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Tabus der Herrinnen

Do, 15.Nov 2007, 19:29
Wenn ich mich so durch die verschiedensten Seiten von den Dominas klicke, dann fällt mir eines immer wieder auf.

Unter Tabus findet man oft Sachen wie KV, Leckdienste, Windelspiel usw. ................alles nachvollziehbar.

aber dann geht es oft weiter mit Dingen wie
Pädophile Wünsche, sodomistische Interessen, Verstümmelungsphantasien, gesundheitsgefährdende Praktiken, psychische Zerstörung, Tiere töten usw.
bishin zu Sessions unter Drogen oder Alkoholeinfluss

ich glaube die Liste könnte man noch weiterführen.

Ich meine die Damen schreiben dies ja nicht ohne Grund, und ich frage mich da mit welchen Anliegen/Wünschen/Sehnsüchten/Zwängen wird man als Domina so konfrontiert, bzw in welchen Zuständen erscheinen so manche Gäste.
Ich frage mich wie tief sind die Abgründe in unserer Gesellschaft, und ist es oft nicht nur eine Fage der Zeit bzw. des Geldes bis ein jeder Topf den passenden Deckel findet?!?!
Ein Tabuthema in der "hollyjolly" World des SMs.

Begbie

Do, 15.Nov 2007, 20:38
War vor einigen Tagen, hat mir eine Domina folgende Story erzählte.

Zu ihr kam ein Rollstuhlfahrer, mit dem Wunsch von ihr vom Rolli geworfen,
und danach Erbarmungslos, bis zum kotzen, zusammen getreten zu werden.

Sie hat das abgelehnt. Aber eine Lady des gleichen Hauses, hat den "Job" gemacht.

Hat mich schon schockiert.

Eglide

Do, 15.Nov 2007, 20:48
Ohne die Rollstuhlgeschichte jetzt werten zu wollen, aber wärst Du auch schockiert, wenn die Prügel bis zum Kotzen jemandem ohne Rolli verabreicht worden wären ???
Ich meine die Frage wirklich ernst, warum sollen Behinderte nicht ebenso abgefahrene Fantasien haben, wie der (zumindest körperlich) halbwegs gesunde Rest der Menschheit ?
Das die erste Dame das Ansinnen abgelehnt hat, kann ich schon gut nachvollziehen, man ist einfach in der Regel so erzogen, das man auf Kranke&Gebrechliche besondere Rücksicht nimmt, vielleicht machte das für den Betreffenden aber auch gerade den Reiz aus.

Fr, 16.Nov 2007, 01:28
Ich kann Shimade nur beipflichten.

Ebenfalls sehe ich nichts Verwerfliches darin, dass die Dame den Job gemacht hat. Sie hat einem Gast einen Wunsch erfüllt. Genau das ist doch ihr Job.

Grüße
Nightlover

Tabus

Fr, 16.Nov 2007, 06:38
Ihr Lieben,

ich hätte die Rolli-Session auch gemacht, kann aber auch die Kollegin verstehen, die dies abgelehnt hat.

Ich sehe in dem Wunsch des Rollifahrers persönlich nichts Verwerfliches.

Mein Tabu bezüglich Rollenspiele sind KZ-Phantasien.

Aber wenn ein Gast den Wunsch nach einem Folterszenario hat und dies nach Argentinien, Guantanamo etc verlegt, ist das für mich völlig in Ordnung.

Lieben Gruß,
LadyTanja
_______________________
www.lady-tanja-hamburg.de
http://blog.lady-tanja-hamburg.de
www.galerie-de-sade.de/Hamburg/Lady-Tanja-a302.html

Re: Tabus der Herrinnen

Fr, 16.Nov 2007, 09:19
begbie27 hat geschrieben:Ich frage mich wie tief sind die Abgründe in unserer Gesellschaft?
Abgründe gibt es genug. Man muss sie nur suchen. Abgründe am Beispiel eines Rollstuhlfahrers:

Abgrund 1 (Thematik Voyeurismus/Zerstörungsfetisch): er äußert den Wunsch aus dem Rollstuhl gekippt zu werden und dabei zusehen zu müssen, wie sie den Rollstuhl mit einer Flex in seine Einzelteile zerlegt.

