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Sind BDSMler "queer"?

So, 19.Jun 2022, 20:57
In Öffentlichkeit und Medien wird gegenwärtig sehr viel über LGBTQ+ diskutiert. Während jedenfalls "L", "G" und "B" heute in der Gesellschaft jedenfalls in den eher bürgerlichen Milieus weitgehend akzeptiert und "normal" sein dürften - jedenfalls in dem sozialen Umfeld, in dem ich mich bewege, ist das so -, scheint es mir außerhalb der betroffenen Kreise ungeklärt zu sein, was sich hinter "queer" verbirgt. Nach meinem Verständnis sind das alle nicht zu den ersten vier Kategorien gehörende Menschen, die sich außerhalb der verbreiteten sexuellen Normen bewegen. Dazu müssten eigentlich auch BDSMler gehören, die ebenso wie die "L", "G" und "B2-Menschen in der Vergangenheit und die "T"-Menschen vermutlich auch heute noch Diskriminierung erfahren, wenn sie sich in ihrer sozialen Umgebung zu ihren sexuellen und geschlechtlichen Vorlieben bekennen.

Anders als z.B. meine lesbischen und schwulen Freundinnen und Freunde, deren sexuelle Orientierung sowohl im privaten als auch im beruflichen Leben völlig akzeptiert sind, gehe ich davon aus, dass Personen, die sich z.B. dazu bekennen, zu einer Domina zu gehen, gesellschaftlich nicht akzeptiert und ausgegrenzt würden. Es scheint mir daher ein genderpolitisches Anliegen zu sein, dass auch BDSMler als "LGBTQ+"s akzeptiert und vor Diskriminierung geschützt werden.

Re: Sind BDSMler "queer"?

So, 19.Jun 2022, 22:28
Nee. lgbtq bezieht sich auf nichtbinäre geschlechtliche Identität und nicht heterotypische präferenzorientierung hinsichtlich des Geschlechts der Partner. Das steht erstmal unabhängig von Sexualpraktiken.

Trotzdem ist ein bdsmler natürlich auch in weiten teilen der queer community willkommen (da dort viele tolerante Menschen unterwegs sind und es teilweise deckungsgleiche Interessen gibt).
Zumindest solange bis er fragt was es denn kostet ausgepeitscht zu werden ;) Bezahlte sexuelle Dienstleistungen (du schriebst ‚zu einer Domina gehen‘) sind nochmal was anderes und leider am allerweitesten von Akzeptanz im gesellschaftlichen Mainstream entfernt.

Denn wir dürfen nicht vergessen was uns hier im Forum eigentlich verbindet: wir sind unterm Strich alle, so müßte das pi mal Daumen heutzutage heißen: Sexworker:innenböcke und Sexworker:inmenzibben.

Re: Sind BDSMler "queer"?

Mo, 20.Jun 2022, 05:29
severin247 hat geschrieben:
Mo, 20.Jun 2022, 01:37
Schön gesagt, wie immer, lieber Toy.

Doch stelle man sich die Frage: Ginge man nicht zu einer Pro-Domme, sondern lebe man das (aktiv oder passiv) im privaten, also nicht-finanziellen, Bereich aus? Wären wir dann queer?

Herzlichst

Severin
Hallo Severin, Danke Dir. Und - meine Sicht darauf stand im ersten Absatz meiner Einlassung:

Nein. lgbtq bezieht sich auf nichtbinäre geschlechtliche Identität und nicht heterotypische präferenzorientierung hinsichtlich des Geschlechts der Partner. Das steht erstmal unabhängig von Sexualpraktiken.

Ganz frech formuliert: ob ich als Hetero Mann sage, verehrte Gemahlin schlag mich bitte, oder ob ich sage, Schatzi blas mir bitte mal einen, macht nur vordergründig nen Unterschied.

(Ich muss auch immer schmunzeln wenn Sexworkerinnen auf ihrer Seite schreiben: „No Sex!!“ )
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