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Gedanken und Reflexionen

So, 26.Apr 2020, 00:08
" Der Sklave ist frei, solange er sich begnuegt. - Der Freie ist Sklave, solange er begehrt "

Ein Zitat von Hellmut Ritter, deutscher Orientalist, wohl aus einer Arbeit über islamische Mystik. 50er Jahre....

Immer wieder mal sinniere ich über diese Sätze. Sie haben etwas Ansprechendes für mich. Voller Widersprüche auf den ersten Blick. Was reizvoll ist.

Sklave und Freiheit . Diese Begriffe verbindet man zunaechst so nicht. Sklaverei bedeutet doch gerade UNfreiheit .

Der zweite Satz dann deutet ebenfalls hinaus über allgemeingültige, normale Bedeutungszusammenhaenge.
Man kann frei sein und gleichzeitig skavisch unfrei, so wird hier behauptet. Noch ein Widerspruch.

Im Vorüberlesen würde man wohl normalerweise hier geneigt sein, leicht abwinken. Sprachspiele. Na ja.... Wer es braucht und genug Zeit hat....

Im erneuten Lesen aber, erneut, weil man sich irgendwo angesprochen fühlt vielleicht, dann also kann man sich durchaus tiefergehend beschaeftigen.

Es hat ein wenig von Stoa. Von dem Bestreben nach Seelenruhe, von der Ergebenheit in sein Schicksal, vom Bemuehen nach Kontrolle über seine Leidenschaften, aus der Erkenntnis heraus, das sie leicht unkontrollierbar werden. Seneca, Musonius, ja Marcus Aurelius gar. Wir befinden uns in allerbester Gesellschaft.

In diesem unserem BDSM Fetischbizarrbereich kann Unterwerfung, kann Akzeptanz von Sklavendasein eine ungeheure "Befreiung" bedeuten für jemanden, wie mich, der sich immer sehnte nach Führung und Dominanz. Ich fühle mich frei, frei von allen Zwaengen der gesellschaftlichen Konventionen, frei von Erwartungen die an uns im Alltag gestellt werden. Frei von zwanghaften Bemühungen jemand sein zu müssen, der man eigentlich gar nicht sein will. Frei durch Unterwerfung unter meinen Top. Frei dadurch, dass ich niemandem etwas vorspielen muss, beweisen muss. Sondern dienen darf. Und wachsen dabei. Sklavisch, ja. Aber stolz sklavisch und vertrauend.

In dieser submissiven, unterwürfigen Rolle kann man aufgehen. Im besten Fall darf man voll darin aufgehen. Man spürt dann diese unendliche Freiheit der Seele.

Das Ende von immer erneuter Suche nach Befriedigung von Begierden und Gelüsten die doch so oberflächlich sind, ephemer, vorübergehend und bedeutungslos im Grunde.

Sich dergestalt zu "begnuegen" ist in diesem Kontext also ein Weg zur zufriedenen Sklavenexistenz. Zu einer Art von Seelenruhe. Anstrebenswert.

Ein freier Mensch zu sein, oder es zu glauben jedenfalls, aber dennoch Sklave seiner Begierden.... wer von uns Sterblichen erkennte nicht sofort die Wahrheit dieser Aussage. Mann glaubt sich frei, geht man aber in sich, dann bemerkt man schnell, wie unfrei man ist, sein kann, in seinen Taten, in seinen Motivationen. Gelenkt wovon ? Geführt von wem ?

Ja, sicher, neben der Stoa gab es dann auch die Hedonisten... die das Glück eben im Ausleben der Lüste und Genüsse zu finden hofften.

Das ist heute nicht anders als vor 2000 Jahren. Die Wahrheit muss jeder finden für sich selbst. Ich versuche den Weg des sich Begnuegens zu gehen auf meine unvollkommene Weise. Weil ich irgendwo hoffe, aber auch spüre, dass es der erfüllendere Weg sein wird am Ende.... Ich kann mich irren.

LG Moro
Wir spielen alle, wer es weiss, ist klug ( Arthur Schnitzler )
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