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PaySM in der Beziehung

Do, 21.Mär 2019, 13:39
Wir Männer sind ja schon manchmal Schweine, nehmen wir mich zum Beispiel. Ohne was dafür zu bezahlen wollte ich mir heute morgen zur allgemeinen Erbauung Virginia Nox‘ Po anschauen und auf der Toilette ein paar gemeinsame Momente mit ihr rekapitulieren. Auf ihrem Twitter Feed fand ich dann folgenden Link:

https://www.trauma-and-prostitution.eu/ ... tenfrauen/

Die ethisch-moralische Grundhaltung auf der dieser Artikel basiert würde ich gern mal hier in der Selbsthilfegruppe besprechen. Findet Ihr das nicht etwas antiquiert, den sexuellen Hontergehen des Lebenspartners derart als Todsünde bzw psychischen Mißbrauch zu bewerten? Auch meine Partnerin würde es wohl schlimm finden daß ich mich mitunter gegen Bezahlung erotisch vergnüge. Dieses Vergnügen hat jedoch
a) eine klare zeitliche Begrenzung und
b) kein Fortpflanzungsbestreben bzw keinen Wunsch nach Änderung der Lebensverhältnisse zum Anlass. Es ist reiner Hedonismus, wie Wein trinken.

Die Autorin beschreibt perfide, bösartige Strategien mit denen der Partner hintergangen wird und eine Verrohung/Lethargie gegenüber der Hintergangenen. Letzteres kann ich bei mir überhaupt nicht bestätigen, wir gehen liebevoll miteinander um und haben sehr viel Körperlichkeit - nur auf harte sexuelle Kicks wie BDSM oder gar dirtyspiele hätte ich mit meiner Partnerin überhaupt keinen Bock. Das ist für mich auch Folge einer sehr engen Bindung, die sehr direkt und nicht abstrakt und chiffriert ist wie das verhältnis zu einer Domina.

Das mit der perfiden Strategie würde ich noch durchwinken - wie soll man denn sonst was tun von dem die Partnerin nix mitbekommen soll?

Aber was ist Eure Meinung - tun wir unseren Partnern objektiv betrachtet Schlimmes damit an, im Pay SM bestimmten Kinks nachzugehen? Werten wir sie damit ab?

Re: PaySM in der Beziehung

Do, 21.Mär 2019, 15:50
Also, die Webseite ist von "Scientists for a world without prostitution", also von Menschen, die die Prostitution verbieten wollen. Ich habe ein Problem, dass sie sich alle Wissenschaftler nennen, den es sind TraumatherpeutInnen und viele andere Therapeuten und Ärzte, die ich zumeist nicht als Wissenschaftler bezeichnen würde und diejenige, die man dazu zählen kann (die wissenschaftliche Arbeiten), haben dies zumeist auf einem anderen Gebiet gemacht. Ist also Lobby-Gruppe wie Wissenschaftler/Ärzte gegen oder für Abtreibung, etc. etc.

Argumente für und gegen Prostitution, aber auch für und gegen Pornografie findet man ja genügend. Problematisch ist aus meiner Sicht, dass in Medien oft Politiker X, ehemalige Prostituierte Y, Soziologe Z, Polizist K, etc. zitiert werden, die Aussagen tätigen, die gar nicht erhärtet oder sogar nachweislich falsch sind - wie 99% sind Zwangsprostituierte, es gibt in Deutschland 1 Mio Prostituierte, ohne Prostitution gäbe es 10x mehr Vergewaltigungen, etc. etc.

