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Re: BVsBD, Interessensvertretung für BDSM-Bereich

Mo, 08.Jun 2020, 15:10
Finde es immer wieder interessant, dass gerade oft Männer sachliche Kritik an geäusserten Meinungen als "aufregen" emotionalisieren. So kann man natürlich auch versuchen, die Kritik abzuweisen und abzuwerten, ist halt weder schlau noch erwachsen oder zeitgemäß. Liegt vielleicht daran, dass dich die Worte emotional aufwühlen?

Trinke einfach ein Beruhigungsteechen ;)
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Re: BVsBD, Interessensvertretung für BDSM-Bereich

Mo, 08.Jun 2020, 15:17
Erstmal bin ich hier ganz außen vor und Lia agiert völlig eigenständig. Wir Moderatoren sind alle auf Augenhöhe. Dann zum Thema: - Aktuell - und aufgrund der Maßnahmen betreffend des - Infektionsschutzgesetzes - gab ich überall den Vorschlag weiter, als BDSM Betriebsstätte passend zu argumentieren, gute Schutzkonzepte einzureichen und auf sich aufmerksam zu machen. Bekanntlich wird sonst bei den Behörden Prostitution über einen Kamm geschert, - hier - aber macht es durchaus Sinn, auf SM, Fetisch usw. hinzuweisen, so aufzutreten und ggf. frühere Öffnungen erwirken zu können. Mit inbegriffen war der Gedankengang, dass die Behörden womöglich trotzdem nicht trennen wollen, andere aber im Sog nach oben mitgeschwommen wären bzw. das noch tun.
Das Hekate in der Schweiz war z. B. äußerst aktiv, das Konzept spitze, bestens ausgearbeitet, man hat sich an alle Entscheider gewandt inklusive Presse ( die vor dem Interview jenes Konzept erhielten und bereits restlos überzeugt waren, bevor es zum Interview ging ). Die Zeitung Blick hat dann auch nicht ohne Grund selber nachgefragt, wann denn nun mit Öffnung zu rechnen sei. Kurz: Es war ein hervorragender Schachzug, gemeinsam mit der Presse selbstbewusst bei Amt und Behörde aufzutreten. Woran es auch immer gelegen haben mag, das muss hier auch nicht diskutuiert werden - Schweiz darf seit 7.6. arbeiten als einziges Land bisher.
Brauchen wir eine eigene Interessensvertretung rein für BDSM?
Klar ist, dass die zugelassenen und angemeldeten Betriebe teils gemeinsam, teils alleine sowieso schon aktiv sind auf eigene Art bei deren zuständigen Ämtern.
Wenn dominante Anbieterinnen sich extra organisieren wollen, werden sie das auch tun. Versuch macht klug. Nach meiner Auffassung eine gute Sache nur in Bezug auf Infektionsschutz, in anderen Zeiten ist für die Behörden alles eine Suppe.
Der Idealfall wäre für mich freilich, wenn der bestens vernetzte jetzige Verband da auch mal differenzieren würde, um wenigstens einen Teil aller Stätten und Frauen erstmal durchzubringen, anstatt immer auf Gleichheit aller zu bestehen. Da widerspreche ich Velvet Steel auch ausdrücklich, denn Berührbarkeiten sind im SM Studio leichter zurückzustellen als an Orten, wo es vorrangig nur darum geht wie z B Laufhäuser, Straßenstrich und Bordelle.



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Re: BVsBD, Interessensvertretung für BDSM-Bereich

Mo, 08.Jun 2020, 15:35
Domi, klar kann man bei Entscheidungen über gesundheitliche Regelungen differenzieren.
Wo habe ich denn behauptet, Berührbarkeiten würden sich nicht zurückstellen lassen, wenn du meiner da angeblich gemachten Aussage so vehemnt widersprichst?

