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festgefahrenes Kopfkino?

So, 14.Sep 2008, 15:40
Von Zeit zu Zeit, verlaufen sich in meinem Studio Gäste, in deren Kopfkino bereits seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, Filmspulen aus der Kategorie – BDSM-orientierte Neigungen und andere unerlebte Träumereien- aufgelegt werden.
Diese Kleinkunstbühne wird zumeist von einem gleichbleibenden Repertoire an Neigungen, Actionszenen, Facettenreichtum und teils sogar der selben Besetzung in Szene gebracht.
Regisseur, Caster, Cutter, Kostümgestalter und Drehbuchautor sind selbstredend immer eine Person – die Person, die sich das Endergebnis – den perfekten Film – auch ansieht.

Doch was passiert, wenn ein fest eingefahrenes Kopfkino real erlebt werden möchte?
Was, wenn sich auf einmal alles real, zu real, anfühlt?

In meinem Blog habe ich versucht es so zu formulieren:

Da sitzt er also - mein mir bisher unbekannter Liebhaber bizarrer Genüsse. Er sitzt einfach da, bohrt mit den Pomuskeln ein dunkles Netz aus Falten und Narben in meine Polster und starrt dabei bewegungslos auf seine Schuhspitzen.

Ich höre ihn atmen - ängstlich, bereits dadurch die Stille zu brechen - ängstlich, ich könnte somit auf IHN aufmerksam werden.
Auf Ihn - meinen devoten Helden ohne Grenzen und Tabus - willenlos bereit sich meiner Launenhaftigkeit zu unterwerfen - frei von neigungsorientierten Vorgaben.

Auf Ihn, der so glücklich ist, dass ich ihn überhaupt empfange.

Er habe all die wundervollen Bilder von mir gesehen.
Er habe die Texte auf meiner Homepage Abend für Abend förmlich zelebriert und auswendig gelernt.
Er habe versucht jede einzelne Silbe, jede Intonation meiner Stimme, von mir gesprochen auf meinem Anrufbeantworter, zu inhalieren um deren klanghaften Sinngehalt in seinem Kopf einzubetten, um die Saat seiner Demut darin gedeihen zu lassen.

Und genau da sitze ich wahrscheinlich - in seinem Kopf, seinen Gedanken -seiner Angst.
Dort in den Tiefen seiner Träume und Fantasien bin ich - beziehungsweise dort sind der Geist meiner Stimme, die bunten Bilder meiner Fotosessions, meine sinnlich aufgesprochenen Textpassagen - dermaßen lebendig verwurzelt, gefangen, dass meine eigentliche, meine reale Präsenz in diesem Augenblick wie eine verschüchternde Fata Morgana auf meinen so devoten Besucher wirkt.

Ich, die anbetungswürdige Göttin, die Herrin, die “Traum-Domina”, ICH bin jetzt und hier - an diesem Ort - beinahe zu viel Realität.

Meine Anwesenheit raubt dem “Schuhspitzengucker” den kontrollierten Atem - seine Kehle schnürt sich enger, läßt mich hören wie seine Lungen die Luft gepreßt freigeben.

Meine Anwesenheit flüstert ihm hinterhältig und leise ins Ohr, dass tabulose Unterwerfung sich in seinen Fantasien ganz anders angefühlt hat. Aber jetzt - hier an diesem Vorort zur Hölle - hier, unter den lauernden Augen seiner “Erwählten” - hier - fühlt sich “tabulos” plötzlich so befremdlich, so unerträglich gewaltig, so erdrückend und groß an.
- Viel zu groß für ihn.

Aber verdammt noch mal - in seinem Kopf - in seinen Träumen - da war doch ALLES so perfekt, so klar, so reizvoll. In seinen Träumen habe ich, seine Domina, niemals die Stille so gewaltsam gegen ihn eingesetzt, habe ich ihn niemals aus strahlend blauen Augen dermaßen bedeutungsvoll belauert, hat ER niemals solch unergründliche Furcht verspürt.

In seinen Träumen - ja da, da war ich seine dominante Traumtänzerin.



