevante Zielgruppe ist, zudem setzt man sich leicht in die Nesseln, entweder bei der Kirche oder bei der Subkultur selbst.
Es scheint so zu sein, dass Filme, die SM zum Hauptthema machen, notgedrungen unterfinanziert sind. Bezeichnend, dass auch "Wir leben SM" auf Video gedreht wurde. Das ist eine immanente produktionstechnische Problematik: weil man weiß, das interessiert nur sehr wenige, kann und wird da nicht groß investiert.

Es ist eine Frage der persönlichen Bereitschaft und der persönlichen Fähigkeit, sich in sehr ungewöhnliche Filme reinzudenken, das ist auch eine Frage des eigenen Kunsthorizonts. Offenbar gibt es hier eine deutliche Dissonanz zwischen Werk und Publikum.




"Es gibt ja einige schlechte Film zum Thema SM, aber dieser war mit Abstand der
schlechteste."
Nein, er ist einer der besten zum Thema.
Er hat Gefühl und Geist.
Baut man einen Kontext zu "Secretary" und "Personal Services" auf, sind die visuell und erzählerisch überzeugender. Trotzdem spielt er aufgrund seiner Thematik, Optik und Komplexität in der selben Liga. Er ist eine Art Manifest.

Sieht man "24/7" einfach mal im Vergleich zu Videos, die dazu gemacht werden, das Publikum in Sachen etisch-Chic und SM-Bizarre-Extrem aufzugeilen, dann ragt er da über 97% der Masse meilenweit heraus:
durch seine Haltung, durch Menschlichkeit, durch Gefühlsmomemente, durch eine Reflexion der Situationen, schließlich durch die Verbindung mit Themen der Transzendenz.


"Und wenn ich versuche zu ergründen, was denn am allerschlechtesten
war, Drehbuch, Schauspieler, Regie, Schnitt - dann merke ich immer mehr, dass es
sich bei dem Ganzen um ein Gesamtkunstwerk handelt, denn die verschiedenen
Abteilungen des Stabes haben einander wahrlich verdient."
Ich würde auch sagen, hier sind keine Profis am Werk. Und das finde ich gut. Denn Profis hätten alles glattgebügelt, Profis lassen gleich die Finger von so einem Thema. Hier wurde ein Film gemacht, dem man anmerkt, er ist ungewöhnlich, in Teilen sperrig, hier wird kein Kohle-Produkt fabriziert, sondern es wuchert die Kreativität, hier will einer (oder mehrere) etwas, was ihnen wichtig ist zum Ausdruck bringen.


"Allein schon der Beginn: Motorradpanne, oh wow, welch ein origineller Beginn, das
Schicksal klopft an die Tür, und natürlich hat die Domina im Gepäck immer gleich
ihr Arbeitswerkzeug dabei (nicht aber Klamotten!), es könnte ja zu Hause geklaut
werden, da hat sie es lieber gleich am Mann.
Dann, Blond-Mädel (oh, oh, Eva, wie gewitzt und anspielungsreich gewählt der
Name!) lässt sich nicht lumpen und kommt hastdunichtgesehn zu einer wildfremden
Frau um 22 Uhr allein nachts in ein ihr vollkommen unbekanntes Gebiet hinein -
ist das wahrscheinlich? Und dort sind dann auch gleich ein paar Sklaven zugange -
vollkommen natürlich, dass das Blond-Mädel da in Straßenkluft reindackelt und das
ist alles kein Problem. Zackzack, hat sie auch gleich einen Bello an der Strippe."

