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Was "muss" man ablehnen?

So, 02.Okt 2016, 16:45
Hi,

ich bin gerade über den Thread http://www.dominaforum.net/forum/topic48830.html gestolpert, der ja bereits geschlossen ist. Das ist auch gut, denn zu dem ursprünglichen Thema direkt paßt mein Beitrag auch nicht, aber mir stellte sich die Frage, die ich auch an andere weitergeben kann/will:

Wann "muss" man (egal ob privat oder professionell, egal ob als Aktive/r oder Passive/r) ein Spielgesuch ablehnen?

Natürlich werden wir uns alle spontan darüber einig sein: Wenn es "gegen jegliche Vernunft" spricht! Nur, was ist "jegliche Vernunft"? Das ist nämlich leider gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Dazu ein paar Gedankenschnipsel:

1)

In England gab es einen bekannten Justiz-Fall, wo einige homosexuelle Männer, die einvernehmlich Nadelungen miteinander durchgeführt hatten und wo niemand zu Schaden kam, und wo auch niemand Anzeige erstattet hatte, verurteilt. Warum? Weil im Rahmen einer anderweitig veranlassten Hausdurchsuchung (ich glaube, es ging um Drogen oder um Raukopien oder sowas) ein Amateurvideo der Betroffenen gefunden worden war, die sie bei diesen -einvernehmlichen und aus Sicht der meisten Leser/innen hier vermutlich auch nicht "gegen jegliche Vernunft" sprechenden- Praktiken zu sehen waren. Aber die englische Justiz sah vor, daß solch eine Praktik eine "gegen jegliche Vernunft" sprechende und somit nicht einwilligungsfähige Körperverletzung sei.

Man "muss" nur ablehnen, wenn etwas "gegen das Gesetz" spricht. In England sprachen (ich weiß nicht, wie es jetzt ist) einige Praktiken gegen das Gesetz, die viele BDSM-er/innen in Deutschland mit großem Vergnügen genießen und genießen dürfen.

2)

Mir erzählte ein Versicherungsvertreter, irgendeine Versicherungsgesellschaft habe mal Haftpflichtversicherungen für Dominas angeboten (anders als Mediziner o.ä. ist es nämlich fast unmöglich, so etwas zu kriegen - oder hat jemand andere Erfahrungen???). Aber das sei wieder eingestellt worden, nachdem eine Domina einem Kunden eine Billiard-Kugeln in den Arsch geschoben habe. Es wäre nur noch möglich, eine Haftpflichtversicherung für ganz genau via Liste aufgeführte Praktiken eine Haftpflichtversicherung zu kriegen, wenn überhaupt. (Und alles, was nur ansatzweise riskant sein könnte, z.B. auch jegliches Elektro-Spiel, würde sowieso NIEMALS bei so etwas mitversichert - egal, ob die Domina Grundregeln wie "nie über's Herz" etc. berücksichtigen würde oder nicht.)

Das mit der Billiardkugel hat mich ehrlich entsetzt: wie kann jemand so dumm sein? Ich war gar nicht sicher, ob die Story vom Versicherungsvertreter stimmen könnte, weil ich mir soviel Unverantwortlichkeit tatsächlich nicht vorstellen kann. Aber in der Tat könnte man gesetzlich wohl kaum etwas regeln wie: "keine Billiardkugeln anal einführen" und auch nicht allgemeiner "keine Gegenstände anal einführen" (dann würde sehr vieles ausgeschlossen, was die meisten von uns mögen - sämtliche Plugs) und auch mit Konkretisierungen "keine Gegenstände ohne Sockel anal einführen" würde es gesetzlich höchstwahrscheinlich schwierig bis unmöglich, sowas wirklich zu erfassen. Und man bräuchte dafür entsprechend kompetente Leute. Und höchstwahrscheinlich würde im Zweifelsfall lieber zu viel als zu wenig verboten. Würden wir das wollen?

3)

Meiner Erfahrung nach spielt die private BDSM-Szene wesentlich "härter", ABER auch wesentlich risikobewußter (i.S.v. RACK) als die "typische" Studioklientel.

Obwohl ich selbst auch alle Ohnmachtsgesuche ablehne, weil ich es aktiv nicht verantworten zu können meine, kenne ich privat BDSM-er/innen, die sehr verantwortungsbewußt und glücklich mit Ohnmacht spielen (beide haben tauchmedizinischen Background!).

