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111 gute Gründe

Mo, 14.Dez 2009, 22:54
111 Gründe SM zu lieben von Cornelia Jönsson, erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2008, Paperback 9,90

ist ein Buch, das mir sehr gefallen hat. Vielleicht eher für den SM Einsteiger gedacht ist es lehr- und geistreich zugleich. Man merkt schnell, dass Cornelia Jönsson belesen und humorvoll ist ( Theaterwissenschaft u. Philosophie )

Was aber besonders beeindruckt, ist das man ihre Liebe zum Sujet in jedem einzelnen der 111 kurzen Beitraege spürt. Zugegeben, ein Grossteil der Faszination liegt darin, dass SM hier in Beziehungen beschrieben wird, die nicht den Charakter der bezahlten Dienstleistung haben. Aber viele Beschreibungen lassen sich dennoch durchaus verallgemeinern.

Normalerweise mache ich keine Eselsohren in meine Bücher. Bleistiftanstreichungen sind das höchste der Gefuehle. Aber da ich dieses Bändchen ( 233p ) grösstenteils in der Wanne las, und ich mir interessante Seiten merken wollte ist es nun voller Knicke .

Ein paar Kostproben vielleicht :

" Gib mir ein kleines, schlechtes, schmerzliches Gefuehl und ich braue mir ein Goldgewand aus hoechstem Gluecksempfinden daraus. Manche Schmerzen - ... lassen sich kaum, dass sie in meinem Koerper angekommen, der randvoll ist mit magischen Säften, umwandeln in pure Lust. In Zaertlichkeit sogar. In besonders intensives Streicheln, in eindeutiges Naehebeduerfnis. In Sex. Die Schlaege auf meinem Hintern schwingen augenblicklich in meiner Klitorxx nach. Das funktioniert nicht mit allen Schmerzen... Aber dann krame ich den instensiven Wunsch nach Hingabe aus meinen Tiefen hervor, mixe ihn mit dem Schmerz und wuerze beides mit diesem Blick meiner Herrin, der in stiller Andacht auf mir ruht, mit dem Anblick ihrer Lippen die vor Erregung voll geworden sind..."
( p.67 Weil wir alchemistische Kräfte besitzen )

"Das Schöne an SM ist, dass wir unsere Egozentrik in vollen Zügen ausleben können, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Weil unser Egozentrismus im Spiel nämlich unsere Mitspieler glücklich macht. Drehst du dich um mich, dreh ich mich um dich, lautet eine der Grundregeln unseres Spiels..
( p208 Weil SM ein Schlaraffenland für Narzissten und Egozentriker ist )

" ... Dominante Menschen kommen, um zu bleiben. Die Zärtlichkeit, die Innigkeit, die Hingabe,die Tom und Mona mir gestern Abend geschenkt haben, wird mir Tage, Wochen vielleicht erhalten bleiben. Ihre Berührungen, ihre Nähe werden mir spürbar bleiben egal wo ich bin in nächster Zeit und egal wie gross die Distanz zwischen uns ist. Ich werde ihre Nähe geniessen, ihre Präsenz, die leichten anregenden Schmerzen... Dominante Menschen kommen um zu behalten. Wen sie geschlagen haben, den kriegen sie so schnell nicht aus dem Kopf.
( p. 158 Weil wir bleiben )

" ... Andererseits verschlingt unsereins im Studium manche Autoren mit einer Gierigkeit, die bei den sexuell weniger devianten Kommilitonen so kaum zu finden ist. Was wir lieben, ist selbstredend Foucault, in all seinen Facetten. Wir wollen begreifen, was es auf sich hat mit diesem seltsamen Zustand der Macht, der uns so nachhaltig den Kopf verdreht. Und wir wollen gerne hören, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Stiefel im Gesicht, der uns gefällt, und seiner hässlichen Ausformung in politischer oder privater Unterdrückung... wir lesen Jünger, Baudelaire und Bataille, wir vertiefen uns in de Sade und die gesamte Libertinage mit ihrem atheistischen, amoralischen auf Genuss und sexuelle Freiheit ausgerichteteten Gedankengut."
( p. 44 Weil wir gewisse Bildungsgueter fleissig in uns aufsaugen )

"... Inzwischen weiss ich, dass es keine Normalität gibt und schon gar nicht als erstrebenswerten Zustand, ich weiss ausserdem, dass an meinen sadomasochistischen Sehnsüchten nichts verrückt ist und ich damit erst recht nicht allein bin. Aber das Misstrauen gegenüber meinen Gefühlen, die Angst vor mir selbst und dem was in mir an Verborgenem heranwachsen könnte, ist geblieben. Weshalb ich regelmässig mein eigenens Verhalten, meine Emotionen, meine Beziehungen kritisch hinterfrage...
( p31 Weil wir unseren eigenen Macken Aufmerksamkeit entgegenbringen )

Nur 2 Seiten Anmerkungen, aber dieses Buch ist sicher auch mehr zur Unterhaltung als zum Quellenstudium gedacht und dennoch sind Hinweise auf Bücher wie Dossie Easton/Janet Hardy " The New Bottoming Book " oder Niklas Largiers " Lob der Peitsche " für manchen bestimmt ein guter Tipp.

LG
Moro
Wir spielen alle, wer es weiss, ist klug ( Arthur Schnitzler )
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