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Gewissensbisse

So, 10.Jun 2012, 00:16
Sagt mal,

habt Ihr eigentlich Gewissensbisse, wenn Ihr ins Studio geht? Ich meine, nicht alle Studio-Besucher sind single, empfindet Ihr das nicht als Fremdgehen? Weiß Eure Partnerin von Euren Phantasien und toleriert das Ausleben woanders? (wohl kaum, oder? *gg*) Seid Ihr alle in Vanilla-Beziehungen? (dann stellt sich die Frage warum?) Oder seid Ihr in SM-Beziehungen und sucht zusätzlichen Kick oder zusätzliche Verwirklichung von Dingen, die zuhause eben nicht gehen?

Viele Fragen, auf eine anregende Diskussion freut sich

gummiknecht

Re: Gewissensbisse

So, 10.Jun 2012, 02:49
Meine Antwort lautet definitiv nein, ich lebe aber GSD in einer losen Beziehung.
Meine Partnerin ist über meine Studiogänge informiert, legt mir das nicht als Schwäche oder derartiges aus!
Im Verlauf der vielen Jahrzehnte(absoluter Fetischist) meiner Studiogänge lebe ich meine Neigungen ungehemmt aus, daraus ergeben sich in der Partnerschaft Übereinstimmungen zwischenmenschlicher Art.
Aus beruflichen Gründen sind diese Besuche in meinem Studio maximal auf 4-5 mal pro Jahr begrenzt.

Ich kann nur hoffen, dass meine Antwort für dich hilfreich ist :)
Denn ich gehöre nicht zu den fleissigsten Forenschreibern.

Grüße

Dirk

Re: Gewissensbisse

So, 10.Jun 2012, 06:48
Meine Partnerin weiß auch von meinen außerehelichen Aktivitäten und toleriert diese, da sie eingesehen hat, dass sie mir das, was ich möchte, nicht bieten kann, will oder was auch immer, aber ansonsten genügend andere positive Aspekte für die Partnerschaft vorhanden sind.
Grüße

Latexus
Bild

Re: Gewissensbisse

Mi, 13.Jun 2012, 08:02
Als derzeitiger Single kann ich das mit mir selber ausmachen.
In einer festen Partnerschaft siehts anders aus.
Da halte ich Vertrauen für sehr wichtig und würde diesbezüglich Domina-Besuche nicht verheimlichen - sehe ich als Fremdgehen- bzw. prüfen was mir wichtig ist und ggf. auch drauf verzichten können.

Ich weiss, ist wieder sehr altmodisch :-D

Gruss Paul

Re: Gewissensbisse

Mi, 13.Jun 2012, 13:46
Wegen Fremdgehen habe ich keine Gewissensbisse. Für mich ist das nämlich kein Fremdgehen sondern der Einkauf einer Dienstleistung.

Was mich persönlich beißt ist etwas ganz anderes: In erniedrigenden und lächerlichen Situationen innerhalb einer Session kommt mir in letzter Zeit öfter der Gedanke an mein Kind. Ich muss dann darüber nachdenken, was mein Kind sagen würde wenn es mich so sehen würde. Diese Gedanken sind für mich neu und dann im jeweiligen Moment extrem abturnend. Mir ist unklar was ich dagegen tun könnte (außer die Studiogänge sein zu lassen).

Re: Gewissensbisse

Mi, 13.Jun 2012, 14:17
Es ist doch in Ordnung wenn du wegen dem Fremdgehen keine Gewissensbisse
hast. Die passende kognitive Balance hast du ja auch für dich gefunden.

Wegen deinem Kind würde ich mir weniger einen Kopp machen. Ich glaube für ein Kind ist jede Art von Sexualität gleich seltsam, ob im herkömmlichen Sinne oder eben etwas ausserhalb der Norm. Üblicherweise findet ja beides ohnehin hinter verschlossenen Türen statt.