Abgrund 2 (Thematik Masochismus/Hilflosigkeitsgefühl): es ist sein Wunsch, dass sie ihn mit dem Rollstuhl verprügelt und dann damit davon fährt.

Abgrund 3 (Thematik Erniedrigung): sie lässt ihn von mehreren homosexuellen Rollstuhlfahrern demütigen, die ihn immer wieder gegen den Körper fahren und ihn mit ihren Katheterbeuteln bewerfen, während sie seinen Rollstuhl mit „gay pride“ – Stickern beklebt und in Regenbogenfarben bemalt.

Abgrund 4 (Thematik Edge Play): sie kettet seine Füße am Rollstuhl fest, versorgt ihn mit einer Taucherausrüstung mit Luft für eine Stunde, rollt ihn in Lindau in den Bodensee und sagt ihm „ich warte dann drüben in Konstanz auf Dich“.

Und jetzt ernsthaft: ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas gibt, was noch nie an eine Domina herangetragen wurde. Zumindest wenn sie einige Jahre im Geschäft war.

Gruß,
Steffen

Fr, 16.Nov 2007, 10:45
Sollte mal ein Rolli-Fahrer den dritten Abgrund erkunden wollen, ich habe ein breites Sortiment an Schleifchen, Klitzersteinen, Stoffblumen, Regenbogenfahnenwimpeln, Spraydosen in grellbunten Metallic Farben und der Slut Club liegt nur eine Ecke vom Studio Rex entfernt. winke winke

We live in a Pride World - you too?

gruselig

Fr, 16.Nov 2007, 15:01
Tanja hat geschrieben:Ihr Lieben,

Mein Tabu bezüglich Rollenspiele sind KZ-Phantasien.

Aber wenn ein Gast den Wunsch nach einem Folterszenario hat und dies nach Argentinien, Guantanamo etc verlegt, ist das für mich völlig in Ordnung.

Lieben Gruß,
LadyTanja
Diese Äußerungen sind unbesonnen.
"Sexuelle Spielereien" (?) mit gegenwärtigen und historischen Unmenschlichkeiten in zwei Sätzen abzuhandeln ist absurd.

erodom

Fr, 16.Nov 2007, 16:04
Hallo zusammen,

zu diesem Thema kann ich folgendes sagen:

Ein Tabu habe ich am eigenen Leib erlebt, denn bei meiner Suche nach einer Domina für meine Einführung in die SM-Realität hatte ich große Schwierigkeiten, eine Dame zu finden, die mich wegen meiner Behinderung nicht von vornherein ablehnt. Die meisten haben meine Anfragemail erst gar nicht beantwortet, zwei haben geantwortet, eine hat abgelehnt, eine hat mir einen Termin gegeben. Sie sagte mir nach der ersten Session, dass ich ihr erster blinder Gast war und sie große Schwierigkeiten habe, mir weh zu tun, es falle ihr sehr schwer, einen Blinden zu schlagen, was wohl an der natürlichen Hemmschwelle liegt. Inzwischen weiß sie, dass ich auf die Peitsche warte und die Dame kommt damit klar, weil mir die Schläge zwar weh tun, aber ich es ja in gewissen Maßen genieße und deshalb Vorteile davon habe, es mir gefällt, und sie will ja, dass es mir gefällt, sie will mich ja befriedigen, damit ich wiederkomme. Soviel zu diesem Punkt.