Zur Frage: Ich gehe zu Sexarbeiterinnen, in meinem Fall Dominas, mit Wissen meiner Frau und dies ohne moralische Gewissensbisse, da ich die Domina gut auswähle und meine Frau nicht darunter leidet, da sie zwar dominant ist, aber keine Langzeit über Tage mag. Jetzt könnte ich sagen, dass ich nach längeren Aufenthalten glücklich nach Hause komme, wie wenn meine Frau in die Wellness Ferien geht, ich nachher entspannter bin und dies auch meiner Familie zu Gute kommt. Umgekehrt könnte man sagen, dass mich meine Frau nach einem Aufenthalt sexuell weniger reizt - aber ich denke, beides sind "falsche Erklärungen". Es würde auch ohne gehen und da es finanziell kein Problem ist, ist diese Problematik auch nicht vorhanden.

Als ich noch relativ jung war und ohne Wissen meiner damaligen Partnerinnen (ohne Kinder, Eheschein) zu Dominas gegangen bin, hatte ich übrigens auch kein schlechtes Gewissen. Man muss in einer Beziehung nicht alles über den anderen wissen und alles erzählen - so habe ich dies auch immer kommuniziert. Und ich habe es so gemacht, dass meine Partnerinnen es nicht mitbekommen haben. Unsere Beziehung war völlig normal .... Ich finde es eher moralisch problematisch, wenn man nach vielen Jahren Beziehung, plötzlich damit kommt und dem Partner, der dies evtl. gar nicht wissen will, damit belastet. Meine Meinung ist, entweder sagt man es am Anfang einer Beziehung oder gar nicht. Ich hätte auch moralische Probleme, wenn meine Frau BDSM Sachen nur mir zu liebe macht und sie sich eigentlich davor ekelt. Da geht man lieber auswärts in ein Studio.

Re: PaySM in der Beziehung

Do, 21.Mär 2019, 16:13
Meine rein persönliche Meinung dazu:

Ich kann zunächst nachvollziehen, dass der betrogene Part stark verletzt ist. Ganz klar.

Andererseits hat es ja irgendwelche und sehr vielfältige Gründe, dass es so kommt. Die nicht im Partner liegen müssen - wie wir gerade im SM-Bereich sehr gut wissen.

Meines Erachtens hat die Frau hier einen Schuldkomplex der sie daran hindert, die Situation überhaupt objektiv zu hinterfragen. Sie wälzt alles ab auf den bösen Mann. Was aber würde sie wohl sagen wenn der sich statt dessen mit der Bürokollegin oder einem Kneipenflirt vergnügen würde? Was würde sie sagen wenn sie feststellt, dass dies ungleich mental intimer sein kann als ein Besuch bei der Prostituierten?

So wird gefordert, Freier unter Strafe zu stellen während sie sich ansonsten nach Lust und Laune vergnügen dürften. Da sollte doch die Verletzung noch weitaus größer sein.

Auch verkennt sie, dass es vielleicht immer noch gute Gründe gibt, warum ihre Beziehung nicht längst in die Brüche gegangen ist. Sie befasst sich noch nicht einmal ernsthaft damit. Bequemlichkeitsbeziehung oder doch noch mentale Nähe, Verständnis, Zuneigung?

Letztlich träumt sie davon, etwas, das sie längst verloren hat, durch Strafe des fremdgehenden Ehemannes wieder erlangen zu können. Ein kindischer und naiver Irrglaube. Sie sollte sich besser seriös therapieren lassen, dies auch ihrem Partner vorschlagen und von ihm einfordern. Dann erst wird sich zeigen, ob da noch eine Basis ist.

Das Leben ist insgesamt oft genug verletzend wie eingangs gesagt. Verletzungen kann man nicht durch Strafe vermeiden. Und hat sie ihren Mann vielleicht anderweitig auch verletzt? Wer weiß - aber das Leben ist auch kein Ponyhof wie es so schön heißt.

Rein persönlich bin ich in der glücklichen Lage, dass meine Frau es weiß ... weil wir schon vorher darüber gesprochen haben. winke winke

Re: PaySM in der Beziehung

Do, 21.Mär 2019, 17:16
fanrheinmain hat geschrieben: Meines Erachtens hat die Frau hier einen Schuldkomplex der sie daran hindert, die Situation überhaupt objektiv zu hinterfragen. Sie wälzt alles ab auf den bösen Mann. Was aber würde sie wohl sagen wenn der sich statt dessen mit der Bürokollegin oder einem Kneipenflirt vergnügen würde?