Re: Gewissensbisse

Do, 14.Jun 2012, 23:53
@UnArtiger:
Nun muß ich doch mal dumm fragen:
Du hast keinen Intimkontakt? Die Session endet nicht, indem Du über eine bestimmte Schwelle gebracht wirst? Keinerlei Hand berührt Dich, um Dir Klammern zu setzen oder ein Körperteil abzubinden?
Denn für mich wäre all das schon "Intimkontakt"...

Neugierige Grüße

gummiknecht

Re: Gewissensbisse

Fr, 15.Jun 2012, 08:34
UnArtiger hat geschrieben:Huch, das ist wohl eine Frage wie man Intimkontakt auslegt, klar gibt es irgendwie Berührungen, aber eben keinen Orgasmus, kein Sex, kein Oral oder sowas in der Art
Aber dann müsstest Du es doch nicht verheimlichen.
Nimm doch mal deine Partnerin mit zur Session. Wie würde sie es sehen ?

Re: Gewissensbisse

Mo, 18.Jun 2012, 22:33
Hallo Forumsgemeinde, hallo Gummiknecht!

Wie vermutlich viele hier habe auch ich ohne das Wissen meiner Frau Sessions mit professionellen Dominas, und ich bin mir darüber im Klaren, dass das nach der allgemein gültigen Definition und aus Sicht eines außenstehenden Dritten ganz klar als Untreue gilt. Und meine Frau wäre auch zutiefst verletzt und würde aus allen Wolken fallen, schwere Ehekrise inklusive, würde sie davon erfahren, da brauche ich mir nichts vorzumachen.

Bevor ich meine Frau kennenlernte, besuchte ich regelmäßig professionelle Dominas oder finanziell nicht völlig desinteressierte Hobbydominas, war auf der Suche nach längerfristigen privaten S/M-Kontakten und phantasierte von einer 24/7-Beziehung. Schließlich kam alles ganz anders – ich lernte meine jetzige Frau kennen, wir verliebten uns, und SM war für mich zu diesem Zeitpunkt vorerst einmal kein Thema mehr. Die Frage, ob ich nun für den Rest meines Lebens ohne SM auskommen würde, stellte sich zwar tief in meinem Inneren, ich wischte sie aber erst einmal mühelos zur Seite.

Ich liebe meine Frau und habe mit ihr zärtlichen, leidenschaftlichen (Blümchen-)Sex, den ich genieße und den ich wundervoll finde. Aber das deckt eben nicht das gesamte Spektrum meiner Sexualität ab, daneben gibt es noch das Teufelchen, das auf meiner anderen Schulter sitzt - um einmal bei der christlich indoktrinierten Wortwahl zu bleiben ;-)

Aber auf Dauer kann man seine Veranlagung nicht ignorieren oder unterdrücken, und mit der Zeit wurden meine SM-Phantasien wieder stärker und stärker. Meine Frau kann mit SM nichts anfangen. Vorsichtige Versuche, ihr sozusagen als „Einstiegsdroge“ zumindest einmal erotische Fesselspiele schmackhaft zu machen, hat sie liebevoll, aber unmissverständlich abgelehnt.

Es folgte ein jahrelanger Kampf mit meinem Gewissen, und nach über 8 Jahren Abstinenz fasste ich den Entschluss, wieder eine Domina zu besuchen. Die Vorfreude war groß, die Session super, und dann kam der Moment, vor dem ich am meisten Angst gehabt hatte: Wie würde ich mich nach der Session fühlen, wenn mein Kopf wieder klar war? Ich war fast ein wenig verwundert, aber ich hatte überhaupt keine Gewissenbisse…

Das, was ich in einem Dominastudio auslebe und mir dort hole, ist nichts, was ich meiner Frau vorenthalte, nichts, was eigentlich ihr zustünde. Meine ganze Liebe, Zärtlichkeit und Zuneigung gelten ihr, und zwar exklusiv und ausschließlich ihr, und, auf einer anderen Ebene, meinen Kindern.