Es wird immer Tabus geben und es muss sie auch geben, wenn man bestimmte Wünsche gewisser Gäste betrachtet. Wenn ich hier Sachen lese wie Pädophilie, Tiere töten oder Verstümmelungen, dann glaube ich, dass so mancher SMer hier die Kurve zwischen Phantasie und Realität nicht mehr gekriegt hat und Traum und Wirklichkeit nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Ich habe auch manchmal Phantasien, die sich nicht realisieren lassen und von denen ich gar nicht will, dass sie realisiert werden. Wer möchte, der lese hier im Offtopic-Forum meine Phantasiegeschichte „Die ultimative Session“, wo ich eine dieser Phantasien sehr ausgeschmückt beschreibe. Möge mich Sonstwer davor bewahren, dieses jemals zu erleben. Einen sehr kleinen Schritt in diese Richtung wollte ich bei meiner letzten Session tun. Ich sprach die Domina darauf an, wie es mit einer Nadel durch die Zunge wäre. Ich sagte, das möchte ich mal erleben, aber ich weiß ja, dass es aus medizinischen Gründen gar nicht geht. Die Dame meinte, es geht, aber es würde sehr stark, sehr heftig und sehr lange bluten, weshalb sie es nicht machen würde. (Ich habe kein Blutgerinnungsproblem). Vielleicht kann ich sie ja das nächste Mal dazu überreden.
Nein, diese Trennlinie zwischen Phantasie und Realität muss man einfach ziehen, die momentane Geilheit darf nie die Oberhand gewinnen, wenn es um verantwortungsvolles oder verantwortungsloses Handeln geht.

Stichwort Verstümmelungsphantasien: Ein Gast kommt ins Studio, bringt ein Skalpell mit und sagt zu der Domina, sie soll ihm den Bauch aufschneiden und ihm danach einen runterholen. Nehmen wir mal den unwahrscheinlichen Fall an, sie würde das tatsächlich tun, was wäre danach? Der Mann kommt zur Besinnung, er erwacht aus seinem Kopfkino-Traum und dann? Die Dame müsste den Krankenwagen rufen, er käme ins Krankenhaus, das ganze käme natürlich raus, die Dame würde wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt und verurteilt, und das ginge nicht mit einer Bewährung ab, und für den Mann hätte es auch strafrechtliche Konsequenzen, wenn ich auch nicht genau weiß welche. Ich glaube nicht, dass es ihm das wert wäre, sich diese Phantasie mit dem aufgeschnittenen Bauch tatsächlich erfüllen zu lassen. Von den Folgen für die Dame gar nicht zu reden. Der nächste bringt einen Dolch mit und bittet die Domina, ihm den Dolch in den Magen zu rammen, weil ihn das zum ultimativen Kick bringen würde – die Folgen wären hier die gleichen wie in Beispiel 1. Als reales Erlebnis käme vielleicht ein Faustschlag in den Magen in Frage oder auch zwei, das käme dann auf die körperlichen Voraussetzungen des Gastes an, ob er einen Waschbrettbauch hat oder gebaut ist wie Ottfried Fischer oder dazwischen liegt.
Und wo läge denn die Grenze? Ein anderer kommt und sagt: „Bring mich um, schneide mir die Kehle durch oder häng mich auf bis zum Tod, im letzten Augenblick werde ich den ultimativen Orgasmus haben.“ Im SM-Kopfkino gibt es solche Phantasien sicher oft, aber das erleben wollen, so sterben wollen und die Domina zur Mörderin machen? Das wäre schlicht indiskutabel und stünde wohl bei niemandem zur Debatte.

Überhaupt dürfte es wohl bei den meisten Dominas ein Tabu sein, Praktiken auszuführen, die entschieden ein zu hohes gesundheitliches Risiko darstellen. Sterile Nadeln und Katheter sollten ebenso selbstverständlich sein wie der Verzicht auf Schläge in die Nierengegend oder gar Tritte in die Nieren, wovon ich auch schon gehört haben. Verletzte Nieren sind nicht mehr reparierbar, und wenn jener Gast an die Dialyse muss, dürfte er diese Session für den Rest seines Lebens bitter bereuen und wäre froh, wenn die Domina dieses Tabu gehabt und die Nierentritte abgelehnt hätte.