Ja, das ist zusammengeschustert. Glaubwürdigkeitslücken ohne Ende. Eine Domina, die nebenbei eine Doktorarbeit verfasst? Die Eva, von der die Männer nur das eine wollen. Feste Bindung, Heiraten. Ja so sind die Männer.
Der Transvestit, der von seiner Kriegsgefangenschaft erzählt und unmittelbar danach zur kranken Magdalena sagt "Ich hoffe, ich konnte Sie etwas aufheitern"...Oh je



"Und die nächste abstoßend trübsinnige Szene in der Swingerbar... So unerotisch
und angekrampft hat man sich das ja eigentlich schon immer vorgestellt, und die
Leute, und die Gespräche - au weia. Noch schiebt man das ja auf das Ironie-Konto,
ahnt aber schon Schlimmes. "
Würde mich wundern, wenn die Swingerszenen positiv gemeint waren.
Die Dominastudioszenen fand ich sehr gut. Die Atmo bei den Swingern zum Weglaufen, schlecht ist dadurch aber nicht der Film, der sowas aufzeigt, eher gut weil informativ, Leute und Location sollen ja echt sein.


"Denn - das wäre ja alles noch zu verschmerzen. Schließlich soll das ja laut
Vorankündigung ein Film sein, der sich auf poetischem Wege mit dem Ganzen
befasst... Poesie aber entsteht nur mit Handwerk (war da nicht von
Theatererfahrung die Rede?!). Poesie ist auch keine Ausrede für nicht vorhandene
Stringenz, nicht vorhandene Logik und für einen zu dünnen Handlungsfaden! "
Dass der ganze Filmpoetisch sei, würde ich nicht sagen, aber es gibt doch ein paar wirklich poetische Momente.



"Und dann zieht es sich zäh wie Kaugummi dahin. Unlogisch und beliebig dümpelt die
"Handlung" dahin, mühselig zieht der Esel den Karren. Warum diese Ödnis in den
Dialogen? Ein dusseliges Drehbuch in Kombination mit einer - freundlich
ausgedrückt - mäßigen schauspielerischen Leistung und lähmend ungekonnter
Dialog"gestaltung" sowie einem Mimikverbot für die Schauspieler, das irgendwer
vor den Dreharbeiten ausgesprochen haben musste, wirkte tödlich! Aber es könnte
auch der schwerwiegendste Grund der sein, dass die Schauspieler das mit der
Schauspielerei nicht so richtig drauf haben und der Regisseur durch mentale
Abwesenheit (oder Unkenntnis) glänzte.
Unglaublich öde geradezu die Szene am Küchentisch, als die beiden Frauen und der
Typ aus dem Swingerclub zusammen sitzen und sich anschweigen. Tja, die sind ja
ganz schön locker drauf, was?! Können die eigentlich gar nicht mal lachen, diese
Leute? Oder lächeln, oder was dergleichen Kunststückchen mehr sind?
"Augenkontakt!" möchte man ihnen zurufen, den herumirrenden Darstellern, und
"Dynamik!", "Tempo!", "hallo, Reaktion!"... Aber nein. Die öden sich, bis wieder
"Philosophie" auf die Wehrlosen eindrischt.
Bedeutungsschwanger raunt Lady Maria, bunt angemalt oder auch nicht, zumindest
mit "dekadent" verlaufenem Lippenstift (spendiert eurem Maskenbildner noch mal
eine neue Brille!) platte und be Weisheiten an irgendwelche Menschen heran,
woraufhin diese Menschen dann immer ganz beeindruckt ihr Leben ändern oder in
frenetisches Beifallsgeschrei ausbrechen (erinnert an die lautstarke Bewunderung
von Eltern für jede Nuance von Babys Stuhlgang). Warum diese
pseudophilosophischen Texte, die sich, entsetzlich schlecht gesprochen,
bleischwer und vollkommen humor-und erkenntnisfrei, durch endlose Stunden über
den gequälten Zuschauer hinwalzen? In schöner Stringenz dazu ist auch der
Unterhaltungswert gleich Null. Man schaut nach 3 Stunden auf die Uhr und erkennt
entsetzt, dass erst eine halbe Stunde vergangen ist. Der Unterschied zwischen
tatsächlicher und gefühlter Zeit."
Es gibt im Theater das unnatürliche Sprechen, auch in vereinzelten Avantgardefilmen (Straub). Das wäre hier allerdings nicht nötig gewesen, stimmt. Andererseits belegt es den Kunstanspruch.
Aussagen werden zur Genüge gemacht, dass das alles Quatsch sei, was Maria sagt, zeugt von mangelndem Sich-Eindenken. Auseinandersetzung! Mit allen Sätzen läßt sich sehr viel anfangen. Etwas anderes ist evtl. die Form, wenn der Künstler nicht verstanden wird, es muß aber nicht an ihm liegen.
Hier mangelnden Unterhaltungswert zu beklagen ist die falsche Stelle. Dies ist ein Film mit Thesen und Botschaften, zum Mitdenken und Anstrengen. Dass viele das nicht wollen geschweige denn erwarten, steht auf einem anderen Blatt.