Ich selbst handhabe es so: "Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu" - d.h. ich lehne tatsächlich (mit einer Ausnahme: KV-Aufnahme!) aktiv alle Praktiken ab, die ich mir passiv selbst aus Sicherheitsgründen nicht zumuten wollen würde.

Bei den Praktiken, die ich passiv schon erlebt habe, wäge ich ab, ob sie mir generell angesichts meines jeweiligen Kenntnisstandes aktiv als "zu gefährlich" erscheinen, oder ob sie mir zumindest als "so riskant" erscheinen, daß ich sie nur mit sehr wenigen Menschen aktiv umsetzen würde, bei denen ich mir im Vorfeld via Gespräch ein sehr gutes Bild von ihrer Risk-Awareness habe machen können. Bei den meisten Anfragenden würde ich also (egal ob professionell oder privat) aktiv diese Praktiken ablehnen, aber bei einigen sehr bewußt Ausgesuchten lasse ich mich (professionell oder privat) darauf ein. Zum Beispiel gehe ich bei einigen ausgebildeten Ärzt/innen wesentlich weiter als mit allen anderen Personen, wenn ich aktiv bin UND wir ein ausführliches Vorgespräch über die jeweiligen Risiken hatten (bei dem ich ggf. auch selbst noch etwas lerne!) UND ich dabe ein gutes Gefühl hatte. Entsprechend lasse ich mich auch von einigen Medizinprofis und/oder bzgl. einer bestimmten Praktiken sehr erfahrenen Dom(me)s wesentlich riskanter bespielen als von anderen Leuten. (Und ja, dieses Ohnmachtsding würde ich unter gewissen, sehr speziellen Umständen sogar auch passiv ausprobieren - bislang haben sich diese Umstände allerdings nicht ergeben, und ich suche auch nicht gezielt danach.)

ABER: würde ich eine begeisterte und erfahrene passive Ohnmachts-Playerin sein UND mich auch aktiv ausreichend medizinisch kompetent fühlen, würde ich vermutlich auch einigen sehr offensichtlich sowohl risikobewußten als auch selbstreflektierten Subs diese Praktik nicht "per se" verwehren - obwohl sie auch aus meiner jetztigen Sicht auf den ersten Blick "gegen jegliche Vernunft" spricht. Aber der zweite Blick ist differenzierter.

4)

Man könnte sagen, daß jegliche Praktik, die zu Todesfällen führen kann, "gegen jegliche Vernunft" spricht. Dummerweise können auch sehr harmlose Praktiken im worst case zu Todesfällen führen - und ich wünsche mir und allen anderen Leuten hier im Forum, daß wir niemals (weder aktiv noch passiv, weder privat noch professionell) jemals in eine Session mit einem BDSM-verursachten Todesfall zu tun haben werden.
Aber selbst "normales poppen" kann ja schon im worst case zum Todesfall führen - der Herzinfarkt des alten Mannes im Bett der Hure (oder der privaten Geliebten) ist so ein "Horror-Szenario", das leider gar nicht so fernliegend ist. (Der bekannte Kriminalbiologe Mark Benecke sprach auch davon, daß sogar beim Kacken viele Herzinfarkte bei alten Menschen ausgelöst werden.... also quasi bei JEDER Art von Anstrengung, also auch bei jeder sexuellen Erregung und auch beim BDSM.)

"Muss" eine Sexarbeiterin, egal ob Hure oder Domina, also grundsätzlich Sessions mit alten Menschen ablehnen, wenn sie verantwortungsbewußt sein will? Oder wäre nicht genau das den alten Menschen gegenüber wieder unfair / diskriminierend und somit auch nicht verantwortbar?