Stichwort Pädophilie: Pädophilie ist sowieso überhaupt nicht tolerierbar, hier hat nicht nur der Gesetzgeber eine Grenze definiert, sondern auch der Grundsatz, der in der ganzen BDSM-Welt beherzigt werden sollte: Dass alles aus freiem Willen geschieht, und zwar nur zwischen Menschen, die volljährig sind und beide damit einverstanden sind, dazu kommt noch SSC. Kinder sollen und müssen hier knallhart außen vor bleiben und das ist unumstößlich, hier muss für alle Zeiten eine Grenze bleiben, die niemals überschritten werden darf!!!

Was Tiere angeht, kommen noch die ethischen Maßstäbe dazu. In der Medizin sind Tierversuche unumgänglich, und kaum jemand zählt wohl die Labormäuse und –ratten, die alleine in Deutschland täglich bei Tierversuchen sterben, die „verbraucht“ werden, wie es in diesen Kreisen heißt. Für ein kurzes sexuelles Erlebnis ein Tier zu töten, vielleicht grausam zu quälen, auch das halte ich für indiskutabel. Wenn sich jemand in der Zoohandlung eine Ratte kauft und sie an eine Python verfüttert, die er sich im Terrarium hält, dann ist das etwas anderes, als wenn sich jemand eine Ratte besorgt und ihr für seine eigene Lust Qual und Schmerzen zufügt oder zufügen lässt. Wenn hier eine Domina, und die meisten werden das wohl tun, diese Praktiken ablehnt, weil sie es ethisch nicht für vertretbar hält, weil einfach ein gewisser Anstand vorhanden ist, gewisse Dinge nicht zu tun, dann sollte man das nicht als Tabu bezeichnen, und wenn doch, dann ist es gut, dass es solche Tabus immer noch gibt.

Sessions mit Drogen und Alkohol dürfte es wohl sicher ab und zu geben, vermutlich gibt es hier sowohl Dominas als auch Gäste, die sich hier weniger Gedanken machen und dieses Risiko eingehen, dazu kann ich nichts sagen. Auch Medikamente werden ja für SM-Sessions immer wieder zweckentfremdet, siehe Proxxxxx.

Zu der Rollstuhlfahrer-Geschichte kann ich nur sagen: Die Dame, die diese Session abgelehnt hat, hatte vermutlich Angst. Sie weiß ja nicht, warum der Mann im Rollstuhl sitzt, ob er mit drei Jahren Kinderlähmung hatte oder ob er letztes Jahr einen schweren Verkehrsunfall hatte und seither im Rollstuhl sitzt. Sie befürchtete wohl, und da kommt es nun wirklich auf die individuelle Gesundheit des Mannes an, bei harten Tritten gegen den Körper noch mehr an Muskeln und Nerven zu beschädigen und vielleicht unwiderruflich zu zerstören, als durch die Ursache der Behinderung schon beschädigt oder zerstört wurde. Kann man ihr deshalb einen Vorwurf machen? Ich meine nein. Ich weiß ja nicht, wie der Gast aufgetreten ist, ob er ihr gesagt hat, warum er den Rollstuhl braucht, ob die Oberkörpermuskulatur gesund ist, was ja bei vielen Gelähmten gerade nicht der Fall ist, da ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Vielleicht hat er ja der ersten Dame nicht gesagt, wie es mit seiner Gesundheit aussieht, und der zweiten Dame war es egal, soll es auch geben.