Prof. BDSM ist allerdings nicht weniger Sexarbeit als Anschaffen im Laufhaus. Guck doch schon alleine mal auf die Studiolisten der Leute die da arbeiten und stelle erstaunt fest wieviele Bizarrladys es gibt im Vergleich zu klassischen Angeboten. Und nochwas, selbst die meisten klassischen Kolleg*innen lassen diverse Berührungen zu oder bieten diese aktiv an. Was ist mit der Sklavia? Oder soll es einen eigenen Verband für klassische Dominas geben, die dann gegen "das Verkommen der wahren echten Dominanz durch Berührbarkeit" wettern?

Weisst du eigentlich, wieviele Kolleg*innen, so wie Lia das ausdrücklich berichtet, nebenbei oder auch hauptsächlich noch Fullservice anbieten?
Klar, soll sich der Verband gründen, und sollen Leute auch einsteigen, die das wollen. Bin ich voll dafür. Ich habe allerdings politische Ansprüche, die sich für mich nicht damit vereinen lassen.

Falls ihr euch mal umgucken wollt, wie so eine Trennung zwischen "gutem" BDSM und "pöhöser" Prostitution mal ansehen wollt, empfehle ich den Blick in die Staaten.
Dort herrscht in der prof. dom. Szene ein ausgesprochener Hurenhass, ziemlich eklig.
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Re: BVsBD, Interessensvertretung für BDSM-Bereich

Mo, 08.Jun 2020, 15:59
In der Schweiz sind 2-3 grössere SM-Studios in den Medien aktiv geworden, aber der Entscheid des Bundesrates hatte mit diesen Medienaktivitäten nichts zu tun. Es sind in der Schweiz ab dem 6. Juni praktisch sämtliche Aktivitäten erlaubt worden (unter Einhaltung Hygiene, Abstand und falls Abstand nicht möglich Maske). Verboten sind nur noch Treffen von 30 Personen und mehr im öffentlichen Raum, Veranstaltungen und Kundgebungen von über 300 Personen und Sportwettkämpfe mit engem Körperkontakt. So sind neben Diskotheken, Bars, etc. eben auch alle Erotikdienstleistungen erlaubt worden - egal ob Cabaret, normales Bordell, Strassenprostitution oder BDSM-Studios.

Hier haben natürlich viele das Gefühl, dass der BDSM Bereich viel niveauvoller, hygienischer, ohne Abhängigkeiten, moralischer, etc. etc. ist als die normale Sexarbeit, und wollen sich deshalb nicht mit der "normalen" Prostitution vergleichen, wo die Männer Freier sind, i.G. zum BDSM wo die Männer natürlich keine Freier sind, sondern Gäste, etc. Ich halte diese Trennung, wie schon einige geschrieben haben, für falsch. Professioneller BDSM ist Prostitution und die Trennung von Bizarrladies, passiven Damen, etc. ist kaum möglich. So wird auch in der vorher genannten Residenz Hekate in der Schweiz von einigen Damen GV, Küssen, etc. angeboten. Zudem sollten wir uns hier bewusst sein, dass BDSM und insbesondere einige Praktiken für den Grossteil der Bevölkerung pervers und kaum zu erklären ist - egal ob NS, KV, Nadeln, Atemreduktion, Behandlungen mit Poxxxxxxx, TV-Erziehungen (könnte man auch als frauenfeindlich betrachten), BDSM mit Sklavinnen (wird schwierig zu vermitteln sein, dass man eine Frau auspeitscht, würgt, Nadeln .... etc. Ich bin nicht sicher, ob die Mehrheit der Bevölkerung oder der Politik eher "normale Prostitution" verbieten würde oder Sachen im BDSM Bereich ... Einige sollten vom hohen Ross runterkommen und ich finde es ja zudem lustig, dass hier im Forum einige sehr intolerant sind, gegen Menschen, die BDSM anders definieren (à la nur Flag ist richtiger SM), gegen die normalen Prostituierten, gegen Andersdenkende, gegen Menschen mit anderer Herkunft, etc., obwohl sie auch zu einer Minderheit gehören. Aber dies ist ein anderes Thema.

