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Re: SM der 60er / 70er Jahre

Sa, 12.Okt 2019, 18:43
Ich denke, das wichtigste Merkmal dieser Zeit war die Tatsache, dass damals alle betroffenen Männer vollkommen alleine mit ihren Wünschen und Phantasien waren.
Sie konnten sich gar nicht vorstellen, dass auch andere solche "perversen" Träume hatten und viele haben mir erzählt, dass sie zu aller erst in diesem Blättchen "Happy Weekend" Frauen in Stiefeln oder Korsetts gesehen haben. Und dann so kleine Anzeigen gefunden haben......
Und dann hat in den Siebzigern in den Berlin der erste Laden für Gummi und Bondagesachen aufgemacht!
DAS war die Sensation unter den Fetischisten.
Und wie sie sich geschämt haben, da reinzugehen.
All das kann sich heute niemand mehr vorstellen - da ist wirklich die Zeit drübergegangen.
Ich habe Mitte der Achtziger die mühsam aufgeklebte Bildersammlung von meinem damaligen Freund schon etwas skeptisch angesehen. Aber für ihn war jedes Bild von einer Domina ein Schatz. Er hatte viele Alben und hat sie sorgsam gehütet.
Damals gab es keine Inflation von Porno wie heute.
Die ersten Madame X Videos waren auch eine absolute Sensation!
Na ja - lang lang ist her.......

MfG
Lady Maclaine

Re: SM der 60er / 70er Jahre

Sa, 12.Okt 2019, 21:59
Ende 70er Jahre, Anfang 80er...Hamburger Morgenpost, 2 eng bedruckte Seiten nur mit Kontakten gewerblicher Art. Beim Lesen immer drauf achten, dass dich keiner dabei ertappt. So gings schon los. Dann die Dominas - du hattest nur ein paar Zeilen, hast angerufen, wusstest rein gar nichts - da hatte den Vorteil, dass jedes Fordern auf Null geschaltet war, dafür pure Dankbarkeit, wenn du reingelassen wurdest und " sie " sich deiner annahm. Die Erregung war wegen diesem Spannungsbogen vorher enorm groß, egal, was " sie " mit dir anstellte. Es war alles immer geil. Du bekamst die Peitsche und du bekamst den Strapon reingeschoben :-) :-) . Oder es passierten Dinge, mit denen du nun gar nicht gerechnet hast..
Zeiteinhaltung, Qualität der Ausführung, Feedback war irrelevant - Machtgefälle war klar, die Anbieterin stets tiefenentspannt, Preis von 300 DM war sowieso nicht verhandelbar. Und genau so hat es allen Spaß gemacht - bis zum nächsten " konspiraten Treffen ".
Heute ist ja wirklich alles transparent, es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Hat zwar alles seine Vorteile oder Nachteile, aber damals erinnerte es mich deutlich mehr an SM so, wie ich ihn bevorzuge.


DomHunter
( ...Strap-it-On... )
Bild
Bild
http://www.flash-emotions.com
Bild
http://www.domina-portrait.com

Re: SM der 60er / 70er Jahre

So, 13.Okt 2019, 08:13
seit froh, dass ihr diese Zeit nicht mitbekommen hat.
Damals gab es keine Webseiten und SM war etwas, das eigentlich nicht geben durfte und deshalb wurde es totgeschwiegen (wenigstens wurde es nicht wie damals noch die Homosexualität, unter Strafe gestellt - siehe §175 der bis 1973 noch Gefängnis vorsah und der erst 1996 abgeschafft wurde)
Eines der Magazine bzw eine gute Bühne waren die St Pauli Nachrichten und deren Kontaktanzeigen.
Das ging alles per Brief und frankiertem Rückumschlag -- nix mal schnell auf eine Hompepage schauen und einem Forum nachsehen wer was wie macht.
oder mal schnell per PN eine Telefonnummer enden das war ned es gab nur kabelgebundens festnetz und wer zu hause wohnte damals hatte schon schleche karten einen Anruf so terminieren, dass nicht die ganze Familie mithört, war doch das Telefon meist sehr zentral im Wohnzimmer aufgestellt.
Studios mit Telefonummer gab es damals noch garnicht das begann erst ende der 70er anfang der 80er jahre sehr verschwiegen und verklausuliert.
darüber könnte man Romane schreiben vor allem wie schwer des auch für pupertierene Jundenlich war, rauszufinden was das eigentlich für eine "seltsame" Veranlagng war, die mal hatte und die sich so deutlich von der deiner Kumpels unterschied.
Man kann leichter ein Atom zertrümmern, als ein Vorurteil