Was NS und KV angeht, so dürften sich viele Damen, die das nicht anbieten, einfach selbst zu sehr davor ekeln, was mir persönlich, der diesen Spielarten absolut gar nichts abgewinnen kann, nur all zu verständlich ist. Wenn ich im Ernstfall die Wahl hätte, einmal KV aufzunehmen oder Auspeitschung des Rückens bis aufs Blut, dann würde ich letzteres vorziehen, obwohl ich eine Auspeitschung bis aufs Blut auch niemals erleben möchte, würde ich wohl gar nicht durchhalten.

So, ich hoffe, dieser Beitrag war euch nicht zu lang, aber das musste ich zu diesem Punkt einfach mal los werden.

In diesem Sinne. Bis neulich: Dreiachser.

Re: gruselig

Fr, 16.Nov 2007, 16:09
erodom hat geschrieben:
Diese Äußerungen sind unbesonnen.
"Sexuelle Spielereien" (?) mit gegenwärtigen und historischen Unmenschlichkeiten in zwei Sätzen abzuhandeln ist absurd.

erodom
Warum?Weil Tanja zur historischen Unmenschlichkeit ein näheres ,weil kulturell und persönliches Verhältnis hat..deswegen auch ablehnt.

Und die andere Unmenschlichkeiten sind zwar gegenwärtiger,aber die geografische und kulturelle Distanz erlaubt ihr damit spielerischer umzugehen.

Meine einzige Kritik richtet sich gegen die Erwähnung Argentiniens,denn mit diesem Land verbinde ich alles andere als Folter.

Zur Phantasie des Rollifahrers
Wenn eine Dame dies tut,also in jenem Moment wo sie seinen Wunsch erfüllt,zeigt sie ihm ihre Zuneigung,denn sie kümmert sich um ihn.
Und um das zu verstehen,muss man selbst SM-geneigt sein...

Gruss Mechanik
zu leiden für die Schönste...ist das schönste

Re: gruselig

Fr, 16.Nov 2007, 16:33
mechanik hat geschrieben:Zur Phantasie des Rollifahrers
Wenn eine Dame dies tut,also in jenem Moment wo sie seinen Wunsch erfüllt,zeigt sie ihm ihre Zuneigung,denn sie kümmert sich um ihn.
Mehr noch, sie zeigt Respekt vor ihm als mündigem, vollwertigem Menschen, der seinen eigenen Umgang mit SEINER Behinderung gefunden hat.

Dennoch hat natürlich auch die andere Dame Respekt verdient für ihre Entscheidung, ein Spiel abzulehnen, was ihrer Pietät oder ihrer Haltung ggü Behinderten widerspricht.

Insgesamt ist das ein Spannungsfeld, welchem man mit pauschalen Verurteilungen nicht gerecht wird, z.B. bei Amputees und Devotees? Oder darf einem Zwerg verboten werden, sein Geld damit zu verdienen, sich werfen zu lassen? Oder ist Frauen zu verbieten, in Pornofilmen mitzuspielen, weil sie ein krankes Frauenbild unterstützen? Alles Dinge, die im Kontext der political correctness schon diskutiert wurden.

Marfa
Zuletzt geändert von La Marfa am Fr, 16.Nov 2007, 17:06, insgesamt 1-mal geändert.
klassische Domina http://www.la-marfa.com
Aus- und Fortbildungen und Coachings http://www.bdsm-akademie.com

Re: gruselig

Fr, 16.Nov 2007, 16:35
erodom hat geschrieben:Diese Äußerungen sind unbesonnen.
Oh weh, ich hatte vor einigen Jahren mal bei Lustschmerz einen Thread über Naziuniformen gestartet. Daraus wurde (zu meinem Leidwesen) einer der längsten in der Geschichte von LS. Noch nie habe ich verbal derart viel vor den Latz geknallt bekommen wie zu Zeiten dieses Threads. Nach gefühlten 20 Seiten des gezielten in die Ecke gedrängt Werdens, trauten sich schließlich noch andere UserInnen, die Meinung zu vertreten, dass man in den eigenen 4 Wänden tun und lassen könne, was man wolle. Wobei ich noch nie eine solche Session hatte. Nicht mal eine Uniform. Es handelte sich lediglich um die Aussage, dass ich mir eine Domme durchaus in einer derartigen Uniform vorstellen könne und ich einem solchen Rollenspiel nicht abgeneigt wäre.