Re: BVsBD, Interessensvertretung für BDSM-Bereich

Mo, 08.Jun 2020, 16:20
Nun muss das nicht wieder emotional ausarten von wegen, man fühle sich im SM als was Besseres und ein Studio könnte besser sein als ein Laufhaus. Darum geht es überhaupt nicht!
Ich schrieb von dem Sog, der andere automatisch mitzieht, von guten Konzepten, die Behörden auch generelle Erotik veranlasst, freizugeben.
Schlüssige - Argumentation bei Behörden -, wie sich zumindest ein Teilbereich Prostitution - nach außen hin präsentiert - mittels passenden Eingaben, um eben Re-Openings zu erwirken.
Und ich weiß ja nicht, von welchen SM Betrieben hier teilweise gesprochen wird, die, die ich kenne, bieten sehr viel an. Der Fetischist geht ins SM Studio, der Masochist, der Devote. Poppen etc ist doch nur eine Randerscheinung, wenn überhaupt. Kondome sind deshalb da, weil es vorgeschrieben ist und auch hygienischer ( kein Gummischwanz ohne Kondom ). Es liegt ja auch in der Natur der Sache - wer geht schon für Poppen dahin, wo es 250 kostet, wenn er es im Bordell für 100 bekommt?
Kurz: So ein Verband sollte im Sinne seiner Mitglieder auftreten und handeln. Gleich von Vorneherein behaupten, im Studio würde eh nur durcheinander geleckt und gepoppt werden ( siehe die Schale mit den Kondomen und so derart viele Bizarrladies ), ist doch völlig kontraproduktiv. Sowas ist halt in diesen Zeiten nicht möglich, der Service wäre anzupassen und so müsste auch argumentiert werden. Besser, in großen Teilen wieder erlaubt arbeiten, als gar nicht.
Zum SM Verband noch kurz: Egal, was da passiert - es sollte nicht dahin gehen, dass bestimmte Leute profitieren und sich gegenseitig die Pöstchen zugeschoben werden usw. Vertrauen muss man sich erarbeiten. Was SM Studios angeht - die, mit denen ich Kontakt habe, sind bestens aufgestellt und haben genau das Richtige bereits vorgenommen.



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Re: BVsBD, Interessensvertretung für BDSM-Bereich

Mo, 08.Jun 2020, 18:17
Lady Velvet Steel hat geschrieben:
Mo, 08.Jun 2020, 15:35
Prof. BDSM ist allerdings nicht weniger Sexarbeit als Anschaffen im Laufhaus.
Professioneller BDSM im Studio ist ein anderes Umfeld als z. B. der Straßenstrich. Wir können hier exemplarisch die Themenfelder Hygiene oder Zwangsprostitution und Menschenhandel ansprechen, um die Unterschiede herauszuarbeiten. Bevor wir uns irgendwann das Nordische Modell einfangen, lasse ich gerne vorher bestimmte Bereiche wie z. B. den Straßenstrich über die Klinge springen, um das zu verhindern. Die Argumente, die Vertreter des Nordischen Modells gerne anbringen, greifen im BDSM-Umfeld deutlich schlechter als z. B. in dem von mir angesprochenen Straßenstrich-Umfeld.

Nicht vergessen, der Wind weht langsam rauer und staatliche Strukturen mahlen langsam, aber sie mahlen und wenn man Pech hat, in die falsche Richtung.
In vielen Ländern ist, spätestens seit das EU-Parlament 2014 eine Empfehlung aussprach, alle Mitgliedsstaaten der EU sollen in Zukunft die Prostitution in ihren Ländern verbieten, da sie als Menschenrechtsverletzung und Form der Gewalt gegen Frauen einzuschätzen sei, eine Tendenz in Richtung Abolitionsprinzip, zumindest aber stärkerer staatlicher Reglementierung der Prostitution zu beobachten.
Was du nicht willst, das man dir tu,
das füg auch keinem anderen zu
(es sei denn, dein Partner ist maso)
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