Für mich, als aktive, dominante Gesellschafterin, welche bekennend festen Drehbüchern keinen Rahmen bietet, stellt sich hierbei die Frage:

Ist es generell gesehen überhaupt möglich gegen solch ein festes Szenario den Genuß für andere Möglichkeiten der Abdrehfolge oder des Geschehens, zu vermitteln?

Kann sich ein Gast überhaupt in einer SM-orientierten Begegnung fallen lassen, wenn er versuchst sich stets auf den Ablauf seiner Vorgaben zu konzentrieren?

Was geschieht, wenn ein Drehbuchautor feststellt, dass sich die Realität anders – eventuell schlechter – anfühlt?
Oder gibt es Drehbuchautoren, die feststellen, dass der reale Moment viel schöner als erwartet ist?

Und was geschieht, wenn die dominante Reisebegleitung einfach mal neue Wege und Fantasien einfließen lässt? Zerstört sich in diesem Moment der Genuß wie von selbst?

Viele Fragen hinterläßt >> Madame Zarah
Meine Dominanz liegt in deiner Sehnsucht verborgen
dich auf unwegsamen Pfaden meinen Gedanken zu nähern,
um deine Neigungen und deine Gelüste durch MICH zu nähren. > Madame Zarah

http://www.madame-zarah.de

festgefahrenes Kopfkino

So, 14.Sep 2008, 18:06
Also ich für meinen Teil kann aufgrund realer Erfahrungen sagen, dass das Einbringen von einigen neuen, nicht abgesprochener Spielerein während einer Session durchaus dazu führt, dass die Wertigkeit des Spiels steigt :-D .
In jeder Session jedesmal das gleiche durchzunehmen, wäre dann doch zu eintönig, jedenfalls aus meiner Sicht.
Jedoch sollten die eingebrachten Neuerungen nicht die Tabugrenze des Sub überschreiten. Wenn also z.B. der Sub nicht auf NS steht, wäre es unangebracht, soetwas plötzlich im Spiel unterzubringen.

Im vorwege sollte am besten durch ein Vorgespräch / Telefonat / E-Mail-Kontakt, bereits abgesteckt werden, in welche Richtung sich das Spiel grob bewegen soll, ohne dabei haarklein festzulegen, was vom Wortlaut her zu welcher Minute stattzufinden hat.

Allerdings gibt es sicherlich genug Leute, die fix, jedesmal ein und die selbe Szenerie durchspielen möchten, sich scheuen, etwas Neues/Unerwartetes zu erleben. Naja, die diversen Vorlieben jedes Einzelnen differenzieren dann doch einfach zu stark, was wohl in der Natur der Menschheit liegt.

Deshalb ist es auch schwer, es jedem Gast immer recht machen zu können, allerdings sehe ich das so, dass je mehr Freiheiten man der Spielgefährtin, im Umgang mit Ihrem Gast lässt, desto mehr Auswahlmöglichkeiten hat die/der Top, um ein für beide Seiten gelungenes Spiel zu kreieren. Darüberhinaus kann man sich so viel besser fallen lassen, da man sich bei einem bestehenden Vertrauensverhältnis zur Spielgefährtin sicher sein kann, dass diese von den zur Auswahl stehenden Methoden, gerade die herauspickt, die Ihrer momentanen Laune entsprechen. So wird sie ihren Spass haben, und man selbst auch, da es sich ja um Sachen handelt, die man selbst auch gerne hat. Nur eben mit dem Unterschied, dass man im vorwege nicht weiss, was entsprechedn während einer Session zur Anwendung kommt.
Der Spassfaktor sollte so auf Top- und Sub-Seite gewährleistet sein.

Die Gefahr von einem Spiel enttäuscht zu werden ist meiner Meinung nach weit aus höher einzustufen, wenn man , wie von Madame Zarah ohnehin nicht favorisiert, ein fixes Drehbuch presentiert, welches dann platt durchexzerziert werden soll. Jede noch so kleine Abweichung, selbst unbewusst, kann beim Gast unmittelbar bewirken, dass ihm das Spiel nicht behakt.


Gruss an alle...