Auch verkennt sie, dass es vielleicht immer noch gute Gründe gibt, warum ihre Beziehung nicht längst in die Brüche gegangen ist. Sie befasst sich noch nicht einmal ernsthaft damit. Bequemlichkeitsbeziehung oder doch noch mentale Nähe, Verständnis, Zuneigung?
Absolut d‘accotd - die Autorin ist es ja, die die Beziehung auf Sex reduziert bzw ausbleibender oder auch mit Dritten gehabter Sex seitens Mann die Beziehung vollständig entwertet. Man könnte mir entgegnen, daß es der Vertrauensbruch an sich ist, der die Beziehung entwertet - aber oben hat CM bereits ein grundsätzliches moralisches Dilemma beschrieben:
cm hat geschrieben: Als ich noch relativ jung war und ohne Wissen meiner damaligen Partnerinnen (ohne Kinder, Eheschein) zu Dominas gegangen bin, hatte ich übrigens auch kein schlechtes Gewissen. Man muss in einer Beziehung nicht alles über den anderen wissen und alles erzählen (...) Ich finde es eher moralisch problematisch, wenn man nach vielen Jahren Beziehung, plötzlich damit kommt und dem Partner, der dies evtl. gar nicht wissen will, damit belastet. Meine Meinung ist, entweder sagt man es am Anfang einer Beziehung oder gar nicht. Ich hätte auch moralische Probleme, wenn meine Frau BDSM Sachen nur mir zu liebe macht und sie sich eigentlich davor ekelt. Da geht man lieber auswärts in ein Studio.
Das Dilemma: Was ist unmoralischer - die dunklen 10% seiner selbst verborgen zu halten oder damit jemanden zu belasten, der überhaupt kein Verständnis dafür hat und dies auch gar nicht benötigt? Wo führt das für beide jeweils hin auf der Glücklichkeitsskala einerseits und der Karmatafel andererseits?

Will sagen: Es ist sehr schwer zu beurteilen ob der Vertrauensbruch wertmindernd oder werterhaltend in der Beziehung ist. Denn eins wissen wir wohl alle hier - man hört mit dem was wir machen nie völlig auf.

Re: PaySM in der Beziehung

Do, 21.Mär 2019, 18:10
So hat jeder seine eigene Sicht- und Handlungsweise.

Zunächst einmal ist für mich gleich, ob ich einen bezahlten oder privaten Seitensprung unternehme, oder zu einer Sexarbeiterin für SM gehe. Beides ist für mich Sex.
Für mich käme in einer Partnerschaft ein heimlicher Besuch bei einer Sexarbeiterin nicht in Frage, da ich das als Vertrauensbruch ansehe. Umgekehrt würde ich es auch als Vertrauensbruch empfinden, wenn meine Partnerin heimlich zu einem Callboy oder einem Dominator geht. Ich weiß, klingt ziemlich altmodisch. :-D
https://twitter.com/paulsupp99

Re: PaySM in der Beziehung

Do, 21.Mär 2019, 21:07
wenn die ehefrau mit anfang vierzig keine lust mehr auf sex hat, ist man aufgeschmissen

viele tolerieren ja stillschweigend, dann ist es okay, aber zu verlangen, auch mit dem sex zu stoppen ist tyrannisch und selbstsüchtig.

keine ahnung wann der drang bei männer nachlässt? mit mitte sechzig?

zwanzig jahre dürrre?? in der schönsten zeit des lebens? wozu?