Gefundenes Futter für die Menschen, die dann ihre moralische Entrüstung zum Besten geben können. Ob man die Absicht besäße auf die Würde der Opfer zu urinieren, wie man so etwas Schreckliches nur erotisieren könne, dass man gedankenlos sei. Und so weiter und so fort. Es ist eben etwas, womit wir Deutschen nach wie vor nicht klar kommen. Siehe Nazometer. Da verstehen wir keinen Spaß. Und noch "widerwärtiger" ist es, wenn man es dann wagt, daraus ein ernstes Spiel zu machen und es in einen sexuellen Zusammenhang zu bringen. Ich weiß gar nicht mehr, als was ich alles beschimpft wurde. Und die, die es auch nicht so eng sahen. Das Argument, dass einen bei einem solchen Thema die Faszination des Bösen packen würde, wurde gekontert mit "dann spiele es aber richtig und lass Dich auch real vergasen" oder ähnlichen Sätzen. Eine obszöne Verharmlosung unserer schrecklichen Geschichte sei es, dabei betrachte ich es als logisches menschliches Bedürfnis, dem Schrecken seinen Schrecken zu nehmen. Denn im Grunde veräppelt man die braunen Gesellen damit. Hätten sie damals gewusst, dass alles, was von ihrer "Kultur" übrig bleiben würde, ein paar verarschende Filme oder Pärchen sind, die sich ihrer Symboliken bedienen, um eine Session abzuziehen und die den Kram danach wieder im Schrank einmotten, sie wären wahnsinnig vor Schmach geworden. Größer kann eine Niederlage nicht ausfallen.

Es wird hier eben nicht gerne gesehen, in den USA z.B. gehört es zur Thrash-SM-Kultur. Dort wird man nicht krumm angesehen, wenn man sich eine Session wünscht und sie gerne als Nazi dominatrix sehen würde. Aber gut, die USA sind nicht Deutschland. Deshalb kann ich Tanja schon verstehen, dass es hierzulande etwas heikel ist, wenn sich ein Gast eine solche Session wünscht. Nicht nur aus dem persönlichen Blickwinkel, dass Tanja dies vielleicht aus moralischen Gründen ablehnt. Der Gast könnte ja "petzen" und es verlautbaren, dass er eine solche Session gehabt hätte und dann geht es von einigen Seiten auf die entsprechende Dame los. Vielleicht bis zur Ächtung. Unter Umständen müsste sich das entsprechende Studio von seiner Mitarbeiterin distanzieren und sie hinaus befördern, um nicht unter den absurden Verdacht zu geraten, ein Nazi-SM-Studio zu sein. Es sind dann eben doch nicht mehr die eigenen 4 Wände, es ist eher öffentlich, wenn auch nur im Studio. Wäre ich eine professionelle Domina, ich würde es ehrlich gesagt auch ablehnen.

Grüße,
Steffen

unbesonnen

Fr, 16.Nov 2007, 17:23
@erodom

warum unbesonnen?
Weil ich es schaffe, in 2 Sätzen meine Tabus bezüglich Rollenspielen zu formulieren?

Glaub mir, gerade weil ich besonnen und ein sehr politischer Mensch bin, ist die Thematik für mich so eindeutig.

Rollenspiele, die eindeutig aufs Dritte Reich zielen, wenn der Top Horst und die Sub Rahel heißt, gehen für mich nicht.

Uniformen machen mich an, eindeutige Symbole wie das Hakenkreuz gehen nicht.

Rollenspiele, in denen der Top Juan und die Sub Juanita heißen, gehen für mich.

Punkt.
Nix unbesonnen.