Ropefan

So, 14.Sep 2008, 18:44
Verehrte Madame Zarah,

ich habe Ihren Bericht gelesen, immer mit dem Gedanken das wir schon einmal, vor einigen Monaten einen kurzen Mailaustausch hatten...
wahrscheinlich werden Sie sich nicht oder kaum daran erinnern aber für war es etwas ganz besonderes und jetzt lese ich Sie hier..., freu

das was Sie schreiben trifft den Nagel auf den Kopf, die Differenz aus Kopfkino und Realität kann einem schon einmal den sicheren Boden unter den Füssen entziehen denn in der Tat, ist das plötzliche ankommen in der Realität, das plötzliche vis a vis mit der Göttin/Herrin ein EXTREM sensibler Moment für den anbetenden Devotling...

das ist das Dilemma für Menschen die nur ein ganz bestimmtes Programm in die Realität umgesetzt haben wollen und sich nicht wirklich fallen lassen können um sich hinzugeben, sich benutzen zu lassen um so wiederum ganz neue Dimensionen zu erreichen...

bei all dem darf und sollte man nie vergessen das für einen ernsthaft devoten die weit über ihm stehende Herrin einen fast heiligen Status annimmt, eine Person also die er anbetet und so entsteht, wenn man es zulässt und man sollte es zulassen, meiner Meinung nach, eine zumindest einseitige Abhängigkeit dessen sich auch die Herrin/Madame immer bewusst sein sollte...

Sie haben schon via Bild eine atemberaubende Ausstrahlung...

alles gute für Sie und einen tief devoten Gruss...

zero.sub
netter typ, KEIN Fake und KEIN Spinner aber devot fetischistisch veranlagt erhofft sich hier die Antwort auf einige Fragen...

So, 14.Sep 2008, 19:14
Man muss sich wohl, will man diese mehr als berechtigten Fragen beantworten, mit dieser Angst der Gäste beschäftigen. Meines Erachtens gibt es zwei auslösende Szenarien für diese Ängste, die uns zu den Fragen bringen, wie: Warum schauen sie im Vorgespräch auf ihre Schuhspitzen, verweigern jede kleine Abweichung vom "Drehbuch" und sind so fixiert darauf, dass ihre Vorgaben eingehalten werden?

Szenario 1:
Neben den offensichtlichen Dingen wie Schüchternheit oder durch die Situation eingeschüchtert/ verstört sein, ist die Angst, so glaube ich, die ganz pragmatische Furcht vor Schmerzen. Die meisten passiven Spielpartner fürchten sich im Spiel vermutlich am meisten vor dem Moment, indem sie die Schmerzen des Spieles nicht mehr als Lustgewinn annehmen können, sie stattdessen nur als das pure wahrnehmen, was sie sind: Schmerzen.

Wie kann man aber als Gast nun sicher stellen, dass man die Schmerzen als Lust annehmen kann, gerade wenn man noch nie bei einer Domina war oder noch keine Dame gefunden hat, der man soweit vertraut, dass jeder Schmerz ein Lustgewinn ist? Man versteift sich auf das, was einen zur Domina geführt hat - Die eigenen Fantasien. Denen man doch vermeintlich vertrauen können sollte.

Das andere Szenario ist leider sehr pyschologisch:
Manche Spiele helfen den Gästen mit bestimmten Situationen ihres Lebens umzugehen und den Alltag zu meistern. In diese Gruppe gehören vermutlich die Kunden, deren Fantasie von ihnen abverlangt, wieder und wieder das gleiche Spiel zu durchleben, von dem es keine Abweichung geben darf.

Aus Gästesicht gesprochen, ist vermutlich das Beste, was die Domina tun kann, wenn ein neuer Kunde das erste Mal vor ihr sitzt und ein Drehbuchspiel wünscht, ihm einmal diesen Wunsch zu erfüllen. Nur so kann er Vertrauen zur Domina fassen, sich seine Fantasien weiter entwickeln lassen und sich schließlich für die neuen, unbekannten Möglichkeiten öffnen, durch welche die Domina auch ihre Persönlichkeit verwirklichen kann. Die Gäste, die immer wieder dasselbe Spiel durchleben "müssen", gehen sowieso, wenn sie diese Möglichkeit nicht bekommen. Was uns zur nächsten Angst führt: Die Angst abgewiesen zu werden - von der Domina, von der Wirklichkeit ...

