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Re: Vor sich selbst (nicht) geoutet

Do, 14.Jun 2018, 11:38
sara hat geschrieben: Tatsächlich geht es mir im konkreten Fall bei meinem Bedürfnis, ihn zu einem "Outing vor sich selbst" zu bekehren[...]um ihr Wohlbefinden, weil ich sie eben auch sehr mag und ihr stilles Leiden an seiner Ambivalenz miterlebe.
Ich denke das hat jeder verstanden.

Was viele Schreiber hier zum Ausdruck bringen wollten, war, dass sie auch dem Mann durchaus nachfühlen können. Im Augenblick in dem man es praktiziert = geil. Hinterher = igitt, peinlich.

Bei einer Session mit einer professionellen Domina ist einem das eventuell weniger peinlich und unangenehm (weil die das ja bestens kennt) bzw. man hat ja privat nichts miteinander zu tun. Im Schutz der Anonymität fällt einem doch einiges leichter. Oder man verkrümelt sich danach ganz schnell, die Domina ist nicht für die "seelische Nachsorge" zuständig. Vielleicht sieht man sich eh nie wieder.

Im Forum habe ich so oft solche Aussagen gelesen wie "wenn man dies und das mit sich machen lässt, wie kann die Domina(!) einen noch respektieren". Wenn solche Gedanken ein paar Männer umtreiben, um wieviel schwieriger muss es dann bei der eigenen Partnerin sein... %oh% Da ist nix mit duschen-anziehen-weg. Hält sie einen für krank? Verachtet sie einen auch außerhalb des Spiels? Erzählt sie alles den Nachbarn falls wir uns trennen?

Und was ich überspitzt formuliert (wie immer - gewöhnt euch dran :P) meinte, war außerdem, dass es durchaus einige Praktiken gibt, bei denen ich heilfroh bin nicht selbst drauf zu stehen. Und wenn ich das täte, wärs mir nicht nur peinlich, sondern ich würde sogar versuchen sie loszuwerden. Sowas wie im Animal-Crushing Beispiel (und kommt mir jetzt nicht wieder mit "das ist Gewalt und kein BDSM" - ich hab ein Schocker-Beispiel gebraucht mit dem ich hier keinem auf den Schlips...trample.). Bei sowas wie Animal Crushing kotze ich beim Gedanken dran schon im Strahl, ich bezweifle aber aber, dass die, denen dabei einer abgeht, sich das so ausgesucht haben duz (damit will ich jetzt keine Grundsatzdiskussion heraufbeschwören). Es ist ein Beispiel.

-> deshalb finde ich, die Praktik um die es geht ist von Belang. Bei dem Mann um den es geht also angeblich was gängig-Harmloses. Zumindest für die Threaderstellerin und Leser hier.

Die Leute hier sind aber denkbar ungeeignet "harmlos" beurteilen. Wer hier aktiv schreibt, ist mit sich und seinen Vorlieben meist im Reinen, erfahren, sehr selbstbewusst im Umgang damit. Aber das sind ganz, ganz viele Leute nicht.
Was hier drin als "total normal" gehandhabt wird, ist das "draußen" absolut nicht.

Wie der "ich-möchte-einen-Raum-betreten"-Typ. Was hab ich innerlich die Augen gerollt.

Manche erkennen eben für sich, dass das was die Allgemeinheit für normal hält oder anerzogen, nicht unbedingt gut und richtig sein muss.

Andere - wie der Kerl um den es geht - (noch) nicht. Aber er ist zumindest schon mal an dem Punkt, an dem er seine Fantasie auch tatsächlich umsetzt. Vielleicht hilft es ihm mal zu sehen, dass er nicht allein ist. Und wenn er zum Beispiel drauf steht, ein bisschen NS zu schlürfen und sich deshalb schämt - soll er mal in Foren und Berichten über Gemeinschaftsevents schauen. Da wird gewetteifert wer mehr Liter schafft %lach% cool Oder selbst mal auf einem Event Männer mit ähnlicher Veranlagung kennenlernen, die cool damit umgehen.

Auf ihn einzureden halte ich persönlich für nicht zielführend.





...
Seiner eigenen Freundin wegen seiner eigenen Unsicherheiten ein schlechtes Gewissen zu machen, halte ich aber nach wie vor schlicht für unverschämt.
Alle 11 Minuten verhaut eine Domina einen Sklaven auf Dominaforum.net...

Re: Vor sich selbst (nicht) geoutet

Do, 14.Jun 2018, 16:23
Vielleicht hilft ihm aber auch die Macht der Gewohnheit einfach. Es erneut mit ihm zu thematisieren kann die Einstellung unterstreichen, dass es etwas Ungewöhnliches ist, über das man reden muss.
Ihn einfach machen zu lassen, birgt die Change, dass sich ein Gewöhnungseffekt irgendwann einstellt und sich eine Akzeptanz für das entwickelt, was nunmal in seiner Natur liegt.
"So where do you live, anyway?" - "Mostly in my head."