@mechanik
Argentinien ist EIN Beispiel von vielen, in denen es eine Militärjunta gegeben hat.
Ich hätte auch El Salvador, Chile, Birma oder Kuba nennen können.

Ich persönlich verbinde mit Argentinien auch andere Dinge als das Militärregime, schließlich bin ich leidenschaftliche Tango Argentino Tänzerin und habe dadurch viele argentinische Bekannte.

Nichts desto trotz gab/gibt es die mujeres von der Plaza De Mayo (ich glaub, so schreibt man das, ich spreche nicht besonders gut spanisch).

@all

In meiner doch recht langen Laufbahn als Passive/Aktive sind schon diverse Phantasien an mich herangetragen worden.

Ob es nun Tötungsspiele, Windelspiele, das klassische "Sekretärinnen-Spiel" sein sollen, ob ich meinen KV in Beutelchen abfülle, ob ich mir in einer Session die Haare abschneiden lassen würde...

Für mich sind das nicht unbedingt abartige, menschliche Abgründe.

Ich finde es interessant und spannend, welch unterschiedliche Kopfkinos die Menschen bewegen.
Und ich empfinde es als Privileg, wenn sich mein Gegenüber traut, die Phantasien auszusprechen und mit mir auszuleben.

Ich biete gerne im geschützen Rahmen des Rollenspiels das Ausleben auch extremerer Phantasien an.

Lieben Gruß,
LadyTanja
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Fr, 16.Nov 2007, 17:26
Dreiachser hat geschrieben:Sie sagte mir nach der ersten Session, dass ich ihr erster blinder Gast war und sie große Schwierigkeiten habe, mir weh zu tun, es falle ihr sehr schwer, einen Blinden zu schlagen, was wohl an der natürlichen Hemmschwelle liegt.
Hallo dreiachser! Das mag sicherlich für viele ein Problem sein. Aber dann muss man die Session eben anders angehen. Man sollte den Menschen nicht als behindert erachten, sondern als Person, die eben die ganze Zeit der Session eine Augenmaske trägt. Dann arbeitet man eben verstärkt mit Reizen, mit der Stimme, mit Geräuschen. Ich stelle mir dies jetzt gar nicht so kompliziert vor. Lach, ich wiederhole mich, ich bin keine Domme, aber wäre ich eine, ich könnte mir dies sogar sehr reizvoll vorstellen. Ich kann aber fast nicht glauben, dass sehr viele Damen damit ein Problem besitzen. Ist das wirklich so? Spürst Du es als eine Art Tabu in den Augen mancher Damen?
Dreiachser hat geschrieben:Ich sprach die Domina darauf an, wie es mit einer Nadel durch die Zunge wäre. Ich sagte, das möchte ich mal erleben, aber ich weiß ja, dass es aus medizinischen Gründen gar nicht geht. Die Dame meinte, es geht, aber es würde sehr stark, sehr heftig und sehr lange bluten, weshalb sie es nicht machen würde.
Tut mir leid, dreiachser. Dann muss sie eine sehr unerfahrene Lady sein. Was ja nicht gegen sie spricht.
Lass Dir versichert sein, es blutet nur ein bisschen. Ich hatte schon zwei mal Zungenpiercings. Bis ich die Nase voll davon hatte. Die Kugel nervt auf Dauer. Zunge ist harmlos. Sie schwillt ein wenig an und in den ersten Stunden danach hört es sich so an, als würdest du durch eine heiße Kartoffel im Mund reden. Das war es. Wenn Du jetzt gesagt hättest, dass Du Deine Lippen mit Kanülen durchstechen lassen willst, so hätte ich Dir zugestimmt. Das ist eine einzige Sauerei. Ich weiß nicht, ob ich mal ein Bild von meinem Selbstversuch hier in die Galerie stellen soll. Sehe aber darauf aus wie besoffen, dabei kommt das Glänzen in den Augen von den Tränen. Ich überlege es mir. Ich habe mich angestellt wie eine Mimose. Böser Scheiß-Schmerz. Aber wie gesagt, die Zunge lassen sich auch Teenies durchstechen. Jedes zweite Mädel trägt doch heutzutage ein ZP. Und wenn dann eine Domina ankommt und behauptet, das wäre zu riskant... nee, also, das nehme ich Dir fast nicht ab. :-) Das ist eine Fingerübung. Und übrigens, dreiachser, erwarte keinen allzu großen Schmerz. Es ist ein stärkeres pieksen. Du wirst enttäuscht sein, wenn Du Dir dadurch einen schlimmen Schmerz erhoffst. Ehrlich. Das kannst Du locker angehen. Wir halten fest: Zungen mit Kanülen zu durchbohren darf kein Tabu sein.
Dreiachser hat geschrieben:Sessions mit Drogen und Alkohol dürfte es wohl sicher ab und zu geben, vermutlich gibt es hier sowohl Dominas als auch Gäste, die sich hier weniger Gedanken machen und dieses Risiko eingehen, dazu kann ich nichts sagen.
Kann ich auch nicht viel zu sagen, außer sehr seltenen Privatsessions mit braunem Afghanen. Fühlt sich seltsam an. Mich hat es nicht so sehr gekickt. Habe alles wie in Watte getaucht und in Zeitlupe wahrgenommen. Man verliert auch die Fähigkeit, sonderlich gut auf sein Gegenüber einzugehen. Der Schmerz fühlt sich auch anders an. Irgendwie unnatürlicher, unangenehmer. Ja, ich hatte das Gefühl wehleidiger zu sein, weil ich mich nicht mehr so sehr konzentrieren konnte. Außerdem kann es passieren, dass man droht wegzunicken oder aber anfängt bei manchen Aktionen herumzukichern. Je nachdem. Würde mal sagen, für den aktiven Part kann es durchaus amüsant sein, dies alles zu beobachten. Wenn es sie nicht stört, dass der Kerl irgendwo in seiner eigenen Welt schwebt und kuriose Reaktionen zeigt. Glaube aber, dass Marihuana nicht die optimale Droge für SM ist. Bin auch ein Verfechter von Straight Edge - Sessions ohne drugs. Poxxxxxxx z.B. finde ich vollkommen widerlich.
Aber als Experiment für die Dame kann man das schon mal mitmachen mit dem kiffen. Tabu wären süchtig machende Drogen.

