Von Zeit zu Zeit, verlaufen sich in meinem Studio Gäste, in deren Kopfkino bereits seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, Filmspulen aus der Kategorie – BDSM-orientierte Neigungen und andere unerlebte Träumereien- aufgelegt werden.
Diese Kleinkunstbühne wird zumeist von einem gleichbleibenden Repertoire an Neigungen, Actionszenen, Facettenreichtum und teils sogar der selben Besetzung in Szene gebracht.
Regisseur, Caster, Cutter, Kostümgestalter und Drehbuchautor sind selbstredend immer eine Person – die Person, die sich das Endergebnis – den perfekten Film – auch ansieht.
Doch was passiert, wenn ein fest eingefahrenes Kopfkino real erlebt werden möchte?
Was, wenn sich auf einmal alles real, zu real, anfühlt?
In meinem Blog habe ich versucht es so zu formulieren:
Da sitzt er also - mein mir bisher unbekannter Liebhaber bizarrer Genüsse. Er sitzt einfach da, bohrt mit den Pomuskeln ein dunkles Netz aus Falten und Narben in meine Polster und starrt dabei bewegungslos auf seine Schuhspitzen.
Ich höre ihn atmen - ängstlich, bereits dadurch die Stille zu brechen - ängstlich, ich könnte somit auf IHN aufmerksam werden.
Auf Ihn - meinen devoten Helden ohne Grenzen und Tabus - willenlos bereit sich meiner Launenhaftigkeit zu unterwerfen - frei von neigungsorientierten Vorgaben.
Auf Ihn, der so glücklich ist, dass ich ihn überhaupt empfange.
Er habe all die wundervollen Bilder von mir gesehen.
Er habe die Texte auf meiner Homepage Abend für Abend förmlich zelebriert und auswendig gelernt.
Er habe versucht jede einzelne Silbe, jede Intonation meiner Stimme, von mir gesprochen auf meinem Anrufbeantworter, zu inhalieren um deren klanghaften Sinngehalt in seinem Kopf einzubetten, um die Saat seiner Demut darin gedeihen zu lassen.
Und genau da sitze ich wahrscheinlich - in seinem Kopf, seinen Gedanken -seiner Angst.
Dort in den Tiefen seiner Träume und Fantasien bin ich - beziehungsweise dort sind der Geist meiner Stimme, die bunten Bilder meiner Fotosessions, meine sinnlich aufgesprochenen Textpassagen - dermaßen lebendig verwurzelt, gefangen, dass meine eigentliche, meine reale Präsenz in diesem Augenblick wie eine verschüchternde Fata Morgana auf meinen so devoten Besucher wirkt.
Ich, die anbetungswürdige Göttin, die Herrin, die “Traum-Domina”, ICH bin jetzt und hier - an diesem Ort - beinahe zu viel Realität.
Meine Anwesenheit raubt dem “Schuhspitzengucker” den kontrollierten Atem - seine Kehle schnürt sich enger, läßt mich hören wie seine Lungen die Luft gepreßt freigeben.
Meine Anwesenheit flüstert ihm hinterhältig und leise ins Ohr, dass tabulose Unterwerfung sich in seinen Fantasien ganz anders angefühlt hat. Aber jetzt - hier an diesem Vorort zur Hölle - hier, unter den lauernden Augen seiner “Erwählten” - hier - fühlt sich “tabulos” plötzlich so befremdlich, so unerträglich gewaltig, so erdrückend und groß an.
- Viel zu groß für ihn.
Aber verdammt noch mal - in seinem Kopf - in seinen Träumen - da war doch ALLES so perfekt, so klar, so reizvoll. In seinen Träumen habe ich, seine Domina, niemals die Stille so gewaltsam gegen ihn eingesetzt, habe ich ihn niemals aus strahlend blauen Augen dermaßen bedeutungsvoll belauert, hat ER niemals solch unergründliche Furcht verspürt.
In seinen Träumen - ja da, da war ich seine dominante Traumtänzerin.
Für mich, als aktive, dominante Gesellschafterin, welche bekennend festen Drehbüchern keinen Rahmen bietet, stellt sich hierbei die Frage:
Ist es generell gesehen überhaupt möglich gegen solch ein festes Szenario den Genuß für andere Möglichkeiten der Abdrehfolge oder des Geschehens, zu vermitteln?
Kann sich ein Gast überhaupt in einer SM-orientierten Begegnung fallen lassen, wenn er versuchst sich stets auf den Ablauf seiner Vorgaben zu konzentrieren?
Was geschieht, wenn ein Drehbuchautor feststellt, dass sich die Realität anders – eventuell schlechter – anfühlt?
Oder gibt es Drehbuchautoren, die feststellen, dass der reale Moment viel schöner als erwartet ist?
Und was geschieht, wenn die dominante Reisebegleitung einfach mal neue Wege und Fantasien einfließen lässt? Zerstört sich in diesem Moment der Genuß wie von selbst?
Viele Fragen hinterläßt >> Madame Zarah
festgefahrenes Kopfkino?
So, 14.Sep 2008, 15:40Meine Dominanz liegt in deiner Sehnsucht verborgen
dich auf unwegsamen Pfaden meinen Gedanken zu nähern,
um deine Neigungen und deine Gelüste durch MICH zu nähren. > Madame Zarah
http://www.madame-zarah.de
dich auf unwegsamen Pfaden meinen Gedanken zu nähern,
um deine Neigungen und deine Gelüste durch MICH zu nähren. > Madame Zarah
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