Seither habe ich ca. 3-4 Mal im Jahr eine Session in einem Dominastudio und habe für mich einen Kompromiss zwischen außerehelichem Ausleben meiner SM-Veranlagung und meinem Gewissen gefunden. Ich frage mich zwar manchmal, ob ich nicht ein wenig schizophren bin, denn Vertrauen und Treue sind für mich fundamentale Werte, und trotzdem kann ich ohne Gewissenbisse eine Session mit einer Domina haben. Aber das hängt wahrscheinlich auch mit meinen Phantasien und meinem Kopfkino zusammen: Mich erregt das Szenario, ein wehrloses Opfer einer Domina zu sein, von ihr gefangen gehalten zu werden, zum anonymen Objekt degradiert, das ausschließlich dazu da ist, zur Befriedigung ihrer sadistischen Launen zur Verfügung zu stehen und das sie nur zu ihrem eigenen Vergnügen foltert und demütigt. Das erregt mich ganz extrem, und gleichzeitig ist es für mich unvorstellbar, von einer Frau, die ich liebe und die mich liebt, so behandelt zu werden

Wenn ich ein Dominastudio besuche, dann ist das für mich kein Seitensprung, ich führe keine geheime Beziehung, habe keine Affäre. Ich nehme eine Dienstleistung in Anspruch. Klar, eine sehr spezielle und pikante Dienstleistung. Ich begegne der Lady immer freundlich, höflich und respektvoll, und eine gewisse Sympathie muss dabei natürlich ebenso vorhanden sein. Aber es bleibt Business, wir führen keine Beziehung und gehen nach der Session wieder getrennte Wege.

Was wären die Alternativen? Meine Neigungen zu unterdrücken? Ich gebe offen zu, dass ich das weder kann, noch will, das habe ich jahrelang versucht. Meiner Frau meine Neigungen zu offenbaren und mit ihr auszuleben? Das ist wäre für mich vom Kopfkino her, von den Szenarien, die mich so besonders erregen, ein Ding der Unmöglichkeit, abgesehen davon, dass auch meine Frau sich dazu nicht oder nur sehr schwer überwinden könnte. Meiner Frau meine Neigungen zu offenbaren und mit ihrer Erlaubnis Dominas zu besuchen? Ich bin der festen Überzeugung, dass sie das grob verstören und unsere Beziehung nachhaltig belasten würde.

Also habe ich mich dafür entschieden, meine Neigungen diskret auszuleben, fokussiert auf 3 bis 4 Studiobesuche im Jahr, und sehe es als meine große Verantwortung, meine Frau und unsere Beziehung bestmöglich zu schützen, indem ich meine Neigungen und meine Studiobesuche als mein Geheimnis bewahre. Das ist der Weg, für den ich mich entschieden habe, dazu stehe ich, und diesen Weg gehe ich ohne Gewissenbisse.

Beste Grüße

sub marine

Re: Gewissensbisse

Di, 19.Jun 2012, 05:28
@sub marine:
Das hast du wirklich toll geschrieben!
Klug, einfühlsam und den Tatsachen des Lebens folgend.
Bravo!
Dein Artikel ist das Klügste, was ich seit langem hier gelesen habe. Er stellt alle Beteiligten an den richtigen Platz, zeigt die Verbindungen aber auch die reale Wertigkeit dieser Berührungspunkte. Kein in-den-Himmel-heben der Domina, aber auch keine überhöhten Ansprüche.
Deine Frau und deine Domina(s) bekommen die ihnen angemessene Anerkennung und die jeweils passenden Gefühle und du kannst beides so trennen, das niemand weh getan wird, du aber deinem Weg folgen kannst.

Ich denke, viele unserer (gebundenen) Gäste empfinden so wie du, könnten es vielleicht nur nicht so klar definiert ausdrücken. Danke auch für deinen sachlichen Umgang mit den Gegebenheiten. Ich habe hier im Forum oft versucht, eine gewisse "Sachlichkeit" in die Dinge zu bringen, bin aber immer gescheitert.
Es hat Spaß gemacht, deinen Artikel zu lesen.
Gruss aus Berlin
Lady MacLaine

Re: Gewissensbisse

Di, 19.Jun 2012, 07:57
@submarine

Ich mag deine Ehrlichkeit und die Intensität sowie Gründlichkeit deiner Gedanken bzw, dass du dir überhaupt soviel Gedanken machst.