Mein Fazit fällt daher leider so aus: Verallgemeinernde Antworten auf die spannenden Ausgangsüberlegungen sind bedauerlichweise nicht möglich. Jeder Mensch ist anders und verlangt der Psychologin in der Domina, wenn es gelungene Spiele werden sollen, alles ab. Zur Not sogar den Satz: "Deine Fantasien können wir so nicht spielen, das würdest du nicht durchstehen ..."

Einen schönen Start in die Woche allerseits
Zero
dum spiro, spero....

Mo, 15.Sep 2008, 07:22
Hi Zarah!
So ganz verstehe ich das Problem nicht:
Als "professionelle Reisebegleiterinnen" sollten wir doch genau wissen und fühlen, was möglich ist und was nicht.
Bei dem Einen wird brav die vorgegeben Route gewählt und eingehalten, bei einem Anderen kann schon mal aus einer einfachen "Standart-Reise" ein Abenteuertrip werden.

Ich habe doch nicht das Recht, denjenigen, der da verschreckt, verlegen und schüchtern vor mir sitzt, mit meinem Ego zu erschlagen und ihn aus dem Stand auf eine Wildwasserfahrt zu schicken.
Was hätte er davon?
Wo ist das Problem, diesen Besucher anzunehmen, wie er ist, sich selbst zurückzunehmen und ihm die Reise zu bescheren, die er sich wünscht und auch verkraften kann?
OK, wenn das Kopfkino allzu absurd daher kommt, müssen wir schon hier und da vernünftige Korrekturen anmahnen. Klar!
Doch den Rest bestimmen die vielen unterschiedlichen Individuen, die Tag für Tag mit ihren so unendlich verschiedenen Träumen und Phantasien durch unsere Türen kommen.
Es ist unsere Aufgabe, ihnen eine gute Zeit zu schenken und sie danach (hoffentlich) glücklich und entspannt zu verabschieden.
So jedenfall sehe ich das.
Gruss aus Berlin
Lady MacLaine

Drehbuch

Mo, 15.Sep 2008, 07:53
Wenn es dich neugierig macht, spiel mit ihm. Wenn sich dein "kopfkino" so weit verbiegen lässt als dass du es mit deiner überzeugung vereinbaren kannst, spiel mit ihm. Oder ist im endeffekt dein Kopfkino vielleicht genauso festgefahren wie seines? Die Frage könnte sich stellen.

Für mich ist der Fall klar; solche speziellen gegebenheiten muss man sehr langsam und mit geduld angehen. Step by step, zuviel auf einmal würde seine Illusionen zerstören. Versuche jeweils je einen Teil seines "Films" für dich selber zu übernehmen und spiele mit ihm dann genau das durch - aber mit deinen facetten garniert! Eins nach dem anderen, alles auf einmal ist zu heftig und würde ihn vergraulen. Solche Kunden kommen dann nie wieder und werden die längste Zeit (auch erfolglos) auf der suche nach der geeigneten befriedigung sein! Hat ihm der erste Teil gefallen, kommt er wieder und wird umso glücklicher sein seine Herrin wieder sehen zu dürfen. Das ganze Theaterstück, dann in viele sessions geteilt, ergibt einen schönen "Film" für den Gast. Je öfter er dann wieder kommt, desto mehr kannst du ihn auf deine eigenen fantasien"drillen". Je öfter er da war, desto mehr kannst du ihm von deiner Persönlichkeit geben. Wie fest du dich dann punkto "wille zum drehbuch" anpassen willst, bleibt deiner flexibilität und Fantasie überlassen. Oder lebt nicht gerade der (sm-)alltag von solchen Traumfetzen?
geschrieben von Lady MacLaine

Es ist unsere Aufgabe, ihnen eine gute Zeit zu schenken und sie danach (hoffentlich) glücklich und entspannt zu verabschieden.
So jedenfall sehe ich das.
Schön und treffend formuliert! winke winke
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die Dummheit der Menschen.
Beim Universum bin ich mir aber nicht so ganz sicher.