"Und was will denn am Ende Maria-Magdalena selbst? Sie schreibt an einer Arbeit,
und sie ist Domina, und zu Anfang fährt sie Motorrad (wo bleibt das eigentlich?).
Aber wir erfahren in zermürbend langweiligen Passagen, dass sie einsam ist. Je
nun. In ewigen Sequenzen wälzt sie in ihrem Bett herum (Cut!), oder dengelt wie
ein eingesperrter Elefant im Zoo zwischen Wand und Wand hin und her (auch ohne
Kundschaft immer fein säuberlich aufgeschnatzelt mit dem wahrlich nicht so
wirklich bequemes Fetischzeugs) (Cut!), oder liegt zwischen stummen Puppen
(beziehungsreich!) rum und nix passiert (Cut!). Ja, dann soll sie doch mal ihre
Arbeit zu Ende tippen und sich ins Leben stürzen! Aber was will sie denn? Leider
ist sie nur eine Abziehfolie für die Phantasien ihrer zahlenden Kunden! Die
Herrin in Wirklichkeit eine Sklavin! "
Interessante Paradoxie, die in der SM-Welt durchaus vorkommt. Magdalena war für mich die stärkste Figur, faszinierend, mit Aura.
Auch gut gebracht: Der Unterschied zwischen Rolle und privater Person, die von den subs kein Interesse erfährt (Ausnahme Elfriede).
Sehr gut die Session mit dem Osteuropäer, machte an. Und dann der Satz "ich will, dass du kommst". So hat man eine Session im Kino noch nicht gesehen! Und dann ihr Satz "...dass du bei dir ankommst". Wow!!
Einmal hat er ihre Gebote (!) nicht befolgt, was ist zu tun, er meint devot er würde nun Strafe verdient haben. Was macht sie? Nein, ich bestrafe dich NICHT! (das setzt Erfahrung im komplexen Ds-Verhältnis voraus, und Reife, wenn das so weitergedacht wird: sie läßt ihn allein
(das ist die härsteste Strafe, sie tritt aus dem Verhältnis aus - Meta!)


"Da hilft nur Elfriede aus der Not, die/der MM (Maria Magdalena) Medizin nach Haus
bringt und ohne Vorwarnung ihre/seine Lebensgeschichte erzählt. Was nebenbei
bemerkt als Einzelepisode gut kommt, aber leider gar nichts mit dem Film selber
zu tun hat"
Das sehe ich nicht so. Erstens hat es sehr wohl mit dem Thema Menschlichkeit zu tun, die Roleplayer ausserhalb der Rolle zu zeigen, auch z.B. mit einem Problem, das sie beschäftigt. Und inhaltlich ist das natürlich die Abgrenzung von konsensuelen zu unkonsensualen (reales Kriegsgefangenenlager) Vorgängen.


