Sa, 13.Jun 2009, 09:51
von Leopard
Zum Thema "Die Gelddomina als neuer Typ Domina":
Wenn ich über einen neuen Typ Domina spreche, meine ich ganz sicher nicht die zahllosen "Moneydommes", die im Internet herumgeistern. Die sind für mich ohnehin ein absolutes Rätsel. Die Gelddomina als solches ist gerade in Zeiten der Finanzkrise nichts Ungewöhnliches. Ich kann mir aber absolut nicht erklären, was einen Menschen dazu treibt, einen Geldbetrag oder gar soviel, dass er sich in seiner eigenen Lebenshaltung beschränken muss, an eine Frau zu schicken, die er nicht kennt und von der er nicht einmal weiß, ob sie überhaupt existiert, und wenn ja, ob sie so aussieht wie auf der jeweiligen Homepage.
In der Tat bieten aber auch viele gestandene und reale Dominas auf ihren Websites Gelddomination an. Ich finde das eher abschreckend und kann insofern, falls Lady Mac Laine diese Dominas meint, ihre Kritik ausnahmsweise und bei allem Befremden über den Unterton ihrer Beiträge, das ich nicht zum ersten Mal empfinde und mit Lady Katarina teile, nachempfinden. Wenn aber eine Domina ihren Job exzellent macht, ist es mir aber eigentlich egal, ob sie auch Gelddomina ist oder nicht. Vor dem Erstkontakt wirft es aber bei mir ein eher ungutes Licht auf sie.
Letztlich gibt es nichts, was es nicht gibt, und wer Geld ohne Gegenleistung ausgeben möchte, ist selber schuld und muss das mit sich selbst ausmachen. Vermutlich ist das Geschäft als solches noch nicht einmal sittenwidrig und zivilrechtlich nichtig, weil ja das "Nichts Bekommen" gerade sein Sinn und Zweck ist.
Zum Thema "Verschwimmen von SM und Sexualität bei den "neuen" Dominas":
Meine sexuellen Empfindungen vor, während oder nach einem Dominabesuch sind etwas Privates, das ich nicht hier oder in irgendeinem anderen Forum teilen möchte. Grundsätzlich ist das ein Thema, das in einen Raum gehört, in dem ich mit einer Frau allein bin. Deswegen möchte ich das Thema aus einem anderen Blickwinkel angehen:
Mir kommt diese ganze Dominaszene mitunter unglaublich dogmatisch und schablonenhaft vor. Da ist auf der einen Seite die Herrin, auf der anderen Seite der Sklave, es geht meist um Macht und Unterwerfung und um eine Art von Rollenverteilung. Wenn ich mich durch die Studiowebsites klicke, sehe ich meist das gleiche: Etwas schwarze düstere Räume mit geschlossenen Vorhängen, häufig untermalt durch schwere, düstere Musik, den klassischen Dreiklang Lack, Leder, Latex, die klassischen Utensilien, es wirkt eigentlich häufig etwas bedrückend und genormt...
Wenn eine neue Domina mit neuen Ideen, in diese doch eher autoritäre und von Normen geprägte Welt einbricht, kann ich mir schon vorstellen, dass Unruhe entsteht. Wenn sich diese Domina dann auch noch durchsetzt, dann wird sie zur Konkurrenz und es wird schnell die Arie "Früher war alles besser" angestimmmt. Das ist normal und solllte uns nicht weiter beschäftigen. Ich persönlich finde es gut, wenn die Distanz der SM-Szene etwas verloren geht, sie sich neuen Stil- und Spielrichtungen öffnet und Dominanz berührbarer wird. Ich mag es, wenn eine dominante Dame mich z.B. anpackt und mit einem Judowurf auf den Boden wirft, mich unvermittelt durchkitzelt, lacht und mich neckt und mit ihren körperlichen Reizen spielt. Ich mag es auch, wenn mir eine Domina während der Session unvermittelt sagt, dass sie mich als Mann interessant und attraktiv findet. Für mich ist das ein Ausdruck von Selbstsicherheit, Selbstbewusstsein und Überlegenheit und hat mit Sexualität im engeren Sinne nichts zu tun.
Mein Traum ist ein Dominastudio mit hellen, weißen Wänden, offenen, großen Fenstern, durch welche die Sonne hereinstrahlt, eine gut gelaunte, lachende Domina, die nicht Distanz, sondern Nähe ausstrahlt, die züchtigt und umarmt, sanfte klassische oder erhebend-sphärische Musik, eine Art Wellness-Atmosphäre, denn letztlich ist der Besuch bei einer Domina etwas, was Körper und Seele gut tun und für den Lebensalltag stark machen und aufbauen soll...Ich wünsche mir so eine Art "Haus am See"...