Re: Vor sich selbst (nicht) geoutet

Do, 14.Jun 2018, 21:47
Lady Lia hat geschrieben:

Andere - wie der Kerl um den es geht - (noch) nicht. Aber er ist zumindest schon mal an dem Punkt, an dem er seine Fantasie auch tatsächlich umsetzt.
Nein, er setzt IHRE Fantasie um.

Und er wird dabei geil, kriegt einen Hammerständer, bewegt sich leidenschaftlicher als sonst und spritzt heftig ab.


Ach so, weil ihr unbedingt wissen wollt, um was es geht, was ich hier als "normal" bezeichne: wirklich NUR F*tze-Lecken. Ihr Wunsch. Geil für sie. (Eine Blümchensex-Praktik. Die ihm schwerer fällt als alle seine und meine Fetisch-Themen, die ich mit ihm ohne derartige Scham auslebe. Aber ich finde, dass es genauso ist, wenn ein/e SMer/in auf einmal Blümchensex entdeckt, wie wenn ein Blümchen-Mensch auf einmal SM entdeckt.)


Er macht es für sie. Weil sie darauf steht. Und geht dabei selbst mega-ab. Und direkt danach schämt er sich. Schaut sie nicht mehr an. Wendet sich von ihr ab. Sagt ihr, dass er den Geruch und Geschmack ihrer M*se nicht mag. - Und wenn sie ihn drum bittet, wenn er gerade NICHT geil ist, lehnt er ab. Und im Eifer des Gefechts tut er es dann, und es ist geil für beide. Aber direkt nach ihrem Höhepunkt ist sein Gesicht zum Abgewöhnen. Für sie und, wenn ich dabei bin, obwohl's nicht meine M*se ist, auch für mich.

Erinnert hat mich das konkret an den Kerl aus meiner Teeny-Zeit, von dem ich mich gern anpissen lassen wollte. Es war mein Wunsch. Als ich ihn äußerte, wurde sein Schw*nz knallhart und er kriegte keinen Tropfen NS mehr raus. Beschimpfte mich aber, ich sei pervers - in dem Fall floh er sogar mit Ständer - und erzählte hinterher überall rum, wie eklig ich sei.

DARAN erinnert mich das. Wie gesagt, es geht, denke ich, nicht darum, welche Praktik es ist (innerhalb von "vernünftigen" Ethiken wie SSC oder RACK). Jemand wird um einen Gefallen gebeten. Läßt sich auf Dinge ein, die er vermutlich vorverurteilt hat, wird aber geil davon - und egal, ob er sich dann den Orgasmus noch gönnt oder nicht, geht er hinterher auf VERLETZENDE Distanz.

Ich weiß aber auch von einigen Transvestiten, die tatsächlich gerne in Frauenkleidern masturbieren und sich dann direkt nach ihrem eigenen Höhepunkt schämen (und selbst verachten, oder sogar vor ihrer eigenen Neigung ekeln) und dann schnell aus den Klamotten raus müssen. Auch zu "sowas" sehe ich einen Zusammenhang, auch wenn da keine weitere Person beleidigt wird / betroffen ist.

Ich habe mir allerdings heute etwas dazu überlegt, von meinen eigenen Fetisch-Coming-Outs rückfolgernd und aus dem Austausch hier mit jemandem, der mir via PM geschrieben hat: Es gibt viele Sex- und BDSM-Praktiken, die wir "nett", "interessant", "einen Versuch wert" etc. finden. Und es gibt unsere ureigensten Fetische. Vielleicht erschreckt uns gar nicht das, WAS wir tun, sondern die Intensität, mit der wir überhaupt etwas wollen. Es wäre also gar nicht die Scham darüber, etwas Bestimmtes zu begehren oder zu praktizieren, sondern ÜBERHAUPT IRGENDWAS so geil zu finden, dass wir mega-geil (unkontrolliert!!!) abgehen, härter/nasser als sonst werden, uns schneller und drängender bewegen. - Ich weiß nicht, ob es in SEINEM Fall so ist. Aber ich weiß, dass es in meinem Fall mit meinen Fetischen so war - alle anderen Coming Outs waren leichter!- und dass es bei einigen anderen Menschen offenbar auch DIESES Muster ist. Scham nicht vor "dem" Was-auch-immer, sondern einfach nur vor der vermeintlichen "Peinlichkeit", uns in etwas ZU VERLIEREN. - Oder gar auf etwas zu stehen, wozu einem ein Vorurteil "PFUI" sagt - egal, wo es herkommt / wer es geprägt hat.
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