"Also eigentlich haben sie alle ein Problem, diagnostiziert die Bescheidwisser-MM"
Nein, sie sagt es kann zum Problem werden, wenn man sich selbst verleugnet. Also nicht der Kink ist das Problem, sondern seine Negierung

"nur die Eva, die hat kein Problem, das sehen wir, die zieht ihr Ding durch - nur
wird ihr immer ein Problem unterstellt. Ob sie denn, zu ihren Lüsten stehend,
ihrem Vater erzählt hat, dass sie im Swingerclub war, lautet die Frage. Oh, wie
verklemmt, dass sie es nicht getan hat, was? Habt ihr euren Eltern erzählt, mit
wem ihr letzte Woche gepimpert habt? Oder dass ihr neuerdings so gern zum Turnen
gegangen seid, weil das Seilklettern so ein süßes Gefühl zwischen den Beinen
auslöste? Ausgerechnet Eltern müssen nicht alles wissen, auch wenn man dazu
steht, das wiederum wusste schon Mozart, und das hat nix mit falscher "Scham und
Angst vor sich selbst zu tun". Meine Güte!"
100% Zustimmung. der wird - im Namen der Freiheit - bevormundend etwas eingeredet. Aber von der Besserwisserin, auch vom schmierigen Reiseleiter, der auch Lehrsätze zum Besten gibt, emanzipiert sie sich am Ende

"...seitens ihrer
Antwortsklavin-Freundin (die mit dem eingebauten Kopfschüttel-Automatismus, der
Empört-Modustaste und dem nie gezeigten, aber offenbar in irgendeinem
Paralleluniversum existenten tote-Fisch-Bräutigam)"
Die Freundin ist eindimensional. Herrlich eindimensional. (im Grunde dominant)




"Beliebig häufeln sich die Szenen, endlos zäh und langweilig dieser
Religionsquatsch - nein, Leute, diesen Zahn muss ich euch auch noch ziehen: es
ist nicht blasphemisch, kaum Kirchenleute werden sich auf die Hinterhufe stellen.
Leider ist es auch nicht spirituell und auch nicht psychisch-mystisch und
keineswegs auch archetypisch (ausser vielleicht für diejenigen unter uns, die von
einer ecclesiogenen Neurose gebeutelt sind). Es ist schlicht nur zu lang,
entsetzlich zu lang (Cut!!) und unglaublich gestelzt, und es dient auch keiner
neuen Erkenntnis, das ist das Schlimmste dabei."
Nein, es ist kein Religionsquatsch. Es wird auch nicht auf einen Kirchenskandal spekuliert. Spirituell ist es in Ansätzen schon, Erkenntnisgewinn hängt von der eigenen Fähigkeit zur Inspiration ab, da geht schon was


"Herrjeh, und warum denn diese schöne Musik noch dazu? Musstet ihr u.a. Mozarts
Requiem vergewaltigen?? Dem, der die Musik ausgewählt hat, gebührt wahrlich die
Bastonnade (und die tut wirklich weh!)"
Die Musik hat mir gefallen. Einfach so von der Musik her.
Zusätzlich meine ich, dass er sich auch auf dem Wege von Sexfilmproduktionen abhebt.
Mit den musikhistorischen Bezügen kenne ich mich nicht aus, aber dass bestimmte Musik, auch Kirchenmusik, zu SM gebracht wird, gibt dem Thema noch mal einen neuen Kick. (ist in sessions auch nicht gerade unüblich)


"Aber - Achtung, hier kommt ja Kunst, und was ich hier betreibe, ist der Ruf nach
Zensur... nicht? Nein, nach Qualität."
verständlich


"Dieser Film war besonders schlecht, weil er SM mit einem riesengroßen Anspruch
versah, und das funktioniert nun mal nicht. Andere schlechte SM -Filme tarnen
sich auch mit Anspruch und kommen dann als Porno daher - ok, denkt man dann,
wenigstens ein Porno. Aber dies war noch nicht mal ein Porno, sondern es sollte
was vermitteln."
Das ist ja gerade das Gute, dass er deutlich über schlichten Porno hinausgeht, weil er Gedanken und Gefühle zeigt - und Menschen