Kopfkino? Wozu?

Mo, 15.Sep 2008, 08:33
Madame Zarah hat geschrieben: Diese Kleinkunstbühne wird zumeist von einem gleichbleibenden Repertoire an Neigungen, Actionszenen, Facettenreichtum und teils sogar der selben Besetzung in Szene gebracht.
Regisseur, Caster, Cutter, Kostümgestalter und Drehbuchautor sind selbstredend immer eine Person – die Person, die sich das Endergebnis – den perfekten Film – auch ansieht.

In seinen Träumen - ja da, da war ich seine dominante Traumtänzerin.[/i]

Viele Fragen hinterläßt >> Madame Zarah


Moment, moment mal, ich.... Entschuldigung, muss das Dingen ausknipsen, geht immer an, wenn ich denken - olala - will... Dann ist alles vorbei, wie du dir vorstellen kannst, wenn du auch infiziert bist. Was wollte ich schreiben? Ach ja:

Träumereien, Wunschbilder, Fantasien, am Abend , im Bett, vor dem Einschlafen, zum Einschlafen, nur zu. Ausgeklügelte Methoden mentalen Trainings, Spitzensportlern nutzen das Vorstellungsvermögen bewusst aus, sich auf Wettkämpfe einzustellen, weiß nicht genau, ob das hierher passt.

Träumereien am Tage, beim Autofahren, im Büro, bei der Reparatur von Hagelschäden auf dem Dach, Operation der Prostata, in den Armen der Ehefrau, Freundin oder Geliebten... Zu gefährlich, zu töricht, schamlos oder dämlich... Aber wenn es doch so langweilig ist?

Geh ich ins Kino seh mir nen Film an, gute Kritiken...Jau, war lange nicht mehr.
Drehbuch bestens, der Regisseur, ein neuer Stern in der Riege der Stars, die Darsteller allererste Klasse...

Soll ich mir da noch Gedanken machen, ob ich das besser hätte gekonnt haben würde? - Nö. Lass die mal machen.

Mach einen Termin mit der Do meines „Herzens“, feinste DF Referenzen, Top Gage, und die Home Page erst, wie im richtigen Leben ...

Was soll ich da mit meinen Gedankenkrümelchen? Auf den Müll damit, lass „sie“ mal machen, sag ihr vorher, dass ich kein Schmerzapostel bin und dann fall ich ...
Wenn „sie“ mich fragt, dann reden wir...Ich gestehe alles...Fast.

Kurzer Sinn etlicher Worte:
Ars Vivendi, in „diesem“ Augenblick, mit allen Sinnen ohne fade Eigenblödeleien, wenn ich selbst filmen will brauch ich nicht aus dem Haus zu gehen, so'n Quark.

Vielleicht ist es nur Angst zu leben? Bei beiden?

Gruß
erodom

Mo, 15.Sep 2008, 10:25
Liebe Mitschreiber, Denker und Leser, fühlt Euch gegrüßt.

In meinem Eingangsposting geht es mir nicht darum, ob ich es als sinnvoll, beziehungsweise mir gegeben betrachte mich auf Höhenflüge, Fatasien, Neigungen und Gelüste meiner Gäste einzulassen.
- Da habe ich für mich bereits vor mehreren Jahren meinen Weg gefunden, und glaube behaupten zu dürfen, dass dieser nicht so ganz falsch ist. (Hierbei wäre es vermessen und gelogen, würde ich behaupten, in all der Zeit für jeden meiner Gäste immer die perfekte Reisebegleitung gewesen zu sein.)

Nein, was ich zum Ausdruck bringen wollte - sprich - was ich hinterfrage:
ist das festgefahrene Kopfkino.
So wurde ich mit Drehbüchern aufgesucht, welche 9-10, teilweise auch 15 Seiten beinhalteten - samt Vorgabe des Textes mitsamt Intonation - welche selbstredend auch gerne eingehalten werden sollte.