http://www.myblog.de/janus4252

Re: SM der 60er / 70er Jahre

Mo, 21.Okt 2019, 19:01
In den 80er Jahren waren Studios noch nicht das, was sie heute sind. Es gab keine blauen, roten, grüne oder schwarze Zimmer. Es lief viel privat und über Anzeigen wie im schon erwähnten "Happy Weekend". Oft waren es Häuser am Stadtrand, die fast wohnlich eingerichtet waren. Im Keller gab es dann die Ausrüstung. Damals hatten diese Häuser auch noch richtige Schlafzimmer, das war praktisch. Ich stand immer sehr drauf, erst bestraft oder gedemütigt zu werden um dann der Herrin im Schlafzimmer weiterhin zu Willen zu sein. Leider gibt es das kaum noch.

Re: SM der 60er / 70er Jahre

Mo, 21.Okt 2019, 19:16
The Saint hat geschrieben:
Mo, 21.Okt 2019, 19:01
In den 80er Jahren waren Studios noch nicht das, was sie heute sind. Es gab keine blauen, roten, grüne oder schwarze Zimmer. Es lief viel privat und über Anzeigen wie im schon erwähnten "Happy Weekend". Oft waren es Häuser am Stadtrand, die fast wohnlich eingerichtet waren. Im Keller gab es dann die Ausrüstung. Damals hatten diese Häuser auch noch richtige Schlafzimmer, das war praktisch. Ich stand immer sehr drauf, erst bestraft oder gedemütigt zu werden um dann der Herrin im Schlafzimmer weiterhin zu Willen zu sein. Leider gibt es das kaum noch.
Das ist interessant, unter „alte Schule“ versteht man ja eigentlich die strikte Trennung von SM und herkömmlicher Intimität. Wäre spannend wenn Du dazu mal ein paar Anekdoten berichten könntest (ohne Damensnennung tut das ja keinem weh).

Re: SM der 60er / 70er Jahre

Mo, 21.Okt 2019, 21:49
Janus4252 hat geschrieben:
Mo, 21.Okt 2019, 19:36
@saint:
damals warst du auch um 40 Jahre jünger und hübscher -- deshalb hat sie dich ins Schlafzimmer mitgenommen.
Die Damen waren damals in deinem Alter -- heute sind die Mädels (Dominas) teils jünger als unsere Töchter
Ich stand damals schon auf ältere Damen. Aber es war alles ein wenig intimer, das stimmt schon. Auch heute wundern sich die Damen, wenn ich erkläre, dass ich mich nicht bespielen lassen möchte, sondern sie mit mir machen können, was sie wollen. Das ist eine innere Einstellung. Ich suche keine "Session" sondern die Illusion einer Beziehung. Und dazu gehört ein Schlafzimmer.
Toy1978 hat geschrieben: Das ist interessant, unter „alte Schule“ versteht man ja eigentlich die strikte Trennung von SM und herkömmlicher Intimität. Wäre spannend wenn Du dazu mal ein paar Anekdoten berichten könntest (ohne Damensnennung tut das ja keinem weh).
Anekdoten sicher nicht, aber ich hatte mal eine Stammherrin. Das ging alles schon über einen normalen Geschäftskontakt hinaus. SM/Devotion und Intimität zu trennen käme mir nicht in den Sinn. Das gehört für mich zusammen. Natürlich ist es klar, dass bei der starken Frequentierung der Studios heutzutage ein solcher Kontakt reine Glückssache ist, aber damals war die Szene kleiner und überschaubarer. Meine Fähigkeiten sprachen sich rum und so bekam ich Zugang zu Damenrunden, die nicht mehr dem Tagesgeschäft folgten. Sooo alt bin ich auch noch nicht. Mehr kann ich dazu nicht mitteilen.