"Und das ist ja an und und für sich ehrenwert, aber doch bitte
nicht auf Kosten der Handlung, der Dialoge und überhaupt des ganzen Handwerks.
Das schadet eher, als es nützt. Schlechte Kunst schadet der Sache, wussten sicher
auch schon die alten Griechen, und gut gemeint ist das Gegenteil von gut."
Gut gemeint, reicht nicht. Das kann man mit Fug und Recht so sehen.
Es ist allerdings für Interpretationen immer durchaus von Bedeutung, welche Absichten man den Machern zuordnet. Welcher Wind weht hier?
Und da nehme ich bei "24/7" doch sehr angenehm das Wohlwollen der Macher auf, die Toleranz, die Akzeptanz, übrigens auch, dass SM in keinem Moment mit Kriminalität in Verbindung gebracht wird.

"Immer wieder die Botschaft: SM macht trübe, freier Sex schafft eine öde
Atmosphäre, und alle SMer haben eigentlich echt eine Macke und zwar die mit der
Schuld und der Sühne - daher sind sie gezwungen, das zu tun, was sie tun -
eigentlich lechzen sie nach Erlösung - und letztlich ist die Mistress die
Psychotherapeutin."
Du hast einiges treffend beschrieben, das hier geht aber voll daneben:
SM macht trübe - sagt der Film nicht.
Freier Sex schafft öde Atmosphäre - nein! (wohl aber dass eine bestimmte Mechanik nicht unbedingt zu Niveau und echter, tiefer Kommunikation führt. Oder: Swinging ist nicht unbedingt immer cool)
SMer haben eigentlich echt eine Macke - nein, wird nicht ausgesagt




"Auch ruft der Titel bei den Eingeweihten eine komplett falsche Erwartungshaltung
hervor, denn es geht ja nicht um die 24/7-Unterwerfung. (Nur die arme Domina
Maria war letztlich die einzige, die 24/7 in diesem Sinne lebte, denn sie war
tatsächlich allzeit bereit...) War wahrscheinlich so gemeint, dass man immer
offen sein soll für die Obsession. Aber jetzt mal Hand aufs Herz: kennt ihr
einen, der das durchzieht? Wer kann schon wirklich 24 Stunden am Tag nur an die
Erfüllung seiner Obsessionen denken? Ihr etwa, ihr Schlaumeier? Ich jedenfalls
kann das nicht. Ich muss zwischendurch auch mal schlafen, essen und scheißen (von
Geld verdienen und zum Zahnarzt gehen ganz zu schweigen)."
24/7 SOLL ? Das sagt der Film nicht. Die Bedeutung von 24/7 wird im Film ganz klar lokalisiert



"Wenn ja - nur zu, aber es
empfiehlt sich die vorherige Konsultation eines befreundeten Schmiedes, der den
Unterschied zwischen Vorschlaghammer und feinem Silbertreibhämmerchen sicher
bereitwillig erläutert hätte."
Stimmt, Lehrsätze kommen wie Holzhammer, es wird nicht gut erklärt oder diskutiert. Überhaupt wird zu viel ausgesprochen, als dass der Zuschauer selbst durch eine überzeugende Handlung "von selbst" darauf kommt.


"Und jetzt glaubt bitte bloß nicht in gnadenloser Selbstfehleinschätzung (und
tragischer Überschätzung "der Rufer in der Wüste, viel Feind viel Ehr!" und so),
die Kinosäle seien leer, weil die - und dumme-dumme Welt noch nicht reif
sei für solche Filme, die anarchisch-tabubrechenderweise den hirnverknoteten
Menschen ihre Grenzen vor Augen führen und dass dies feige Menschgeschmeiß
ignorant und voller Angst vor sich selbst lieber die Augen verschließen wollen
vor den subversiven Wahrheiten etc. Nein, die Kinosäle sind leer, weil der Film
grottenschlecht ist."

Das ist auf jeden Fall die Sichtweise vieler enttäuschter Kinobesucher.
Ich habe meine eigene Meinung zu dem Film
und freue mich über "24/7 THE PASSION OF LIFE"
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