Ich bin einem Gast im Vorgespräch begegnet, der mir von einem unheimlich schönen Schmerz berichtete, welchen er nur in seinem Kopfkino verbunden mit eigenen Handanlegen voller Erregung empfinden kann.
Obgleich er bereits mehrere Damen vor mir besucht hatte - keine hätte ihm jemals diesen wundervollen Schmerz erleiden lassen.

Ein weiterer Gast suchte mich einmal auf und wollte mich zu einem besonderen Rollenspiel einladen. Das Rollenspiel wurde zwar bis ins Detail von ihm vorgegeben, doch war dabei noch so viel Spannung für mich zu erwarten, dass ich dem Wunsch gerne nachkommen wollte.
- Nun fehlte jedoch das passende Schuhwerk für mich. Es sollten ganz spezielle, weiße Pumps sein. Nur diese Schuhe hätten einen so großen Reiz auf seine Fantasien, dass er sich in seinen Träumereien wohlfühlen könne. Da ich dieses Schuhwerk nicht aufwarten konnte vermittelte ich den Gast in ein anderes Studio, in welchem eine Dame mit weißen Pumps anzutreffen war.
Nach ungefähr 45 Minuten klingelte der Herr wieder an meiner Tür. Er wolle jetzt trotz fehlender Pumps mit mir spielen, auch wenn ihm dadurch sein Reiz genommen würde, da in dem anderen Studio keine Dame mit genau meinem Aussehen UND passenden Pumps anzutreffen sei.
(Den Hinweis, bei solch einem speziellen Fetisch eventuell 1-2 Paar Schuhe, in verschiedenen Größen, zu erwerben und die Dame seiner Wahl dann freundlich zu bitten ein Paar davon während des Rollenspiels zu tragen, fand der Herr total abwegig.)

Solche eher seltenen, doch stets wiederkehrenden Anfragen, Neigungen,
festgefahrene Erwartungen, stehen bei meinen Fragen im Focus.
(Nicht aber, ob ich trotz meiner Form von Dominanz und Rollenführung noch biegsam genug bin mich auf meine Gäste einzustellen.)

Und aus diesem Rahmen heraus stehen weiterhin einige meiner Fragen im Raum, welche ich bereits im Eingangposting folgendermaßen zu benennen wußte:

Ist es generell gesehen überhaupt möglich gegen solch ein festes Szenario den Genuß für andere Möglichkeiten der Abdrehfolge oder des Geschehens, zu vermitteln?

Kann sich ein Gast überhaupt in einer SM-orientierten Begegnung fallen lassen, wenn er versuchst sich stets auf den Ablauf seiner Vorgaben zu konzentrieren?

Was geschieht, wenn ein Drehbuchautor feststellt, dass sich die Realität anders – eventuell schlechter – anfühlt?
Oder gibt es Drehbuchautoren, die feststellen, dass der reale Moment viel schöner als erwartet ist?

Und was geschieht, wenn die dominante Reisebegleitung einfach mal neue Wege und Fantasien einfließen lässt? Zerstört sich in diesem Moment der Genuß wie von selbst?


Einige nette und anregende Kommentare und Denkweisen, habe ich hierzu bereits lesen dürfen.
Über einen weiteren, regen Meinungsaustausch würde ich mich freuen.

Bunte Grüße hinterläßt >> Madame Zarah
Meine Dominanz liegt in deiner Sehnsucht verborgen
dich auf unwegsamen Pfaden meinen Gedanken zu nähern,
um deine Neigungen und deine Gelüste durch MICH zu nähren. > Madame Zarah

http://www.madame-zarah.de

Mo, 15.Sep 2008, 11:20
Madame Zarah,
ich habe diesen thread bisher mit großem Genuß verfolgt - allein schon Ihre bildhafte Beschreibung des "Schuhspitzenguckers" ist ein Leckerbissen. Jetzt haben Sie noch ein weiteres Schmankerl nachgelegt - den "Herrn mit den weißen Pumps im Kopf".