5)

Als ich 18 Jahre alt war, wollte ich mich steriliisieren lassen. Mehrere Frauenärzte waren der Meinung, das spreche "gegen jegliche Vernunft" und sei nicht "verantwortbar". Andere waren privat durchaus auf meiner Seite, aber wußten, daß ggf. das Gesetz gegen sie stünde und verweigerten mir deshalb die gewünschte Behandlung, bis ich mindestens 35 sei. Ich argumentierte damals, daß ich nicht 17 Jahre lang hormonell verhüten wolle, nur um mich danach doch sterilisieren zu lassen, und dass die Hormonbehandlung doch sicher auch nicht verantwortbarer sei. Dennoch wurde ich damals aus den genannten Gründen nicht sterilisiert und nahm statt dessen das Hormonpräparat Depot-Clinovir. Das hätte ich auch eigentlich bis zur Menopause meinetwegen weiternehmen können, wenn mich nicht irgendwann eine Frauenärztin darum gebeten hätte, doch mal meine Knochendichte prüfen zu lassen - und siehe da, ich habe viel zu früh beginnende Osteoporose - eine Nebenwirkung des Präparats, das ich eigentlich viel lieber nicht genommen hätte, sondern viel lieber meine Volljährigkeit dazu genutzt hätte, eine selbstverantwortliche Entscheidung pro Sterilität zu treffen.

Aber die Ärzte hatten damals gemäß ihrer "Vernunft" bzw. innerhalb des sichersten Bereichs der rechtlichen Grauzone entschieden! Weil sie ablehnen "mußten"....

6) Proxxxxx wurde im o.g. Thread auch erwähnt. Ich habe mich dazu, als ich die Anfrage erstmals von einem Interessenten erhielt, mit einem Arzt beraten und es als "zu riskant" eingestuft. Er sagte mir: "In mehr als 99% der Fälle geht alles gut.
In weniger als 1% der Fälle geht es schief - aber dann geht es richtig schief und dann ist es auch zu spät, den Notarzt anzurufen. Dann kannst du eigentlich gleich den Leichenwagen bestellen." Daraufhin war für mich klar, daß Proxxxxx "gegen jegliche Vernunft" ist. Wenn ich das einem Interessenten mitteile, reagiert der oft beleidigt oder quengelt nach. Ich treffe diese Entscheidung aber selbstverantwortlich nach meinem eigenen Gewissen, mich auf o.g. Info verlassend. Man kann immer nur eigenverantwortlich nach eigenem Gewissen entscheiden, und hätte ich selbst mal Proxxxxx passiv ausprobiert und wäre davon begeistert, käme bei dieser Entscheidung vielleicht etwas anderes heraus, denn vielleicht wäre ich der Meinung, daß es das "subjektiv wert" sein könne. (Wobei das noch nicht zwingend heißen würde, daß ich jedes Mal bereit wäre, es auch im Kundenkontext anzubieten - vielleicht wäre mir das, wie dem Arzt bei meiner Sterilisation, trotz persönlich anderer Meinung trotzdem zu heikel....)

Aber Proxxxxx ist ein gutes Beispiel dafür, dass selbst "was zu Todesfällen führen kann" keine gute Richtlinie ist - denn es führt ja "nur" mit minimaler Wahrscheinlichkeit zu Todesfällen.

7)

Etwas anderes führt vielleicht mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer ernsthaften Verletzung. Es gibt Länder, wo BDSM generell strafbare Körperverletzung ist. Wo sind die Grenzen, was "noch okay, wenn beide es wollen" und was "zu gefährlich" ist?

8)

Könnte man zur Qualitätssicherung von Dominas eine Art Medizin-Pflichtausbildung verlangen? Würden wir das wollen? Wie lang sollte/dürfte so eine Ausbildung dauern? Und wogegen könnte so eine Ausbildung wirklich helfen, wenn eben NICHT das Ziel sein sollte, ALLES zu verbieten, was "medizinisch in irgendeiner Weise nachteilig" sein könnte....

So, das waren ein paar Gedankenschnipsel. Bin gespannt auf eure Kommentare. Sara

Re: Was "muss" man ablehnen?

Mo, 11.Dez 2017, 15:44
ich denke mal die Klinikerinnen unter uns werden häufig mit diesen Anfragen nach Kastration konfrontiert. Das ist keine seltene Phantasie und wird auch bestimmt von welchen ausgeführt.

Da der Klinikbereich nicht zu meinen Fav`s gehört, sag ich bei solchen Anfrage eh No!
die Expertin für vegetarische KV Gourmet Erlebnisse,
dominante Grüße
https://www.Madame-Ellen.com

Terminreservierungen siehe meine Webseite.


folge mir auf: https://twitter.com/MadameEllen1
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