Und dabei deine differenzierten Ergebnisse und Folgerungen jenes lange währenden Gedankenprozesses, die es dir ermöglichen, ohne permanent schlechtes Gewissen einen Teil deiner selbst auszuleben.

Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass, wenn du keine dominanten Dienstleistungen für dich in Anspruch nehmen würdest, deine Beziehung unter diesem Defizit leiden würde, zumal deine Frau ( LEIDER ) keinerlei Bezug zur Erweiterung eigenen Sexualleben- Spektrums in sich trägt.

Auch deshalb machst du alles richtig.

Dann kommt hinzu, dass du keinerlei innere emotionale Bindung zu deinem Tun besitzt, es für dich zwar erregende, aber eben ausschließlich " Dienstlsitung " bleibt.

Betrügen findet hauptsächlich im Kopf statt und hätte meiner Meinung nach in Ausführung etwas mit Gefühlen zu tun, auch Geschlechtsverkehr spielt da für mich eine Rolle als nachfolgende Handlung innerer Gefühlswelten.

Trifft auf dich nicht zu, du behandelst zudem alles diskret, bist schlau genug, deine Frau nicht im unmotiviertem Ehrlichkeitswahn zu belasten.


Alles zusammengefasst: Hut ab!



DomHunter
( ...Strap-it-On... )
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http://www.flash-emotions.com
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http://www.domina-portrait.com

Re: Gewissensbisse

Di, 19.Jun 2012, 08:36
@submarine

Kompliment auch von mir. Dein Posting hat mich in der ehrlichen Darstellung und durchdachten Begründung sehr beeindruckt und mir eine Sichtweise näher gebracht, die zwar jetzt nicht meine ist, aber absolut ihre Berechtigung hat.

Gruss Paul

Re: Gewissensbisse

Di, 19.Jun 2012, 10:12
Hallo submarine,

deine Ausführungen sind sehr zutreffend ,

erstmal vielen Dank dafür , auch für deine Offenheit.


Natürlich muss jeder nach besten Wissen und Gewissen

seinen eigenen passenden Weg dafür finden ,

ich habe z.B. über die Jahre beide Varianten

kennengelernt , anfangs mußte ich zahlreiche

Jahre meine Neigung heimlich und gebremst

ausleben , habe das Verlangen immer so lange

wie möglich unterdrückt und versucht zu

ignorieren , wenn dann wiedermal eine Session

anstand , war natürlich die Vorfreude sehr groß ,

aber direkt nach der Session tauchten bereits

wieder die Gedanken daran auf , wenn sie doch

Spuren bemerkt und dann beginnt wieder das

ganze Szenario von vorn .


Ich bin sehr froh , das ich nun seit vielen Jahren

meine Neigung ohne jegliche Bedenken und

Gewissensbisse ausleben darf und betrachte

diese Toleranz meiner Partnerin als ein sehr

großes Geschenk und natürlich auch als

einen eindeutigen Liebesbeweis , es herrscht

bei uns völlige Offenheit über dieses Thema ,

wir unterhalten uns über anstehende Sessions ,

sie möchte sofort nach meiner Ankunft zu Hause

wissen , wie es war und wir schauen uns gemeinsam

dann meine Filme an und sie gibt mir eine ehrliche

Einschätzung , wie sie persönlich das Szenario fand.


Keine Heimlichkeiten oder versteckte Akionen ,

sondern komplette Offenheit , dieses Gefühl ist

natürlich einfach traumhaft und eine sehr große

Erleichterung , denn die Neigung zu ignorieren oder

zu unterdrücken geht immer nur eine kurze Zeit

mehr oder weniger gut , danach bricht es umso härter durch.


Für mich ist dieser besondere Umstand ein sehr großes Glück

und ich versuche bei jeder Gelegenheit meine Liebe

und Dankbarkeit an meine Partnerin unter Beweis

zu stellen durch viele schöne gemeinsame Momente ,

viel Lachen und Spass miteinander haben und das

Leben einfach in vollen Zügen Seite an Seite zu genießen.


Gast-H :)
Antworten

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