Es verlangt nicht allzuviel Scharfsinn zu bemerken, daß Sie hier über die absoluten Extremfälle sprechen, die Ihnen gelegentlich begegnen. Angenommen, auf einen meiner Freunde würde Ihre Beschreibung zutreffen - nennen wir ihn hier einfach mal Dorian Gray. Angenommen, Dorian und ich hätten einen schönen Abend in einer angenehmen Weinstube verbracht - und gegen Mitternacht würde sich Dorian ein Herz fassen und sein (sexuelles) Innenleben vor mir ausbreiten mit der Bitte um Rat und Hilfe.

Was ich als guter Freund für Dorian tun würde? Ich würde 3 Termine für ihn vereinbaren: Einen bei Lady MacLaine, einen bei Madame Zarah, und den dritten würde ich spontan aus dem Ärmel schütteln. Angenommen, alle drei Termine wären für Dorian eine Enttäuschung - was ich für unwahrscheinlich, aber immerhin für möglich hielte. Dann, ja dann müßte ich diesem Freund sagen: "Setz´Dich vor einen Spiegel, guck´Dir den strahlenden Helden Deiner Phantasien aufmerksam an - und dann bring´Deine Phantasien zu Papier! Schreib´erotische Drehbücher oder meinetwegen erotische Romane! Und dann versuch´es in zwei oder drei Jahren nochmal damit, eine Reisebegleitung aus Fleisch und Blut zu finden ... eine Dame, der Du Dich zumindest so weit öffnen kannst, daß sie Dich ein Stück weit aus der Welt der Phantasie in die Realität begleiten kann."

Nebenbei: War nicht auch der Marquis de Sade solch ein notorischer Kopf-Cineast? Meines Wissens hat er seine Phantasien nur in seinen Schriften ausgelebt. Hätte er sein Kopfkino nicht aufgeschrieben und unter die Leute gebracht, sondern stattdessen diskret mit einer verständnisvollen und erfahrenen Dame ausgelebt, wäre er vielleicht nie ins Gefängnis gekommen. ...

Gruss
-Platon-

Mo, 15.Sep 2008, 20:38
Wer ein festzementiertes Drehbuch im Kopf hat, wird sich wahrscheinlich schwertun, den Ablauf zu 100% mitzuteilen, weil vieles im Kopfkino gar nicht so richtig in Worte zu fassen ist, gerade wenn Einen die Story schon seit Wochen und Monaten beschäftigt. Von daher ist eine Enttäuschung fast schon programmiert, weil ein Ideal gar nicht realisierbar ist, es sei denn, die Erwartungen sind recht simpel gestrickt.

Man kann es vielleicht mir einem Traumpartner vergleichen, man hat alle mögliche Vorstellungen und Ideale, die man in eine zunächst fiktive Person hinenprojiziert, ohne zum Teil selber in Worte fassen zu können, welche dies genau sind. Trifft man dann auf einen Menschen, muß man von diesem strikten Ideal Abstand nehmen, da man sonst bis zum Sankt Nimmerleinstag auf der Suche ist, da alle Wünsche und Ideale gar nicht erfüllt werden können. Also muß man darauf schauen, das die Schnittmenge möglichst groß ist, und ansonsten offen für seine neue Gefährtin sein, umgekehrt allerdings genauso.

Was sollen uns diese Worte Sagen ??

Letztenendes kann man nur mit einer groben Richtung in ein Spiel gehen und sich ansonsten alle Richtungen offenhalten. Dazu ist es allerdings nötig, das beide Spielpartner in jeder Beziehung beweglich genug sind um das Spiel immer weiter zu treiben und das sind dann auch die Sessions, die man so schnell nicht vergisst.

Mo, 15.Sep 2008, 22:08
Das Gehirn ist ein Labyrinth, in dessen Irrungen und Wirrungen sich so mancher Gedankengang festsetzt und für immer darin gefangen ist...

So kann es nicht erstaunen, dass man im Grunde genommen gegen einen bis ins Detail ausgefeilte Phantasie nie wird antreten können. Dieses Drehbuch wird dann ja wohl auch während Jahren (ev. schon seit der Pubertät) täglich (oder nächtlich) verfeinert und ausgefeilt - bis ins Detail. Da kann eine Session von 1 oder 2 Stunden gar nicht dagegen ankommen. Wie auch?!?