Re: SM der 60er / 70er Jahre

Di, 22.Okt 2019, 13:55
Vor Jahrzehnten fand ich die Situation deutlich unpersönlicher und distanzierter.

Bei den damaligen Werbemöglichkeiten gab es vorab keine Detailinformationen über eine Lady (z.B. keine lange "Vorlieben"-Liste). Und da die über BDSM heute im Internet verfügbare allgemeine Informationsbasis fehlte, verlief meine eigene Lernkurve langsamer als das heute der Fall wäre. Deshalb äußerte ich mangels eigenen Wissens keine Wünsche für die Session sondern verhielt mich passiv-abwartend, was auf mich zukommen würde.

Auch die Ladies verhielten sich ihrerseits m.E. distanzierter. Die Anzahl der Ladies war kleiner. Und wenn auch sicher die Nachfrage kleiner war, so hatten die Ladies doch auch weniger Konkurrenz und mußten nicht ihre eigenen Vorzüge (und damit auch einen Teil ihrer Persönlichkeit) werbewirksam ausbreiten.
Auch gab es damals m.E. von Seiten der Ladies - um einen modernen Begriff zu benutzen - weniger Achtsamkeit. Die Ladies haben von sich aus immer sofort gesagt, mit welchem Safe-Word man sie bremsen konnte, wenn es einem zu viel werden würde, und das habe ich auch regelmäßig verwendet. Wenn man (wie ich) nicht auf die ganz harte Tour steht, dann erkennen inzwischen die Ladies zuverlässig von selbst, wie weit sie gehen können, bzw. wie weit ich möchte, daß sie gehen.

Da das Thema BDSM früher noch weiter außerhalb der Norm war als es heute ist, habe ich mit meinen Sessions zunächst in größerer geografischer Entfernung vom Wohnort angefangen. Das führte vom Aufwand her dann auch zu größeren zeitlichen Abständen zwischen Sessions. Und auch das Preisniveau hat die Anzahl der Sessions begrenzt. Um Erfahrungen zu sammeln, habe ich unterschiedliche Ladies besucht. Unter diesen Umständen wäre es dann natürlich auch schwierig gewesen, eine Distanziertheit zu überwinden.
Frage: "Leiden Sie unter Perversionen?"
Antwort: "Nein, ich geniesse sie!"

Re: SM der 60er / 70er Jahre

Mo, 28.Okt 2019, 12:34
Hallo liebe Gemeinde,
ich war zwar in den 60 er und 70 er Jahren noch nicht in Sachen SM aktiv, ich hatte meine ersten Erfahrungen Ende der 80 er Jahre und war dann in den 90 er Jahren richtig aktiv. In dieser zeit habe ich in einem SM Gesprächskreis eine ältere Dame kennengelernt, die in den 70 er Jahren schon als Profidomina gearbeitet hatte. Ich kann micht gut erinnern, dass sie sagte wie sich die Kundschaft im laufe der Jahre verändete. Nach ihrer Auffassung gab es wohl in den 70 er Jahren mehr Flagellanten und eher "extreme" Wünsche. Im Laufe der Zeit muss es sich etwas gewandelt haben und die Entwicklung ging wohl zu leichteren Fetischen und eher soften Praktiken. Sie hat deshalb auch das Profidasein aufgegeben, da sie mit diesem Trend nicht so gut umgehen konnte.

Gruß
Jens
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