In diesem Sinne viele Grüße,
Steffen
Zuletzt geändert von LetzterMaso am Fr, 16.Nov 2007, 17:26, insgesamt 1-mal geändert.

Re: gruselig

Fr, 16.Nov 2007, 17:26
Lady Marfa hat geschrieben:
Mehr noch, sie zeigt Respekt vor ihm als mündigem, vollwertigem Menschen, der seinen eigenen Umgang mit SEINER Behinderung gefunden hat.

Dennoch hat natürlich auch die andere Dame Respekt verdient für ihre Entscheidung, ein Spiel abzulehnen, was ihrer Pietät oder ihrer Haltung ggü Behinderten widerspricht.
Absolut zustimm!
Und hier zeigt sich auch...nicht alles und jeder ist käuflich.
LetzterMaso hat geschrieben:.

Denn im Grunde veräppelt man die braunen Gesellen damit. Hätten sie damals gewusst, dass alles, was von ihrer "Kultur" übrig bleiben würde, ein paar verarschende Filme oder Pärchen sind, die sich ihrer Symboliken bedienen, um eine Session abzuziehen und die den Kram danach wieder im Schrank einmotten, sie wären wahnsinnig vor Schmach geworden. Größer kann eine Niederlage nicht ausfallen.
Ich glaube,die waren sich der erotisierenden Wirkung ihrer Uniformen sehr wohl bewusst.

Gruss Mechanik
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