Ich denke daher, dass man es akzeptieren muss, dass gewisse "Gäste" exzessiv festgefahrene Kopfkinodrehbücher haben. An diesem Script kann nur der Autor etwas ändern - nicht aber die Erfüllungsgehilfin. Das liesse der Regisseur und Produzent nicht zu.
Schade! Wenn die Kopfcineasten nur wüssten, was sie dabei verpassen: die Realität! Für mich ist es nicht vorstellbar, dass ich eine Dame mit meinen Phantasien und Ideen zumülle, denn ich weiss, dass ich damit nur ihrer Kreativität unnötige Grenzen setzen würde. Für mich ist gerade der Überraschungseffet, die Dinge, die da kommen mögen, der Kick an einer gelungenen Session.
Aber wer seine "Herrin" nur als "doloses Werkzeug" im Sinne einer puren Erfüllungsgehilfin zum Lustgewinn sieht (was irgendwie ja schon auch zutreffend ist...), der wird an seinem Drehbuch festhalten, auch wenn es zur Obsession verkommen mag.
Wie nennt man das Sexualorgan des Sklaven? - Gehirn :-)

Da gibt es Parallelen...

Di, 16.Sep 2008, 05:09
Werte Madame Zarah,

auch bei mir erzeugen die von Ihnen dar- und festgestellten Phänome eine gewisse Interpretationsbedürftigkeit die ich jedoch gerne bis zu Enden verstehen möchte.

Was wenn sich hier noch eine mir bisher unbekannte aber selbsterfahrbare & vielleicht lustverheißende Technik oder Selbsteinstellung gewinnen ließe.

Ich komme aber nicht umhin sie auf ein ähnliches Phänomen hinzuweisen das alljährlich in Bayreuth stattfindet und zu dem sich mir die Motivationen weder der wiederholten Besucher noch der wiederholten Kritiker erschließt.

Vielleicht kann man daraus für sich lernen das man nicht lernen/verstehen kann wenn man nicht so ist...

Liebe Grüße
Rahed

der froh ist nicht alles verstehen zu können auch wenn er es probiert - einschließlich seiner selbst

Di, 16.Sep 2008, 13:15
Also die einzige Frage die mich hier sehr interessiert wäre diese:
Oder gibt es Drehbuchautoren, die feststellen, dass der reale Moment viel schöner als erwartet ist?
Drehbücher lehne ich aufgrund enttäuschender Erlebnisse von vornerein ab.
Ja, es gab nicht eine Drehbuch-Session die scheinbar das Kopfkino befriedigte und immer wieder auch gehört: Die Enttäuschung das bisher alle Versuche scheiterten und Mann weiter suchen wolle.
Für mich: Unbefriedigend von vorne bis hinten.

Unter Drehbuch verstehe ich nicht "klare Vorstellungen" zu haben.

Ich bin überzeugt, Mann besch... sich mit festgefahrenem Kopkino leider nur immer wieder selbst.

Di, 16.Sep 2008, 17:21
Roxana Sallés hat geschrieben:Drehbücher lehne ich aufgrund enttäuschender Erlebnisse von vornerein ab.
Ja, es gab nicht eine Drehbuch-Session die scheinbar das Kopfkino befriedigte und immer wieder auch gehört: Die Enttäuschung das bisher alle Versuche scheiterten und Mann weiter suchen wolle.
Für mich: Unbefriedigend von vorne bis hinten.
Da kann ich ohne "wenn" und "aber" zustimmen: Habe selbst die Erfahrung gemacht, dass weder ein noch so gutes Drehbuch oder aber auch der Traum im Kopfkino so schön sein kann, wie ich es immer wieder bei meiner Lady erleben darf. Bekomme immer mehr geschenkt, wie ich es mir vorgestellt hatte oder auch versucht habe ... :)

Darum träume ich lieber nachher davon ... :)

Gruß
JumpyCat
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