Re: PaySM in der Beziehung

Fr, 22.Mär 2019, 06:58
Ganz grundlegend bin ich immer der Meinung, dass vieles im Leben, was die Freizeitgestaltung und das Sozialleben betrifft, nicht nur von einem Partner beansprucht und erfüllt wird. Man redet nicht nur mit seinem Partner über die Dinge, die einen mental bewegen; man geht auch nicht zum Sport nur mit seinem Partner oder verabredet sich fürs Kino ausschließlich mit seinem Partner. Der soziale Kreis um einen Menschen herum hat gesunderweise eine höhere Diversität als nur den Partner. Man hat ganz viele "Lebensgefährten", mit denen man (auch intime) Dinge im Leben teilt. Nur den Sex behält man seinem Partner vor. Warum aber sollte man dies nicht auch mit verschiedenen Leuten tun können?
Es funktioniert aber nur mit der Ehrlichkeit offener Karten in so einer Beziehung. Sich heimlich davon machen unter dem Vorwand Squash spielen zu gehen mit einem Arbeitskollegen, sich aber in Wirktlichkeit zu einem Tête-á-Tête treffen, das würde (bei mir zumindest) auf Dauer nicht funktionieren mit meinem Gewissen.
PaySex/-SM halte ich persönlich für vernünftiger als eine Affäre. Durch die Bezahlung sind die Grenzen klar abgesteckt, ein monetärer Ausgleich gegen Lust. Auch wenn die Zeit oder Zuwendung mal ein wenig mehr betragen kann, aber es ist klar, dass Ca$h gegen Sex ausgetauscht wird und keiner darüber hinausgehende Erwartungen an den anderen Beteiligten haben soll. Essen gehen, Urlaub machen, in den Freizeitpark gehen, das kostet ebenso Geld (auch wenn die Dimensionen sich nicht ganz vergleichen lassen), und wenn die Güter einer Partnerschaft gerecht verteilt sind, warum soll sich der Mann für seinen Anteil nicht ein Stündchen Domina gönnen, und die Frau sich ne Dior-Sonnenbrille?
Für mich ist dies die Idealvorstellung einer Beziehung. Reell gesehen wird es wohl häufig jemanden geben, der verletzt ist, wenn der Partner sich seine Bedürfnisbefriedigung woanders holt.
"So where do you live, anyway?" - "Mostly in my head."

Re: PaySM in der Beziehung

Fr, 22.Mär 2019, 09:12
Aktuell: Es rauscht ja mächtig im bundesdeutschen Blätterwald, weil Thomas und Thea Gottschalk nach 47 (!) Jahren die Trennung bekannt gegeben haben.
Sogar unser aller Otto hat öffentlich angemahnt, Thomas solle doch nochmal darüber nachdenken......

Genau da können wir unsere verquaste Moral öffentlich begutachten: Glaubt wirklich jemand, dass die beiden nach 4 Jahrzenhten mehr sind, als gute Freunde und Kumpel? Nee, oder?
Aber wir wollen lieber, dass Thomas sich seine Lust verkneift und brav mit Thea seinen Lebensabend verbringt, bevor er als superfitter Achtundsechziger nochmal richtig durchstartet und mit Lust und Laune eine neue Liebe erlebt. Mit Sex und Knutschen und allem Drum und Dran!
Klar, haben wir Frauen mit sechzig oder siebzig vielleicht nicht mehr die große Abenteuerlust und verzichten aus verschiedenen Gründen auf Sex und Nähe. Aber sollen unsere Männer deswegen vertrockenen?
Ich habe in den 30 Jahren meiner Berufszeit als Dommse Männer getroffen, die Jahrzehnte (!) neben ihren Frauen im Bett gelegen haben und dabei körperlich und seelisch verdurstet sind.

Und ich habe ja dann nur die getroffen, die sich dann doch igendwann getraut haben und den Weg der heimlichen Befriedigung gegangen haben. Und da habe ich oft einen Leidensdruck erlebt, der wirklich gruselig war.
In diesem Sinne: Wenn niemand Schaden zugefügt wird, sollte jeder seinen Weg gehen, wie es sich für ihn (oder sie) richtig anfühlt.

Grüße von
Lady Maclaine
Antworten

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